Bon Jovi (Pressebild, 2017)

Bon Jovi (Pressebild, 2017) © Universal Music

Die Stadiontour von Bon Jovi wird getragen von Hits und vielen Emotionen. Die Zuschauer in der Merkur Spiel-Arena in Düsseldorf lassen sich trotz offensichtlicher Probleme nicht davon abbringen, die Band abzufeiern und gemeinsam einen tollen Abend zu erleben.

Im Vorfeld der Stadiontour von Bon Jovi wurde viel über die noch vorhandene Live-Qualität der Band diskutiert. Das hatte folgende Gründe: Zunächst fehlt Gitarrist Richie Sambora an der Gitarre, aber vor allem klingt Sänger Jon Bon Jovi live nicht mal ansatzweise so wie vor 20 oder 30 Jahren. Dazu wurde viel darüber spekuliert, dass die Band deshalb auch Playback als Hilfsmittel zur gesanglichen Unterstützung einsetzt.

Das Konzert bestätigt letztlich die Vermutungen. Es gibt Momente, da zuckt man regelrecht zusammen, wenn Jon Bon Jovi seine Stimme erhebt: Er wirkt gesanglich teilweise so kraftlos, dass er sie gegen den brachialen Rocksound kaum zur Geltung bringen vermag. Wie passt aber all das zu einem Konzert, bei dem das vollbesetzte Stadion Bon Jovi zweieinhalb Stunden enthusiastisch abfeiert?

Emotion und Gigantismus

Schon vor dem Konzert wird klar, dass die Fans ein visuelles Spektakel erwartet. Allein die riesige Videowand, die fast so breit ist wie das Fußballfeld, bietet einen Vorgeschmack auf die visuelle Wucht der Show. Das Opening mit "This House Is Not For Sale" wird von einer ohrenbetäubenden Euphorie begleitet. Die heulend, krachenden Gitarrenriffs tragen ihren Teil zum rockigen Erlebnis bei.

Spätestens ab "Raise Your Hands" ist Jon Bon Jovi mittendrin in der Action und zeigt sich als großer Entertainer, der einfach riesig Bock auf die Show und sein deutsches Publikum hat. Er wackelt mit den Hüften, lässt die Zuschauer auf den Takt die Hände dreimal in die Luft pushen und gibt am Ende mit einer kleinen Schattenboxeinlage richtig Gas.

Mit breitem Grinsen und guter Laune kanalisiert Jon Bon Jovi die rockige Energie seiner Band und peitscht so das Publikum hoch. Teilweise gleicht er mehr einem Zeremonienmeister als dem Sänger einer Rockband.

Große Lust

Zu jedem Zeitpunkt ist spürbar, dass das Publikum einfach nur genießen und mit der Band in Emotionen baden möchte. Als "You Give Love A Bad Name" erklingt, steht das ganze Stadion und singt aus vollem Hals, lässt sich vom rockigen Sound tragen und treiben. Die Reise geht über den "Lost Highway" mit Jon Bon Jovi an der Akustikgitarre und den Bildern einer einsamen Straße durch den amerikanischen Westen auf der Videowand.

Es folgt eine Zeitreise in das Jahr 1982 mit dem großen Hit "Runaway". Bon Jovi ziehen musikalisch alle Register, jagen massig Gitarrenriffs ins Publikum und wieder kanalsiert der strahlende Held am Mikro diese Energie mit seinen Gesten und wirft sie gekonnt in die Massen. Die Show ist abwechslungsreich, bietet mal kraftvolle Bilder wie das schmelzende Eisen bei "Keep The Faith", dann wieder große Emotionen mit brennenden Kerzen zu "Bed Of Roses" mit dem Höhepunkt des kleinen Tänzchens von Jon Bon Jovi mit einem weiblichen Fan.   

Hitparade

Statt die neuen Songs zu spielen bietet das Konzert eine Abfolge der größten Hits, die wie "It's My Life" vom Publikum einfach nur abgefeiert werden. Es sind gigantische Bilder, wenn das ganze Stadion den Rhythmus von "Lay Your Hands On Me" mit den Händen über dem Kopf klatscht und so eine Rock-Messe zelebriert.

Mit Riesenenergie tanzt Jon Bon Jovi zu "I'll Sleep When I'm Dead" über die Bühne und "Bad Medicine" entfaltet eine Wucht, die jeden Zuschauer förmlich überrollt. Als Zugabe gibt es zunächst die Power-Ballade "I'll Be There For You", eine geballte Ladung großer Gefühle. Wie schon den ganzen Abend pusht Jon Bon Jovi seine Fans mit großen Gesten, animiert zum Mitsingen und gibt wirklich alles, was er noch drin hat im Tank.

Einzige Chance 

Der letzte Song ist natürlich "Livin' On A Prayer". Das große Finale zeigt noch einmal kompakt sämtliche Stärken und Schwächen des Konzerts: Beim Gesang von Jon Bon Jovi muss man stellenweise schwer durchatmen. Dann aber wird man von der Energie der Band und der Leidenschaft, mit der Jon Bon Jovi trotz der Gesangsprobleme auf der Bühne mitgeht, doch wieder mitgerissen. 

Die Band lässt einfach das ganze Stadion singen und gibt ihnen die Emotionen und Erinnerungen an die goldenen 80er und 90er Jahre, lässt sie förmlich darin baden. So, und wirklich nur so, können Bon Jovi als Live-Band noch überzeugen und weiter für ihre Fans da sein.

Setlist:

This House Is Not For Sale / Raise Your Hands / You Give Love A Bad Name / Born To Be My Baby / Whole Lot Of Leavin' / Lost Highway / Runaway / We Weren't Born To Follow / Have A Nice Day / Keep The Faith / Amen / Bed Of Roses / Blood On Blood / It's My Life / We Don't Run / Wanted Dead Or Alive / Lay Your Hands On Me / Captain Crash & The Beauty Queen From Mars / I'll Sleep When I'm Dead / Bad Medicine // I'll Be There For You / Livin' On A Prayer

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