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Herbert Grönemeyer (live in Jamel, 2018) © Falk Simon

Gute zweieinhalb Stunden lang euphorisiert Herbert Grönemeyer seine Fans in der ausverkauften Mannheimer SAP Arena mit einer Show, die immer genau dann funktioniert, wenn er sich auf alte Stärken besinnt.

Schon seit den 1980er Jahren zählt Herbert Grönemeyer zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Künstlern. Mit Klassikern wie "Männer", "Mensch", "Flugzeuge im Bauch", "Musik nur, wenn sie laut ist" oder der Hommage an seine Heimatstadt "Bochum" hat er sich hierzulande in die Herzen von Millionen Fans gespielt.

Daher war es auch nur wenig überraschend, dass die Nachfrage nach den Hallenkonzerten des Westfalen mit dem markanten Organ zur Promotion seines aktuellen Albums "Tumult" riesig sein würde.

Euphorischer Empfang

Auch in der Mannheimer SAP Arena trifft Herbert Grönemeyer auf ein volles Haus. Als im Rund die Lichter ausgehen und die Beleuchtung auf der Bühne langsam, aber sicher das baldige Erscheinen des Stars und seiner Band ankündigt, kennt der Jubel unter den Zuschauern bereits keine Grenzen mehr.

Wäre das Publikum im Schnitt etwas jünger, könnte man beinahe von einer Pop-Party sprechen. Die Reaktion der Zuschauer gestaltet sich nämlich ähnlich euphorisch, wie man das von Teenagern kennt.

Ruhr-seliger Tanzbär

Die Anfangsphase des Konzerts steht ganz klar im Zeichen von "Tumult", wirkt aber trotz der enthusiastischen Fanbekundungen etwas fade und langweilig. Das liegt zu einem nicht geringen Teil an den neuen Songs.

Will man es positiv betrachten, lässt sich das recht rhythmisch angehauchte Adult Comtemporary-Material als "reif" bezeichnen. Leicht monoton plätschern diese Stücke insgesamt dennoch dahin, auch wenn sie live um einiges dynamischer daherkommen als in den Fassungen auf den (virtuellen) Tonträgern.

Grenzwertige Tanzeinlagen

Deutlich gefälliger wird das Ganze jedoch, als Herbert Grönemeyer und seine Mitstreiter auf der Bühne sich schließlich "Kopf hoch, tanzen" und den Evergreens à la "Männer" und "Was soll das" vorarbeiten.

Die "Moves", die der Sänger in diesem Rahmen allerdings präsentiert, stellen sich zeitweise doch leicht peinlich dar. Zumindest nimmt sich der Bochumer selbst nicht allzu ernst: Er kommentiert sein Herumgehampel mit der ironischen Aussage, dass die Fans ja bloß wegen seines guten Äußeren und hervorragenden Tanzstils erschienen seien.

Hervorragende Band

In vollem Gange ist die Deutschrock-Party schließlich, als sich Herbert Grönemeyer selbst etwas zurücknimmt und seinen langjährigen Weggefährten wie den Gitarristen Jakob Hansonis und Stephan Zobeley sowie dem Bassisten Norbert Hamm etwa bei "Vollmond" die Bühne für Soloeinlagen überlässt.

Für Gänsehaut sorgen zudem Momente wie "Halt mich", bei denen der Mann mit der Reibeisenstimme am Klavier Platz nimmt und seinem eigenwilligen Gesang durch spartanische Instrumentation mehr Raum zur Entfaltung bietet.

Vollkommener Einklang

Dem Publikum in der SAP Arena wäre es aber an diesem Abend wohl ohnehin egal, was ihr Idol genau spielt. Sie bejubeln jede Silbe und jede Bewegung von Herbert Grönemeyer, dem man seine inzwischen 62 Lenzen zwar ansieht, aber nicht unbedingt anmerkt. Inspiriert ist der Auftritt des Sängers und seiner siebenköpfigen Band definitiv.

So sorgt beispielsweise die im Jazzgewand zum Besten gegebenene Version von "Flugzeuge im Bauch", ebenso wie die rockigen "Musik nur, wenn sie laut ist" und "Alkohol", völlig zurecht für Begeisterung.

Klare Haltung

Jubelstürme erhält Herbert Grönemeyer auch für seine politisch motivierten Aussagen und Songs von "Tumult" wie "Fall der Fälle", in denen er das Publikum dazu aufruft, sich selbst auf Anfälligkeit gegenüber Intoleranz zu überprüfen und sich "keinen Millimeter nach rechts" zu bewegen.

Besonders authentisch wirkt Herbert Grönemeyer an diesem Abend immer dann, wenn er sich auf seine alten Stärken besinnt, Menschlichkeit predigt und Alltägliches so poetisch darstellt, wie vielleicht nur er es in seiner Muttersprache kann.

Wenn er seine Heimatstadt Bochum als unverfälschtes Kontrastprogramm zum mondänen Düsseldorf inszeniert oder bei "Der Weg" herzzerreißend an seine an Krebs verstorbene Frau Anna erinnert, sind es genau diese vermeintlich kleinen, oft ruhigen Momente, die die größte Wirkung entfalten.

Der Kumpel

Dann ist Grönemeyer wieder der "Kumpeltyp" Herbert von früher, der sowohl den durchschnittlichen deutschen Mann als auch die Bergbauarbeiter in den Zechen des Ruhrgebiets wie kaum ein Zweiter zu verstehen schien und mit Liedern wie "Flugzeuge im Bauch" auch seine gefühlvolle, romantische Ader zu demonstrieren wusste.

32 Lieder im Verlauf von zweieinhalb Stunden erlauben es den Fans, den Abend voll auszukosten. Das erlaubt Grönemeyer seiner neuen Platte ebenso wie seinen Klassikern ausgiebig Raum zu gewähren. Gelegentlich drohen die allerdings in all dem "Tumult" etwas unterzugehen.

Setlist

Sekundenglück / Bist du da / Und immer / Kopf hoch, tanzen / Taufrisch / Bochum / Männer / Was soll das / Vollmond / Mein Lebensstrahlen / Halt mich / Stück vom Himmel / Doppelherz / Iki Gönlüm / Fisch im Netz / Fall der Fälle / Mensch / Alkohol / Bleibt alles anders / Der Held / Morgen // Der Weg / Flugzeuge im Bauch / Musik nur, wenn sie laut ist // Oh wie ist das schön / Land unter / Demo (Letzter Tag) / Zeit, dass sich was dreht // Warum / Lebe mit mir los / Kinder an die Macht / Feuerlicht / Immerfort

 

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