Die Bühne in der Frankfurter Jahrhunderthalle strahlt beim Konzert von Michael Kiwanuka von Anfang an eine sehr warme, fast verträumte Atmosphäre aus. Rings herum stehen mehrere Lampenschirme. Dadurch entsteht ein sehr intimes Wohnzimmergefühl.
Zarte Streicher
Das Opening mit "The Rest Of Me" ist schon etwas ganz Besonderes. Ein Musiker und eine Musikerin eröffnen mit zarter, sehr entspannter Streichermusik. Am Ende stehen sieben Musiker und Musikerinnen sowie ein Backgroundsänger und zwei Sängerinnen auf der Bühne. Eine zart gezupfte Gitarre übernimmt.
Dann dreht der Rhythmus hoch, Michael Kiwanuka winkt kurz. Als er anfängt zu singen, füllt er den Raum sofort mit seiner ruhigen, kraftvollen Soulstimme. Die Verbindung zum Publikum ist von Anfang an spürbar.
Kraftvolle Riffs
Wieder dabei in der Setlist ist sein Ohrwurm "One More Night". Das ist eine gute Wahl, denn es gibt der Mischung an Songs einen wohltuenden Kontrast. Die kraftvollen Gitarrenriffs und treibenden Grooves befeuern die Kraft seiner dunklen, durchdringenden Stimme. Als Michael Kiwanuka und die Band am Ende komplett aufdrehen, geht das Publikum mit. Sie klatschen den Rhythmus durch bis in den nächsten Song.
Ein kurzes: "How are you feeling, Frankfurt?" wird laut beantwortet. Ohne Pause geht es weiter. Das rhythmische "You Ain't The Problem" wird stimmlich getragen von den Backgroundsängerinnen und erlebt am Ende einen fast sphärischen Ausklang der Melodie.
Eine klare Botschaft
Sehr auffällig sind die Bilder, die zu den Melodien im Hintergrund laufen. Wie schon beim vorherigen Song stellt Michael Kiwanuka das Leben schwarzer Menschen und ihren Alltag ins Zentrum seiner Songs. Das tiefgängige, fast spirituelle "Follow Your Dreams" soll Menschen die Angst nehmen und ihnen mit Zeilen wie: "Come alive, fear no danger" Kraft geben.
Die ruhige, von den Klängen des Piano getragene Melodie von "Father's Child" behält diese Stimmung bei. Das Publikum lauscht mit einer Stille, die selten geworden ist. Die Streicher untermalen die Musik, die Backgroundsängerinnen singen abwechselnd mit Michael Kiwanuka. Immer leiser wird die Musik. Am Ende explodiert das Publikum vor Begeisterung.
Aus dieser Energie heraus treibt "Black man in a white world" das Publikum weiter an. Eine entfesselte Kraft, die auch wieder eine starke Botschaft hat. Der innere Kampf, den man als Person schwarzer Hautfarbe mit sich und der Welt austrägt, zeigt sich bei Zeilen wie: "I've found peace but I'm not glad". Das Publikum feiert den Song begeistert.
Spirituelle Klänge
Bei "Rule The World" eröffnet Michael Kiwanuka den Song, überlässt das Highlight am Ende aber seiner Backgroundsängerin. Die dreht auf und drückt mit so einer explodierenden Gewalt ihre Stimme nach oben, dass das Publikum ihr Standing Ovations gibt.
Das Intro von "Hero" baut eine erwartungsvolle Spannungskurve auf, die mit den plötzlich einsetzenden Gitarrenriffs zu einem wahren Feuerwerk aus Rhythmus und Gitarrenriffs wird. Die Energie erfasst alle Zuschauer, als das Tempo immer weiter anzieht. Das glatte Gegenteil ist das ruhige, andächtige "Floating Parade". Michael Kiwanuka singt ganz leise auf die Melodie, bei der wieder die zarten Streicher zu hören sind. Am Ende wird die Musik immer leiser.
Die innere Ruhe und Kraft solcher Songs ist genau der Grund, warum sich ein Solokonzert von Michael Kiwanuka lohnt. Eine solche Stimmung ist auf einem Festival deutlich schwerer herzustellen, ebenso wie bei dem zart gesungenen "Light". Michael Kiwanuka selbst erfreut sich an seinem eigenen Konzert: "I'm thrilled ... playing places like this".
Ganz andere Töne
Die Darbietung dieser Songs setzt sich fort mit "Home Again". Michael Kiwanuka steht allein in der Mitte und spielt die Melodie mit der Akustik-Gitarre. Nur die Streicher sind noch da und geben kleine Akzente in die Melodie. Wieder faszinierend, wie er das Publikum zum Lauschen bringt. Seine Stimme durchschneidet die Stille und sorgt sicher für einige Gänsehaut. Am Ende schreien die Zuschauer los vor Begeisterung.
Für "Solid Ground" setzt er sich ans Keyboard. Die Sängerinnen untermalen fast gehaucht, bevor es mit dem Wechsel ins rote Licht kraftvoller und durchdringender wird. Wieder explodiert das Publikum am Ende in Schreien und Applaus. Das vor innerer Kraft nur so strotzende "One And Only" geht direkt über in "Stay By My Side". Die ätherischen Klänge dieses Songs runden mit großem Applaus den Hauptblock des Konzerts ab.
Mit und ohne Gesang
Die erste Zugabe startet mit "Lowdown (Part I)". Die treibenden Gitarrenriffs und der kraftvolle Rhythmus samt der Stimme von Michael Kiwanuka lassen das Publikum emotional schweben. Auf diesem Gefühl aufbauend ist das rein instrumentale "Lowdown (Part II) fast wie eine Reise in die Schwerelosigkeit. Die Kraft des Gitarrenspiels und die Melodie der Streicher begleitet diese Reise.
Zu "Small Changes" öffnet Michael Kiwanuka wieder seine beeindruckende Stimme, während eine einsame Gitarre durch den Raum und die Melodie zieht und im Hintergrund die Streicher erklingen. Ein tiefer Blick in die Seele, fesselnd und kraftvoll. Mit dem packenden "Four Long Years" endet die erste Zugabe.
Das große Finale
Die zweite Zugabe ist ein gefeiertes Finale mit zwei Ohrwurmhits. Das dramatische "Cold Little Heart" eröffnet. Viele Fans singen mit und feiern den Song ab.
Noch enthusiastischer wird es bei "Love & Hate". Jetzt wird im Innenraum viel getanzt und auf der Tribüne erheben sich viele Zuschauer, um das Finale abzufeiern. Michael Kiwanuka singt mit seiner gewaltigen Stimmkraft über die Backing Vocals seiner drei Sänger und Sängerinnen, die sich perfekt ergänzen. Das rhythmische Gitarrenspiel elektrisiert ein letztes Mal das begeisterte Publikum.
Setlist:
The Rest Of Me / One More Night / You Ain't The Problem / Follow Your Dreams / Father's Child / Black Man In A White World / Rule The World / Hero (Intro) / Hero / Floating Parade / Light / Home Again / Solid Ground / Rebel Soul / One And Only / Stay By My Side // Lowdown (Part I) / Lowdown (Part II) / Small Changes / Four Long Years // Cold Little Heart / Love & Hate








