Das Setup ist beeindruckend: Die Bühne steht wie ein Plattenspieler mitten in der Arena, die Band läuft durchs Publikum, und Herbert Grönemeyer betritt zunächst allein die Bühne und begrüßt die Fans auf den Rängen und unmittelbar vor der Bühne.
Leider dreht sich der Plattenteller nicht, aber das gleicht Grönemeyer aus, der fortwährend die Bühnenseite wechselt. Das Licht ist recht sparsam, aber es fehlt nichts. Die Projektionsleinwände werden nur für bestimmte Songs ausgerollt, was auch stimmig ist, denn eigentlich können alle in diesem räumlichen Setup gut sehen.
Anspruchsvolle Arrangements
Die Show beginnt mit "Unfassbarer Grund", nur vom sehr gut klingenden Chor begleitet. Zum anschließenden "Das ist los" kommt die Band dazu. Das musikalische Konzept der Tour entspricht dem 2025 veröffentlichten "Unplugged No. 2"-Album.
Um die anspruchsvollen Arrangements live umzusetzen, befinden sich insgesamt etwa 40 Musikerinnen und Musiker auf der Bühne – aber nur bei wenigen Songs gleichzeitig, wodurch die Begleitung stimmig variiert.
"Herbert, gib dir Mühe!"
Mannheim ist für viele Musiker aus der seit Jahrzehnten fest bestehenden Begleitband von Grönemeyer ein Heimspiel (Alfred Kritzer, Armin Rühl, Norbert Hamm und Stephan Zobeley sind aus der Region), und das verleitet ihn zu der Ansage:
"Die halbe Band ist hier aus der Gegend, die haben mir vor der Show gesagt: Herbert, bitte gib dir heute wenigstens einmal Mühe!‘"
Wir wissen nicht, wie es an den anderen Abenden läuft, aber an diesem Abend gibt er sich wirklich Mühe und lässt die Fans keinen Augenblick außer Acht.
Gegen Stimmungsmache
Nach vier neueren Songs setzt er sich an den Flügel und singt das "Steigerlied", das wie üblich in "Bochum" übergeht. Spätestens jetzt sind die Fans voll da.
Vor dem anschließenden "Doppelherz / Iki Gönlüm" weist er in einer Ansage darauf hin, dass 25 % der deutschen Bevölkerung einen Migrationshintergrund hat und diese Menschen einen großen Anteil an allem, was in Deutschland geleistet wird, haben. Der Song sorgt auch durch einen Balkan-Polka-Part für große Stimmung vor der Bühne und auf den Rängen.
Viele tolle Momente
Manche Songs wie "Glück" werden als Duett inszeniert, auch dies ist eine willkommene Abwechslung. Für "Herzhaft" führt Grönemeyer seinen "Schultertanz" ein, mit dem man Kontakt zum Nachbarn schaffen kann, bevor ein Stimmungswechsel bei "Dort und hier" ihn an der klassischen Gitarre im Zusammenspiel mit Norbert Hamm am Bass zeigt – ein starker, intimer musikalischer Moment.
"Flugzeuge im Bauch" wird wieder zusammen mit dem Chor intoniert und von Alfred Kritzer am E-Piano begleitet. Mittlerweile hat Schlagzeuger Armin Rühl auch sein Erkennungszeichen in Form seines roten Baretts auf dem Kopf. Gemeinsam mit Orchester bekommt der Song ein starkes Arrangement.
Klare Ansagen
"Der Weg" gerät ebenso erhaben mit den Streichern – hier zeigt sich wieder, dass die SAP-Arena für eine Multifunktionshalle doch immer wieder gut klingt. Vor "Fall der Fälle" gibt es eine weitere starke politische Ansage mit Bekenntnis zu einer vielfältigen, toleranten, demokratischen Gesellschaft.
Die Zeile "Keinen Millimeter nach rechts" in dem Song wird zum Mitklatschmantra. Fun Fact für Gitarristen: Jakob Hansonis setzt bei dem Song einen E-Bow auf der Westerngitarre ein.
"Turmhoch" wird als "ein Lied über Frauen" mit den weiblichen Chormitgliedern intoniert. "Nur Frauen dürfen mitwinken", proklamiert Grönemeyer, aber viele Männer haben entweder nicht zugehört oder es nicht verstanden und machen eifrig mit.
