Worms: Jazz & Joy besticht Jahr für Jahr mit hochkarätigen Künstlern aus aller Welt und hat sich dadurch einen festen Platz im kulturellen Leben der Region gesichert. 2025 bildet keine Ausnahme, sondern eine weitere Steigerung im Vergleich zu den Vorjahren.

Wolkenlos und sommerlich präsentierte sich das Wetter an allen drei Tagen bei Jazz & Joy in Worms. Das sorgt dafür, dass die Zuschauer in Scharen in die Innenstadt strömen, um 33 Acts an drei Tagen zu erleben.

Beim Sonderkonzert von Kool & The Gang ist der Marktplatz so dicht gefüllt, dass kaum ein Durchkommen möglich ist. Aber auch am Samstag und am Sonntag sorgen angenehme Temperaturen für großen Zuschauerzuspruch. 

Der Freitag mit Soul und Jazz

Am Freitagabend sorgt Anke Helfrich mit ihrem Klaviertrio für einen frühen Höhepunkt. Ihr aktuelles Album "We'll Rise" widmet sich den Leistungen von mehr oder weniger "vergessenen" Frauen wie Rosalind Franklin, die Pionierarbeit für die Entdeckung der Doppelhelix-Struktur der DNA leistete oder der Jazz-Pianistin Geri Allen. Die Musik besitzt eine faszinierende Ausdrucksstärke und Schönheit.

Vom Jazz zu Soul und Funk: Kool & the Gang bieten auf dem wirklich restlos gefüllten Marktplatz eine Best-Of-Show mit zahlreichen Show-Elementen und ausgedehnten Instrumentalpassagen, die zum Tanzen einladen. Ein Defizit ist, dass die Bläser nicht ganz so durchdringend und präzise klingen, wie man es sich gewünscht hätte. 

Afrikanische Klänge

Der in Brüssel ansässige Sänger und Instrumentalist Aboubakar Traoré, der am Samstag mit seiner Band Balima auf dem Schlossplatz auftritt, ist eine echte Entdeckung. Traoré ist ein Meister an der Kamale Ngoni, einem westafrikanischen Saiteninstrument, das einer Gitarre oder Harfe nicht unähnlich ist. Mit seinem virtuosen Spiel und viel Energie gelingt es ihm mühelos, Begeisterung zu entfachen.

Die südafrikanische Sängerin Nomfusi benötigt dagegen etwas länger, um das Publikum in Stimmung zu bringen. Grund dafür sind nicht näher spezifizierte technische Probleme, die ihr Konzert um 45 Minuten verzögern. Während ihres durchaus überzeugenden Auftritts leert sich der Platz, denn durch die Verzögerung wollen die Zuschauer die großen Acts des Abends nicht verpassen.

Highlights am Samstagabend

Dazu gehört beispielsweise die Jazzrausch Bigband. Von ihren Kollegen Meute, die Technomusik mit Blasinstrumenten spielen, heben sie sich durch eine deutlich größere Nähe zum Jazz ab. Die stark besetzte Bigband verfügt über ein breites Spektrum an musikalischen Stilen und Klangfarben, die sie gekonnt zu inszenieren wissen.

ClockClock sorgen währenddessen auf dem Marktplatz mit ihrem teils euphorischen Pop für große Begeisterung bei ihren zahlreichen, vornehmlich jungen Fans. Ihre Musik ist live rockiger als man nach den Studioaufnahmen glauben könnte und punktet mit starken Melodien, eingängigen Texten und dem sympathischen Sänger "Boki" Kalajdzic.

Zeitreisen und Talente

Der Sonntag bietet wiederum hochkarätigen Jazz in Form der jungen britischen Saxophonistin Emma Rawicz, die mit ihrem Projekt "Inkyra" auf dem Schlossplatz auftritt. Die junge Musikerin spielt das Tenorsaxophon mit solcher Leidenschaft und Intensität, dass sie Verblüffung und Begeisterung bei den Zuschauern auslöst. 

Das Delvon Lamarr Organ Trio lässt anschließend den Orgel-Jazz der 1960er wiederaufleben. Die funkig-nostalgische Reise in die Vergangenheit sorgt für gute Laune bei den zahlreich erschienenen Zuschauern. Hörenswert ist auch die Latvian Blues Band, deren Musik aus den späten 1960er Jahren stammen könnte und die dennoch frisch klingt.

80er-Legenden zum Abschluss

Viele Zuschauer zieht es dann zu Level 42, so dass der Marktplatz noch einmal dicht gefüllt ist. Obwohl die Synthesizer vor Keyboarder Mark Lindup in die Höhe ragen, ist der Sound der Band weniger synthetisch, als man vermuten könnte. Ein Bläser-Trio mit gestochen scharfen Einlagen sorgt für Stimmung und natürlich kennt jeder die Mega-Hits wie "Running in the Family" und "Lessons in Love".

Der Star des Abends ist aber natürlich Sänger und Bassist Mark King, der mit seinem charakteristischen Bass-Sound für großen Jubel unter den Fans sorgt. Level 42 bieten einen hochprofessionellen, minutiös getakteten Auftritt, der dennoch harmonisch und nahbar wirkt. Ein schöner Abschluss eines sehr gelungenen Festivals.