Mika hat es wieder geschafft: Bei seiner jüngsten Show erweist sich der Sänger als grandioser Öffnungsact für Musik im Park in Schwetzingen. Mit seinen energiegeladenen Songs und ständig wechselnden Kostümen reißt er sein Publikum mit – und das trotz des passend zum Titel seiner Tour beinahe apokalyptischen Wetters.

Möglichst bunt – so hat es Mika am liebsten. Der libanesisch-britische Sänger, bekannt für seine ausgefallenen Stil, der seine Persönlichkeit und positive Energie unterstreicht, begeistert seit 17 Jahren vor allem Fans in Frankreich und Italien mit seinen poppigen Songs.

In Deutschland hingegen scheint Mika noch nicht ganz Fuß gefasst zu haben, wie die nicht ausverkauften Konzerte seiner aktuellen "Apocalypse Calypso"-Tour zeigen. Dennoch hat Mika am Donnerstagabend eine geniale Show abgeliefert.

Vorband heizt ein

Bevor Mika die Bühne betritt, sorgt die Hockenheimer Band Used für Stimmung. Das Trio, bestehend aus den Zwillingen Marco und Dario Klein sowie Schlagzeuger Raphael Rasmus, hat den Wettbewerb der Schwetzinger Zeitung gewonnen und darf als Supportact auftreten.

Trotz des regnerischen Tages bessert sich das Wetter merklich, als die Band zu spielen beginnt – ein erstes Zeichen für einen besonderen Abend.

Blumen zur Begrüßung

Um zwanzig Uhr dreißig erscheint dann Mika in einem Anzug mit Blumen-Motiv auf der Bühne und gewinnt augenblicklich die Aufmerksamkeit aller Zuschauer*innen.

Die Show startet mit dem fröhlichen Song „Ice Cream“ aus dem Album „My Name is Michael Holbrook“, der direkt zum Tanzen einlädt. Als Willkommensgeschenk eines Fans bekommt Mika einen Blumenstrauß überreicht, die Blütenblätter werden im Laufe des Songs zu Konfetti umgewandelt.

Facettenreicher Auftritt

Wenn Mika eines ist, dann facettenreich! Dies beweist er, indem er während seiner Show drei mal das Outfit und viermal die Sprache wechselt. Ebenso beeindruckend ist die Bandbreite seiner operntauglichen Stimme, die er gekonnt einsetzt. Von den hohen Tönen lassen sich die Fans jedoch nicht verunsichern und singen bei den Publikumslieblingen „Relax (Take It Easy)“. „Love Today“ und „Grace Kelly“ lautstark mit.

Schwüle Temperaturen

Mika macht auch immer wieder den Versuch Deutsch zu sprechen, was für viele Lacher sorgt. Besonders amüsant ist seine Aussprache von "Schwetzingen", die sich eher wie "Sweatingen" anhört. Inhaltlich passt das perfekt, denn bei den schwülen Temperaturen im Schwetzinger Schlossgarten geriet der Sänger bereits ab dem ersten Lied so sehr ins Schwitzen, dass er nach eigenen Angaben kaum noch etwas sehen konnte. Beim Tanzen warnte er mit seiner charmanten Art sogar die Fans in der ersten Reihe, sie seien gefährdet seine fliegenden Schweißtropfen abzubekommen.

Treue Fans und besondere Momente

Trotz des nicht ausverkauften Konzerts geben die anwesenden Fans alles, denn Mika versteht es, das Publikum zu animieren und für sich zu gewinnen. Bei seinem Song „Underwater“ fordert er das Publikum dazu auf, so laut mitzusingen, als ob ihnen der Schwetzinger Schlossgarten gehöre. Seiner „theory of noise“ zufolge gehört einem etwas, wenn man so laut singt, dass alle anderen Menschen verschwinden, erklärt er mit einem Augenzwinkern.

Die Treue der Fans zeigt sich auch, als Mika ganz unauffällig den Wunsch äußert, das lokale Bier zu probieren. Ein Fan erfüllt ihm diesen Wunsch prompt und wird als Dank auf die Bühne geholt, um während der Performance des Songs „Good Guys“ mitzutanzen.

Mika: „Shall we turn this into a private party?“

Während der Performance seines Hits „Big Girl (You Are Beautiful)“ begibt sich Mika trotz der Hitze in die Menschenmenge, feiert und tanzt mit seinen Fans. Bei seinem einzigen französischen Song „Elle me dit“ fordert er die Fans dazu auf, mit den Personen hinter oder vor ihnen zu tanzen, was eine ausgelassene und euphorische Stimmung erzeugt, sodass es sich wirklich beinahe nach einer privaten Party anfühlt.

Ein unvergesslicher Abschluss

Die Hingabe der Fans wird auch deutlich, als sie während der Ballade „Happy Ending“ selbst mitgebrachte, bunte Papierblumen vor ihre Taschenlampen halten. Mika freut sich sichtlich über diese Geste.

Pünktlich zu diesem vorletzten Song des Sets beginnt es in Strömen zu regnen. Doch die Zuschauer*innen lassen sich davon nicht beirren. Mikas Kommentar dazu: „Regen Regen gehe weg, come another day. But right now it’s August so please piss off.“ Anschließend ruft er die Fans dazu auf, den Regen beim Tanzen zu „verscheuchen“, was sie sich nicht zweimal sagen lassen.

Als Mika und seine Band sich verabschieden während der Titel "Yo Yo" abgespielt wird, sind seine Fans immer noch ordentlich am Tanzen.

Gute Laune trotzt schlechtem Wetter

Die Stimmung scheint nicht nur trotz sondern gerade wegen des drastischen Wetterumschwungs sogar noch besser zu sein. Pünktlich zum Ende des Konzertes muss der Platz jedoch aufgrund des aufziehenden Gewitters geräumt werden.

Trotz des starken Regens, den durchnässten Klamotten und des Donners, lassen die Fans sich beim Verlassen des Konzertes nicht die Laune verderben. Vermutlich nicht zuletzt, da Mika, mit seiner Musik und seiner einzigartigen und lustigen Art einfach eine unglaublich positive und euphorische Stimmung erzeugt hat.