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Impressionen von der German Comic Con in Dortmund 2019 © Erik Winkes

Der zweite Tag der German Comic Con Spring Edition 2019 und der Weekend of Hell in den Dortmunder Westfalenhallen liefert intensive Einblicke in die Arbeitsweise der Schauspieler. Wie entstehen Sitcoms? Wie erarbeiten sie sich ihre Charaktere? Wie verändern sich Rollenprofile?

Nach dem furiosen Auftakt der German Comic Con Spring Edition 2019 und der Weekend of Hell am Samstag blicken die Zuschauer gespannt auf die Action am Sonntag.

Der neue Tag bringt auf jeden Fall neue Kostüme. Während am Samstag auffällig oft Harley Quinn aus Suicide Aquad zu sehen ist, scheint der Sonntag der Tag von Doctor Strange zu sein.

Bühnen-Action

Eine interessante Bühnenshow bieten an beiden Tagen die Lichtschwertkämpfer vom Saberproject.  Das Team aus Karlsruhe zeigt spannende Moves mit ihren selbstgebauten Lichtschwertern. Bei Action in teils höchster Geschwindigkeit ist der Sound der Schwerter in Echtzeit zu hören, obwohl die Technik ab und zu ausfällt.

Gearbeitet haben sie unter anderem schon mit Star Wars Stunt Koordinator Nick Gillard, der bei den Prequels der Teile 1 bis 3 mitwirkte. Aktuell sind sie zudem im Rammstein-Video "Deutschland" zu sehen und auch als Stockkämpfer im Video "Die Insel" von Schandmaul.

Avengers-Star Elizabeth Olsen

Der größte Star der German Comic Con Spring Edition neben Charlie Sheen ist ganz klar Elizabeth Olsen. Die Wanda Maximoff oder Scarlet Witch ist einer der großen Stars der Avengers-Filmreihe von Marvel. Kurz vor dem Start des letzten Avengers-Films "Endgame" gibt sie spannende Einblicke in die Welt von Marvel, spricht aber auch über andere Projekte.

Angesprochen auf den russisch klingenden Dialekt, den sie im Original spricht, erklärt sie: "I do a bad russian accent". Da letztlich weder sie noch ihr Filmbruder Aaron Taylor-Johnson, der Pietro Maximoff alias Quicksilver spielt, wirklich russisch sprechen können, mussten sie sich ihren eigenen Dialekt erfinden. Dieser Dialekt musste so klingen, dass beide damit arbeiten konnten. Das ist aber nicht schlimm, denn letztlich soll es ja nach der Sprache von Sokovia klingen – und "Sokovia is a fake place".

Charakterbildung

Sie selbst hat bisher keinen Avengers-Film im Kino gesehen, liebt aber am meisten von allen Filmen des Avenger-Universums "Black Panther", weil er so anders ist, "a whole other universe".  Spannend ist die Backgroundstory zu Captain Marvel. Meistens erarbeiten sich Schauspieler ihre Charaktere während der Dreharbeiten. Bree Larsen konnte das nicht, denn ihre eigene Entstehungsgeschichte als Captain Marvel wurde erst nach "Endgame" gedreht.

Ähnlich erging es Elizabeth Olsen bei "Age of Ultron", denn zunächst drehten sie in Italien das Finale ihres ersten Avenger-Films. So konnte sie ihre Figur auch erst während der Dreharbeiten herausarbeiten. Die Herangehensweise ist bei ihr bei jedem Film anders. Bei "Wind River" waren Fähigkeiten wie Schusswaffentraining und physische Fitness die Basis. Der Film steht letztlich unter dem schlechten Stern, dass es der letzte von Harvey Weinstein produzierte Streifen ist.

Danielle Panabaker

Leider fällt Danielle Panabaker in einer Hinsicht unangenehm auf. Sie ist der einzige Star der German Comic Con, der keine Bilder zulässt, nicht mal auf dem Panel – schade für die Fans. Trotzdem gibt sie einige interessante Einblicke zu "The Flash", ihrer Doppelrolle als Dr. Caitlin Snow und Killer Frost und dem gesamten Arrowverse.

Ihre Lieblingsfigur neben ihrer eigenen Rolle ist "White Canary", die von Caity Lotz gespielt wird. Sie bewundert sie wegen ihrer Fähigkeiten als Actionstar und ihrer Schauspielerei. Sie liebt es auch, die Kostüme ihres alternativen Charakters Killer Frost zu tragen – und das, obwohl sie vor "The Flash" nie ein Comicbook gelesen hatte. So hat sie die Chance, abwechselnd "the good and the bad role" zu spielen.

Die Crossovers

Aktuell ist Danielle mit dem Stand der Serie nach Staffel 5 sehr zufrieden: "It's good, where we are now". Jedoch sollte ihre Figur irgendwann mal zur Ruhe kommen. Drei Beziehungen in drei Jahren sind vielleicht zu viel. Caitlin sollte es langsamer angehen, sich auf sich selbst konzentrieren.

