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a-ha (live in Mannheim 2019) © Rudi Brand

Während die erste Hälfte des Konzerts von a-ha in der Mannheimer SAP Arena lediglich mittelmäßig ist, schrammt das zweite Set nur denkbar knapp am Desaster vorbei. Allein die Zugabe gerät versöhnlich.

a-ha sind definitiv keine Albumband, daher überrascht die Entscheidung ein wenig, auf ihrer Tour ihr Debütalbum "Hunting High And Low" von 1985 komplett zu spielen.

Kein makelloser Klassiker

Im gleichen Jahr veröffentlichten Kate Bush "Hounds of Love", Tom Waits "Rain Dogs" und The Jesus and Mary Chain "Psychocandy". "Hunting High And Low" reicht in seiner Gesamtheit nicht an das Niveau dieser Werke heran.

Das zeigt sich im ersten Teil des Sets der norwegischen Band, das aus einer Komplettaufführung eben dieses Debütalbums besteht. Drei Singles sind unbestrittene Klassiker und gehören zum Besten, was die Mainstream-Popmusik der 1980er hervorgebracht hat.

Band-Klassiker

Da "Take On Me" das Konzert eröffnet, ist die Ekstase im Publikum augenblicklich groß. Im Innenraum springen Fans auf (und werden sich den ganzen Abend über nicht mehr setzen), einige überennen die Ordner und machen sich zur Bühne auf. 

Der nächste Höhepunkt folgt mit einer reduzierten, halb-akustischen Version von "Hunting High And Low". Zum Abschluss des Liedes ergreift Morten Harket zum ersten und einzigen Mal an diesem Abend die Initiative und fordert das Publikum zum Mitsingen auf. Beeindruckend ist aber vor allem, wie klar und intensiv seine Stimme klingt.

Knalliger Breitbandsound

Aber neben diesen Klassikern beinhaltet das Album auch zahlreiche weniger bemerkenswerte Lieder, beispielsweise das banale "The Blue Sky" oder das belanglose "Love Is Reason". "I Dream Myself Alive" überzeugt auch in neuem Arrangement nicht. Der Abschluss des ersten Sets mit "Here I Stand and Face the Rain" gelingt hingegen gut. 

a-ha haben sich entschlossen, den teilweise sehr luftigen Popsound der 1980er mit knalligen Drums und flächigen Keyboards wesentlich dichter und durchdringender zu gestalten. Dieser sehr moderne Breitwandsound funktioniert im ersten Set noch einigermaßen gut, weil die Balance passt.

Tiefpunkte im zweiten Teil

Ganz anders im zweiten Set: Der metallische, teilweise stark übersteuerte Sound verschluckt zunehmend Morten Harkets Stimme und ruiniert schlichtweg die feine Popmusik der Norweger. "Analogue" und "The Swing of Things" werden von Effekten regelrecht niedergewalzt, nur "Foot of the Mountain" vermag sich einigermaßen zu behaupten.

Wer hofft, dass das an sich wunderschöne "Crying in the Rain" die Wende bringt, wird enttäuscht. Das 1961 von Carole King für die Everly Brothers geschriebene Lied lebt von seiner intensiven Stimmung, die a-ha selbst in ihrer Studioversion 1990 genial aufgegriffen haben.

In der aktuellen, in Mannheim gespielten Version geht diese Stimmung aber völlig in unnötigen Effekten unter. Nach einem ebenso furchtbaren "Sycamore Leaves" scheint sich das Konzert zu einem Desaster zu entwickeln.

Abschluss mit a-ha-Effekt

Linderung bringt dann das gute neue Lied "Digital River", zu der die Band das Publikum auffordert, die SAP Arena in ein Lichtermeer zu tauchen. Irritierend bleiben aber die Versuche, wie bei "I've Been Losing You" unpassende Rockriffs in ihre Musik einzubauen. Mit einer ebenfalls nur mittelmäßigen Version von "Stay On These Roads" geht der zweite Teil zu Ende.

Die Zugabe bringt dann etwas von dem a-ha-Gefühl, auf das man eigentlich schon gar nicht mehr zu hoffen gewagt hatte. Das verlässliche "Scoundrel Days" und die Mitsing-Hymne "The Living Daylights" sorgen im Publikum für Riesenbegeisterung. So gut wie alle Zuschauer stehen und singen mit. Aber es ist ein wenig zu spät, um das Konzert zu retten.

Pro und contra

Sicherlich muss man a-ha zu Gute halten, dass sie nicht einfach ihre alten Hits nachspielen, um die Zuschauer auf einen Nostalgie-Trip mitzunehmen. Es ist grundsätzlich positiv, dass die Band ihre alten Lieder neu arrangiert.

Allerdings stehen die neuen Arrangements quer den Stärken der Band. Morten Harkets Stimme geht zu oft im Breitwandsound unter, die Musik besitzt zu wenig Raum zum Atmen – ein Problem unter dem von Massive Attack bis The National dieses Jahr schon einige Konzerte litten.

In dem mechanischen Klang wirkt die Band nochmal distanzierter und unnahbarer, wozu auch die unpersönlichen Videoeinspielungen beitragen, die der Musik keine zusätzliche Tiefe verleihen können. Trotz des versöhnlichen Abschlusses wirft das Konzert daher die Frage auf, ob a-ha sich mit diesem Konzept einen Gefallen tun.

Setlist

Take On Me / Train of Thought / Hunting High and Low / The Blue Sky / Living a Boy's Adventure Tale / The Sun Always Shines on T.V. / And You Tell Me / Love Is Reason / I Dream Myself Alive / Here I Stand and Face the Rain // Analogue (All I Want) / Foot of the Mountain / The Swing of Things / Crying in the Rain / Sycamore Leaves / Digital River / I've Been Losing You / Stay on These Roads // Scoundrel Days / The Living Daylights

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