Neben ABBA und IKEA gehören auch Roxette seit vielen Jahren zu den größten schwedischen Exportschlagern. Eigentlich schien die Karriere des Duos durch den tragischen Krebstod von Frontfrau Marie Fredriksson anno 2019 längst jäh beendet.
Doch Bandkopf Per Gessle hat wieder Spaß an den alten Songs gefunden und Roxette zu Tourzwecken in diesem Jahr kurzerhand mit Sängerin Lena Philipsson reaktiviert.
Neuer “Joyride” oder “Crash! Boom! Bang!”?
Ob das wohl gutgehen würde, wunderten sich viele. Schließlich war Fredriksson mit ihrer fulminanten Stimme und ihrer Präsenz kaum aus den Auftritten wegzudenken, obwohl sie auf der letzten gemeinsamen Tour 2016 die Shows krankheitsbedingt nur im Sitzen bestreiten konnte.
Doch ersetzen will sie bei den aktuellen Konzerten auch niemand, schon gar nicht Philipsson. Das Ganze ist eher als eine Art Tribute an Marie zu sehen.
Ein gelungenes "Crash! Boom! Bang!"
Genau das gelingt der siebenköpfigen Band, die Gessle hierfür um sich geschart hat (darunter die Roxette-Urgesteine Clarence Öfwerman und Jonas Isacsson sowie der bekannte Producer Christoffer Lundqvist), auch von der ersten Sekunde an.
Die neue Besetzung brennt schon von Beginn ein Hit-Feuerwerk ab. Auf den Opener "The Big L" folgt "Sleeping In My Car" – und in genau diesem Tempo machen Roxette auch weiter.
So verbringt man gerne seine Zeit…
Philipsson erweist sich hierbei als würdiger Ersatz für die verstorbene Fredriksson, ohne sie imitieren zu wollen. Als erfahrene Performerin demonstriert sie die gesamte Show über, warum Per Gessle sie für die Wiederbelebung seines erfolgreichsten Projekts mit an Bord haben wollte.
Sie überzeugt nicht nur stimmlich in den Marie-Passagen, sondern weiß ebenso, wann sie sich vornehm zurückhalten muss, um Per glänzen zu lassen.
Kein bisschen verblüht
Auch wenn Roxette, wie so viele andere, altersmäßig inzwischen ein wenig in die Jahre gekommen sind, versprühen sie in der Frankfurter Jahrhunderthalle einen unglaublichen Esprit.
Fredriksson mag fehlen, aber Klassiker wie "The Look", "It Must Have Been Love" und "Joyride" wird man nie mehr näher am Original hören können. Ein paar Gimmicks gibt es obendrein: Als gute Schweden streuen noch ein wenig Pippi Langstrumpf ein.
They’ve got "The Look"
Nach guten 105 Minuten voller Hits endet dann auch irgendwann der schönste Abend, an dem sich Per Gessle und seine sieben Mitstreiter unglaublich gut aufgelegt präsentiert haben.
Ihre Feuertaufe haben die neuen Roxette beim Auftritt in der Mainmetropole definitiv bestanden. Man darf also durchaus gespannt sein, ob und wie es nach den Konzerten in diesem und im kommenden Jahr mit der Band weitergehen wird.
Setlist
The Big L / Sleeping In My Car / Dressed For Success / Crash! Boom! Bang! / Wish I Could Fly / Opportunity Nox / Fading Like A Flower (Every Time You Leave) / Vulnerable / Milk & Toast & Honey / Almost Unreal / Stars / She’s Got Nothing On (But The Radio) / It Must Have Been Love / How Do You Do! / Dangerous / Joyride (mit Pippi Langstrumpf-Intro) // Spending My Time / Listen To Your Heart / The Look / Queen Of Rain






