In seiner fast dreistündigen Show im ausverkauften Frankfurter Deutsche Bank Park gibt sich Bruce Springsteen politisch wie selten, indem er die Verfehlungen von US-Präsident Donald Trump grell hervorhebt. Die typischen Elemente eines Springsteen-Konzerts gibt es natürlich auch – und damit jede Menge Begeisterung.

Bruce Springsteen ist auf einer Mission: Die "Land of Hopes and Dreams Tour" ist eine Anklage gegen die aktuelle US-Regierung durch und durch. Die inszeniert Springsteen nicht auf die verbitterte Weise eines Roger Waters, sondern mit jeder Menge Leidenschaft und Volksnähe – und fast immer zum großen Applaus der 44.500 Zuschauer. 

Der Gegenstand des Abends wird nie namentlich genannt, ist aber in jeder Sekunde präsent: Donald Trump. Springsteens Mission ist der Einsatz für Demokratie und gegen die autokratischen Tendenzen des aktuellen US-Präsidenten, gegen den Einsatz des Militärs in amerikanischen Städten, gegen die "sadistische Lust" der US-Regierung, amerikanischen Arbeitern zu schaden – und natürlich für Freiheit und Demokratie.

Gelungene Balance

Wer denkt, das könnte eine dröge politisierende Show sein, irrt, denn Springsteen gelingt die Balance zwischen Kritik und gleichzeitiger Beschwörung eines anderen Amerikas, in dem es immerhin möglich ist, das Glück zu finden – und sei es nur bei einer Autofahrt mit der Freundin oder einem Ausflug mit ihr nach Atlantic City.

Die Protagonisten in Springsteens Songs haben es meistens nicht leicht, sie kämpfen, um sich bescheidenen Wohlstand zu erwerben oder etwas Freude am Leben zu haben. Die Milliardäre in Trumps Umfeld erscheinen daher nur als monströse Blutsauger, die den übrigen Menschen die Luft zum Atmen nehmen. 

Angriff ist die beste Verteidigung

Dabei sind sie – und ihr Anführer Trump – nur Scharlatane wie der "Rainmaker", der vorgibt, den Menschen Hoffnung zu geben, aber sie nur betrügt. Das "Promised Land" droht so zu einer "City of Ruins" zu werden. Die einzige Hoffnung bleibt die darauf, dass es bald anders wird. Solange das dauert hat sich Springsteen entschlossen, kein Blatt vor dem Mund zu nehmen.

Schon "No Surrender" gibt den Ton des Abends vor: Springsteens Vision eines gerechteren Amerikas ist nicht verhandelbar, schon gar nicht mit jemandem, der den Menschen erzählt weiß sei schwarz und schwarz sei weiß. 

Ein Mann des Volkes

Natürlich sind nicht alle Songs an diesem Abend explizit politisch, aber einen politischen Gehalt besitzen doch die meisten. Er habe sich immer bemüht, ein guter Botschafter für Amerika zu sein, erklärt Springsteen. Seine Songs, die er 50 Jahre lang gesungen habe, stellten ein Amerika dar, das tatsächlich existiere – und eines Tages auch wieder Oberwasser besitzen werde, wenn die "Chimes of Freedom" läuten.

Das alles mag überbordend wirken, aber Springsteens Stadionkonzerte sind immer überbordend an Energie, Leidenschaft und Musik. Wenn er seine treuesten Fans in den ersten Reihen beglückt, einem Mädchen seine Mundharmonika schenkt und für alle möglichen Umarmungen und Selfies zu haben ist, zeigt er einen anderen Weg als die Verachtung für die Schwächeren, die augenblicklich auf beiden Seiten des Atlantiks populär ist.

Musikalische Highlights

Über die Musik der Tour ist viel geschrieben worden, aber an diesem Abend in Frankfurt stechen einige Songs heraus wie das neu interpretierte "Atlantic City", das nichts von seiner sehnsuchtsvollen Stimmung verloren hat. "Youngstown" beschwört Aufstieg und Fall der gleichnamigen Stadt in Ohio und erklingt in einer elektrischen Version, die weitaus weniger sparsam ist als im Original auf "The Ghost of Tom Joad".

Nicht jeder mag ein großer Fan von "Murder Incorporated" sein, aber das Stück gibt Roy Bittan und Nils Lofgren Gelegenheit für einige exzellente Soli und das beschwörende, quasi-religiöse "My City of Ruins" erhält durch seine Umdeutung auf die gesamten USA eine ganz neue Dimension.

Danach ist es mit der Politik (fast) vorbei und die Party kann beginnen. Jede kennt die Klassiker, die folgen, auch auf den Tribünen stehen fast alle und singen und tanzen mit. Ganz am Ende gibt es noch eine eindringliche, elektrische Version des Bob Dylan-Klassikers "Chimes of Freedom". Bruce Springsteen hat alles in die Wagschale geworfen – für ein anderes Amerika.

Setlist

No Surrender / Land of Hope and Dreams / Death to My Hometown / Lonesome Day / My Love Will Not Let You Down / Rainmaker / Atlantic City / Trapped / The Promised Land / Hungry Heart / The River / Youngstown / Murder Incorporated / Long Walk Home / House of a Thousand Guitars / My City of Ruins / Because the Night / Wrecking Ball / The Rising / Badlands / Thunder Road // Born in the U.S.A. / Born to Run / Bobby Jean / Dancing in the Dark / Tenth Avenue Freeze-Out / Twist and Shout / Chimes of Freedom