The National (live beim Rolling Stone Weekender 2010)
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The National (live beim Rolling Stone Weekender 2010) Foto: Jan Wölfer © regioactive.de

Der begeisternde Auftritt der amerikanischen Indie-Rocker The National bildete den Höhepunkt des diesjährigen Rolling Stone Weekenders, dem "Indoor-Komfort-Festival" am Weißenhäuser Strand/Ostsee.

Die meisten Menschen verbinden die Musik der amerikanischen Indie-Rocker The National mit der traurigen Tristesse verregneter Winterabende. Die Einsamkeit ist ein so bestimmendes Merkmal ihrer Lieder, dass man Zweifel hegen könnte, ob sich die düsteren Exkursionen der Band in das dunkle und kalte Herz des urbanen Lebens angemessen in einem Konzert umsetzen lassen. Weit gefehlt, The National müssen den Vergleich mit den besten gegenwärtigen Livebands nicht scheuen, wie ihr Auftritt beim diesjährigen Rolling Stone Weekender am Weißenhäußer Strand an der Ostsee zeigt. Das Interesse der Musikbegeisterten ist enorm: Keine andere Band lockt mehr Zuschauer in das große Festzelt. Wer sich aufmachte, sollte ein Konzert erleben, an dass er sich noch lange erinnern wird.

Vom ersten Moment an gelingt es der Band, den richtigen Ton zu treffen. Der minimalistische Opener Runaway erlaubt es Matt Berninger, die Souveränität und Ausdrucksstärke seines Gesangs unter Beweis zu stellen. In der Betrachtung eines Beziehungsstreits brilliert Berninger als angeschlagener Kämpfer, der sich bedrohlich weigert, davonzurennen. Auf den langsamen und intensiven Beginn folgt die allmähliche Steigerung der Intensität, die in einem ihrer Meisterwerke, der schonungslosen Abrechung Mistaken For Strangers einen ersten Höhepunkt erreicht.

Obwohl The National wie auf den Alben mit Trompeter und Posaunisten auftreten, begnügen sie sich nicht damit, ihre Studioversionen nachzuspielen: Die leichte aber effektvolle Variation des Gesangs in der düsteren Meditation Bloodbuzz Ohio erinnert daran, dass die Band nicht an die Arrangements ihrer Platten gekettet ist. Die wilde Leidenschaft, mit der Berninger den Text von Squalor Victoria ins Mikrophon schreit, ohne die Kontrolle zu verlieren, legt dann den Grundstein für eine atemberaubende Tour de Force mit unerwarteten Höhepunkten: England kulminiert in einem gewaltigen Gitarrengewitter, das die Anwesenden in weißes Licht taucht.

In Lit Up und Terrible Love singt und schreit sich Berninger in einer nicht für möglich gehaltenen Leidenschaft die Seele aus dem Leib, als ob er zeigen wolle, dass die Routine der Feind aller Kreativität ist. Mit einem Maximum an Engagement gelingt es The National das gelegentliche Fehlen der für die glänzenden Studioversionen zentralen musikalischen Details vergessen zu lassen. Die schiere musikalische Genialität bricht sich unwiderstehlich und unaufhaltsam ihren Weg.

Für Mr. November springt Berninger ins Publikum, arbeitet sich durch die Menge und singt dennoch traumhaft sicher davon, dass er von Cheerleadern in den Armen getragen wurde. Ganz zum Schluss versammelt sich die Band am Bühnenrand und singt ohne Verstärkung gemeinsam Vanderlyle Crybaby Geeks. Falls The National gehofft hatten, das Publikum beherrsche den Text gut genug, um mitzusingen, so irren sie sich, aber die geisthaften Wortfetzen, die durch Rufe, Jubel und Schreie der euphorischen Zuschauer dringen, bereiten dem begeisternden Konzert einen erhabenen Abschluss.

Setlist:

Runaway - Anyone's Ghost - Mistaken For Strangers - Bloodbuzz Ohio - Slow Show - Squalor Victoria - Afraid Of Everyone - Conversation 16 - Appartment Story - Sorrow - Abel - England - Fake Empire - Mr. November - Terrible Love - Vanderlyle Crybaby Geeks

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