The National (live in Frankfurt 2019) Fotostrecke starten

The National (live in Frankfurt 2019) © Rudi Brand

Das Konzert von The National in der fast ausverkauften Frankfurter Jahrhunderthalle offenbart, wie sich die Band in den letzten Jahren verändert hat. Nicht alle Entwicklungen sind positiv, aber ein Abend voller eindrucksvollem Indie-Rock war es dennoch.

Im Jahr 2019 bezeichnet "Indie-Rock" entweder reine Underground-Phänomen oder gesichtslosen, totproduzierten Mainstream-Rock. The National erinnern hingegen an große Vorbilder der 1980er und 1990er wie R.E.M., The Smiths oder Radiohead. Das macht sie zu einem echten Phänomen.

Fans aller Altersklassen

The National verfügen über einen eigenen Sound, schreiben unablässig Songs von hoher Qualität und verfügen mit Matt Berninger über einen charismatischen Frontman mit einer unverwechselbaren Stimme. In einer Zeit, in der fast alle Musik nach Autotune klingt, wirkt das beinahe anachronistisch.

Das macht sie auch für ältere Musikfans attraktiv: In der bis auf die Tribüne unbestuhlten Jahrhunderthalle sind Fans von Mitte Zwanzig bis Mitte Fünfzig versammelt. 

Verstärkt durch Sängerinnen

Dennoch gehen The National mit der Zeit. Nach ihrem relativ elektronischen Album "Sleep Well Beast", veröffentlichten sie mit "I Am Easy To Find" ein Album, auf dem die Band von verschiedenen Sängerinnen unterstützt wird.

Zwei von ihnen begleiten die Band auch auf Tour, darunter keine Geringere als Gail Ann Dorsey, bekannt als langjährige Bassistin von David Bowie, und Bryce Dessners Ehefrau Mina Tindle. Ihre Präsenz macht es erst möglich, dass die Band so viele Songs ihres neuen Albums spielt: 12 werden es in Frankfurt sein!

Gut, aber nicht herausragend

Das ist ein zweischneidiges Schwert. Es spricht für die ungebrochene kreative Kraft der Band, dass sie so viele Songs ihres neuen Albums spielen. Zudem erleben die Zuschauer sicherlich ein einzigartiges Konzert, denn dass die Band ein weiteres Mal in dieser Besetzung auf Tour gehen wird, erscheint eher unwahrscheinlich.

Allerdings sind 12 Songs von "I Am Easy To Find" einfach zu viele. Das liegt nicht daran, dass die Lieder schlecht wären, sie verblassen nur etwas im Vergleich zu den echten Meisterwerken der Band. Es ließen sich im Gesamtwerk der Band mühelos bessere Lieder als "So Far, So Fast" oder "Roman Holiday" finden.

Früher war mehr Trompete

Schließlich überzeugt Mina Tindle nicht immer als Sängerin, wenn sie ein Lied mit ihrer Stimme tragen muss. Gail Ann Dorsey gelingen hingegen wunderbare Momente wie der Break im ausgezeichneten Opener "You Had Your Soul With You". 

Ein weiteres Problem ist der Sound: The National besaßen vor einigen Jahren einen sehr offenen, aber dennoch intensiven Sound, der sehr massiven und auf Überwältigung ausgelegten Indie-Rock-Klängen Platz gemacht hat. Das ermüdet auf Dauer etwas. Matt Berninger ist einfach am besten, wenn seine Stimme etwas Raum zur Entfaltung hat. 

Exzellenter Abschluss

Genug gemeckert: Es war ein gutes Konzert, aber eben kein brillantes (wie beispielsweise damals beim Maifeld Derby 2014 in Mannheim oder beim Rolling Stone Weekender 2010). Es gibt aber eine wilde, ekstatische Interpretation von "The System Only Dreams In Total Darkness". Solche Augenblicke voller Leidenschaft hätte man sich mehr gewünscht.

Dazu kommt eine fabelhafte Zugabe, bei der die neuen Songs "Not In Kansas" und "Light Years" sehr gut zu den alten Schlachtrössern "Mr. November", "Terrible Love" und "Vanderlyle Crybaby Geeks" passen. Wie groß The National inzwischen geworden sind zeigt sich nicht nur daran, dass die Jahrhunderthalle in Frankfurt fast ausverkauft ist, sondern dass die Zuschauer auch den Text von "Vanderlyle" stimmstark mitsingen. 

The National sind an einem Punkt ihrer Karriere angekommen, an dem sie niemandem mehr etwas beweisen müssen. Es wird aber spannend sein zu erleben, wie sie von diesem Punkt an weitermachen. Über wieviele aktuelle Bands kann man das sagen?

Setlist

You Had Your Soul With You / Quiet Light / The Pull of You / Hey Rosey / Don't Swallow the Cap / Sea of Love / Bloodbuzz Ohio / Oblivions / So Far, So Fast / Where Is Her Head / Green Gloves / This Is the Last Time / Day I Die / Carin at the Liquor Store / The System Only Dreams in Total Darkness / I Am Easy to Find / Roman Holiday / Graceless / Fake Empire / Rylan / About Today // Not in Kansas / Mr. November / Terrible Love / Light Years / Vanderlyle Crybaby Geeks

Alles zum Thema:

the national

Das könnte Sie auch interessieren