Berührende Note
Bei "Alkohol" ("Jetzt mal etwas zur Beruhigung…") kommt Grönemeyer runter zum Publikum, beim anschließenden "Mensch" lässt er sich von einer Sängerin mit deutlichem Babybauch begleiten, was dem Mensch-Thema noch einmal eine berührende Note gibt. "Mein Lebensstrahlen" spielen sie wieder nur mit Chor und Orchester, und neben Grönemeyer am Flügel glänzt Stephan Zobeley an der Gitarre.
Das reguläre Set endet mit "Zeit, dass sich was dreht", aber auch jetzt dreht sich der Plattenteller nicht. Der Refrain wird von den Fans einfach weitergesungen, und weil die Band ja nicht einfach hinter der Bühne verschwinden kann, bleibt sie zum Teil einfach auf der Bühne, wie das Orchester, oder wartet vor der Bühne, und nur Herbert macht sich auf den Weg durchs Publikum aus der Halle.
Großartige Stimmung
Der erste von drei Zugabenblocks beginnt schwungvoll mit "Was soll das?", gefolgt von "Fang mich an" mit einem spannenden Arrangement, und Grönemeyer freut sich, dass auch ein so relativ unbekanntes Lied solch starke Reaktionen hervorruft. "Männer" mit Grönemeyer an der Ukulele im Polka-Gewand beschließt den ersten Zugabenblock.
Diesmal bleibt Grönemeyer vor der Bühne und lässt sich ein Bier geben, bevor es relativ schnell weitergeht. "Kopf hoch, tanzen" bringt die Fans erneut auf die Beine, und "Mambo" bringt die Party mit einem tollen Drum-/Percussion-Solo zum Höhepunkt. Ein etwas unklarer Moment ist die Reprise von "Flugzeuge im Bauch" durch den Chor, die sich aber nur als Intro zum folgenden "Warum" entpuppt.
Bis der Mond scheint
Am Ende des zweiten Zugabenblocks geht Grönemeyer im Gegensatz zu seiner Band gar nicht mehr von der Bühne, sondern lässt sich sein Bier auf die Bühne bringen – es geht ja auch gleich weiter, denn das Publikum singt "Oh, wie ist das schön", und er steigt am Klavier dazu ein.
Das Konzert geht bedächtig zu Ende. Bei "Halt mich" begleitet ihn Alfred Kritzer im Gringo Mayer-Shirt ("Äni Rache") am Akkordeon, und zum Abschied gibt es dann noch "Der Mond ist aufgegangen" als dritte und letzte Coverversion.
Überzeugendes Konzept
Insgesamt überzeugt die Akustik-Show durch ihr stimmiges musikalisches Konzept und die abwechslungsreiche Umsetzung der anspruchsvollen Arrangements auf der Bühne. Die Mischung aus intimen Momenten, orchestraler Wucht und publikumsnaher Inszenierung sorgt über den gesamten Abend hinweg für großartige Stimmung.
Wenn man an der Show etwas kritisieren will, kann man anmerken, dass Grönemeyer in seinem Bühnengehabe so gefangen ist, dass er anscheinend kein Gefühl dafür hat, dass diese Show auch musikalisch schon stark überzeugt. Seine permanente Publikumsanimation wäre nicht nötig, und wahrscheinlich würde die Performance sogar stärker wirken, wenn er sich etwas zurückhielte.
Nach knapp drei Stunden verlassen die Fans begeistert die Arena – Herbert kann’s auch akustisch! Im Sommer 2027 geht er wieder auf Tour, dann aber wieder mit E-Gitarren!
Setlist
Unfassbarer Grund / Das ist los / Sekundenglück / Flieg / Steigerlied - Bochum / Doppelherz - Iki Gönlüm / Glück / Herzhaft / Dort und hier / Flugzeuge im Bauch / Der Weg / Fall der Fälle / Turmhoch / Demo (Letzter Tag) / Alkohol / Mensch / Mein Lebensstrahlen / Zeit, dass sich was dreht // Was soll das / Fang mich an / Unterwegs / Männer // Kopf hoch, tanzen / Mambo / Flugzeuge im Bauch / Warum / Morgen // Oh wie ist das schön / Neuer Tag / Halt mich / Immerfort / Der Mond ist aufgegangen







