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Slipknot (live in Frankfurt, 2020) © Leonard Kötters

Volle Eskalation: nach vier Jahren kehren die Maskenmänner von Slipknot zurück in die ausverkaufte Festhalle Frankfurt und liefern ein kompromissloses Aggressionsabbau-Programm mit einem nicht unerheblichen Manko. Wir haben uns in die Hölle gewagt.

Mal wieder im Stau gestanden? Meckert der Chef nur? Kam die Bahn wieder zu spät? Hat sich wieder einer an der Supermarktkasse vorgedrängelt? Es gibt viele Dinge über die man sich tagtäglich aufregen könnte. Das Leben is nunmal unfair. Wie gut, dass es einen Kanal gibt, diese ganze aufgestaute Wut loszuwerden: Slipknot.

Die Maskenmänner wurden erst jüngst durch eine Spotify-Studie zu den "wütendsten Interpreten" gekürt. In Folge der kurzfristigen Absage ihres Auftritts beim Knotfest in Mexiko kam es zu Ausschreitungen. Die Vorzeichen für Frankfurt stehen auf Eskalation.

Psychosocial Business

Das Bier läuft, die Nieten glänzen und die Halle füllt sich, als der Support Behemoth mit grimmigem Death Metal die Pyrotechnik austestet. Funktioniert! Als kleiner Vorbote wird sogar "Duality" vom Hauptact gecovert. Die Farbe des Abends ist übrigens Schwarz.

Die Umbauphase bietet ausreichend Zeit, wahlweise den Biervorrat aufzustocken oder sich den Slipknot Iowa Whisky zu gönnen. Slipknot sind bei all dem Wahnsinn immer noch ein Business.

Das alte Leid

Nach einem etwas lahmen Intro von AC/DCs "For Those About To Rock" ertönt der Kinderchor zu "Unsainted" und offenbart ein weiteres Grauen: der Ton. Bei insgesamt neun Musikern auf der Bühne entsteht ganz schön viel undefinierter Lärm, den selbst ein Corey Taylor nicht durchdringen kann. Da kann er noch so viel schreien.

Dafür drückt die Bassdrum mitten in die Magengegend. Glücklicherweise verbessert sich der Sound im Laufe der Show – oder man hat sich einfach an den Matsch gewöhnt. Die Festhalle ist immer wieder eine Herausforderung für die Tontechniker. Die Band kann dafür nichts.

Keine Kompromisse

"Help me tear this motherfucker down", schallt es von der Bühne. Slipknot haben die Balladen zu Hause gelassen und brettern der euphorisierten Metal-Meute einen düsteren Track nach dem anderen entgegen.

Die Konzentration des Sets liegt mit Klassikern wie "Before I Forget", "Wait And Bleed", "Vermillion" und natürlich dem Dauerbrenner "Duality" auf den älteren Platten. So bekommen die alteingessenen Slipknot-Jünger die volle Härte zu spüren und können sich in den Moshpits austoben.

Morbider Maskenball

Slipknot haben mit ihrer Masken-Show die morbide Horrorfilm-Atmosphäre salonfähig gemacht und sind in ihrer gesamten Inszenierung einzigartig.

Auch die Visuals passen dazu: kräuselnde Maden, eine Horde Fliegen, angekettete Menschen, Verrückte oder kopulierende Tiere untermalen die düsteren Klänge. Dazu schießen regelmäßig Flammen in die Höhe. Den Albumtitel "We are not your kind" hätte die Band nicht passender wählen können.

Über 20 Jahre Wahnsinn

Seit über zwanzig Jahren sind Slipknot ein gern gesehener Gast bei diversen Festivals und zählen zur Speerspitze in ihrem Genre. Auch in Deutschland hat sich durch die regelmäßigen Besuche eine riesige Fangemeinde gebildet, die treu zu ihren Idolen hält. Außerdem gewinnt die Band trotz ihres beachtlichen Alters immer noch junge Fans dazu.

Die deutschen Fans waren ein wichtiger Baustein in der Entwicklung der Band, erzählt Frontmann Corey Taylor. "As long as we are family, no one can tear us apart!", verspricht das Masken-Oberhaupt. Und noch ein Versprechen fällt an diesem Abend: 20 weitere Jahre Slipknot.

Mit einem liebevollen "Dankeschön Motherfucker" verabschiedet sich die Band von ihren Fans. Dankeschön für über 20 Jahre Wahnsinn.

Setliste

Unsainted / Disasterpiece / Eeyore / Nero Forte / Before I Forget / New Abortion / Psychosocial / Solway Firth / Vermilion / Birth of the Cruel / Wait and Bleed / Eyeless / All Out Life / Duality // (sic) / People = Shit / Surfacing

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