Placebo stehen seit den 90ern für (meist) hochemotionalen Alternative Rock, der – zumindest im Studio – durch seine oft gewollt schräge Soundästhetik und natürlich die markanten Vocals von Frontmann Brian Molko besticht.
Bei ihrer ausverkauften Show bei Musik im Park in Schwetzingen wählen Placebo einen geradlinigeren Ansatz, bei dem die Details zugunsten eines direkteren Sounds in den Hintergrund treten – und das Publikum ab dem ersten Song mitreißen.
Immer weiter
Statt ausschließlich bekannte Hits der älteren Alben zu spielen, ruhen sich Placebo jedoch nicht auf ihren Erfolgen aus: Der Großteil der Songs ihrer Setlist stammt nicht etwa von Klassikern wie "Without You I'm Nothing" oder "Meds", sondern von ihrem 2022 erschienenen Album "Never Let Me Go". Die Songs fügen sich hinsichtlich ihrer Qualität nahtlos in das Set ein.
Die ausgelassene Stimmung, die sich von Beginn des Konzertes an unter den Gästen breitmacht, ist nicht nur ein deutlicher Indikator für das Talent Placebos, Pathos mit mitreißenden Riffs zu kombinieren. Es ist gleichzeitig auch ein Zeichen dafür, dass die Band seit nunmehr fast 30 Jahren kontinuierlich starke Alben veröffentlicht und dabei nicht stillsteht.
Zu zweit allein
Doch nicht nur das Song-Material begeistert, auch die Band präsentiert sich in Hochform: Wenngleich Moklo die Interaktion mit dem Publikum auf ein Minimum begrenzt, merkt man der Gruppe den Spaß und die Spielfreude doch deutlich an.
Dass Placebo, die im Kern ja eigentlich nur aus Molko und seinem kreativen Partner Stefan Olsdal bestehen, live von zusätzlichen Musiker*innen unterstützt werden, zeigt sich dabei als weise Entscheidung: Zwar gehen so ein paar musikalische Details der Alben verloren; dies wird jedoch durch den umso wuchtiger wirkenden Sound mehr als wett gemacht.
Einzig der etwas matschige Sound an diesem Abend trübt die Erfahrung etwas. Doch auch über diesen Wehrmutstropfen lässt sich im Hinblick auf die energiegeladene Bühnenpräsenz leicht hinwegschauen.
Stadionrock in Perfektion
Spätestes im letzten Drittel des Sets gibt es im Publikum kein Halten mehr, wenn Placebo dann doch (endlich?) Fan-Favoriten wie "Song To Say Goodbye" oder "The Bitter End" zum Besten geben.
Der Zugabenblock mit "Infra-Red", "Fix Yourself" und dem Kate Bush-Cover "Running Up That Hill" stellt den perfekten Ausklang dar für eine emotionsgeladene Stadion-Rock-Show im besten Sinne des Wortes.
Setlist
Taste In Men / Beautiful James / Scene of the Crime / Happy Birthday in the Sky / Bionic / Surrounded by Spies / Soulmates / Every You Every Me / Sad White Reggae / Try Better Next Time / Too Many Friends / Went Missing / For What It's Worth / Slave to the Wage / Song to Say Goodbye / The Bitter End / Infra-red / Fix Yourself / Running Up That Hill (A Deal With God)