Jede Staffel benötigt zehn Monate Drehzeit pro Jahr. Die schwierigste Arbeit in jeder Staffel ist dabei das Crossover mit den anderen Serien "Arrow", "Supergirl" und "Legends of Tomorrow". Die Crossovers sind schwierig zu planen, denn "every show has his own crew and show runner". Auf Nachfrage von regioactive.de, welches Crossover ihr in Hinblick auf die Story am meisten gefällt, ist es das erste Crossover, aber auch das aktuelle aus Staffel 5 von "The Flash" sei "massive".

Game of Thrones

Nur am Sonntag anwesend ist Hannah Murray, die Goldy oder im englischen Original Gilly aus Game of Thrones. Sinnlos sind Fragen nach Staffel 8, die einen Tag nach der German Comic Con startet. Ihre Lieblingsstaffel ist die sechste, weil sich dort so viel ändert für Gilly und Sam. Grundsätzlich liebt sie Serien wie Game of Thrones, weil die Story so lang und komplex ist.

Nur in Ausnahmefällen wie bei "Skins" sei es gut, die Geschichte zu begrenzen. Denn die Rolle des essgestörten, selbstzerstörerischen Teenagerin Cassie kann sie nicht ewig spielen und die Charaktere sollten bewusst nicht zu alt werden. Ihre nächste große Rolle im Kino ist in "Charlie Says", der die Geschichte von Charles Manson darstellt. Dort spielt sie seine Anhängerin Leslie Van Houten.

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Auf der Weekend of Hell haben Pam Grier und Richard Roundtree endlich ihr Doppelpanel. Am Samstag war Richard Roundtree noch allein da, da Pam wegen Schnee nicht rechtzeitig anreisen konnte. Richard Roundtree ist trotz seines Alters von 76 nicht nur der coolste Dude der Convention mit seinen Klamotten und dem ganzen Schmuck, sondern hat auch eine coole Einstellung zu modernen Medien. Mit Plattformen wie Netflix habe sich alles verändert: "It's a whole new world". Das bedeutet aber auch, dass viel mehr Schauspieler jetzt arbeiten können.

Seine Vorbilder sind Sidney Portier, Harry Belafonte und Sammy Davis jr. Sein härtester Dreh war die erste Verfilmung von "The Roots", "because of the reality", also der Geschichte der Sklaverei. Aktuell freut sich Roundtree auf den 14. Juni, wenn in den USA der neue Shaft Film, der sechste Teil, Premiere hat. Seiner Meinung nach handelt es sich um den besten Shaft seit dem ersten Film von 1971, als er noch Shaft war. Jetzt erwartet die Zuschauer ein Film von drei Generationen, denn neben ihm selbst spielen Samuel L. Jackson und dessen Filmsohn Jessie T. Usher als John Shaft III mit.

Pam Grier

Pam Grier wird natürlich nach "Jackie Brown" gefragt und erzählt spannende Details. Ein Take mit ihr und Samuel L. Jackson musste extrem gut vorbereitet werden, denn es dauerte satte 15 Minuten ohne jeden Cut. Tarantino, ein laut Roundtree wandelndes Kinolexikon, ging schon immer eigene Wege. Pam Grier liebt Tarantino, weil er ihr geholfen hat, "being better as an actor".

Gute Freunde seit den 1980er Jahren sind Don Johnson und Philip Michael Thomas, die legendären Cops Crockett und Tubbs aus "Miami Vice". Pam Grier spielte dabei Valerie Gordon. Abseits der Schauspielerei liebt sie es, zu jammen, besonders mit Bands wie Earth, Wind & Fire.

Dolph Lundgren

Der Stargast der Weekend of Hell ist Dolph Lundgren. Er sitzt nicht, macht das ganze Panel im Stehen und ist superlässig. Bei der Frage, welche seiner Filme er sich selbst ansieht, kommt die trockene Antwort: "Only the good ones". Auch auf die Frage nach einem weiteren Film mit Jean-Claude van Damme kommt nur ein: Jean-Claude Who?". Das Publikum lacht.

Seine Lieblingsrolle ist immer noch der Ivan Drago aus Rocky IV, obwohl er selbst sagt, sein russisch klinge im Original eher als ob Marlon Brando russisch gesprochen hätte. Die Frage nach einem weiteren "Masters of the Universe" Film treibt offenbar einige Zuschauer um. Lundgren sagt, "it would be funny, but it is not in plan".  

Sein Rollenbild hat sich trotz der Expendables-Filme auch verändert. Er ist nicht mehr der Fighter. Heute spielt er eher die politischen Rollen wie zuletzt in "Aquaman", obwohl er dort die Drehs zur Simulation der Bewegungen im Wasser in 10 Meter Höhe an Seilen hängend spielen musste.

Emmanuelle Vaugier und Charlie Sheen

Als Gast der Weekend of Hell spricht Emmanuelle Vaugier zuerst über ihre Rolle in Saw II. Sie selbst hatte keine Probleme beim Dreh, hielt sich aber bei der Kinopremiere mehrfach die Augen zu – abhauen konnte sie ja schlecht. Angesprochen auf die Arbeit in Serien erklärt sie Vorteile und Nachteile. Feste Rollen geben Sicherheit, aber Charaktere, die nur sporadisch auftauchen, sind immer auf Abruf und haben kein gesichertes Einkommen.

Interessant ist ihre Erklärung zur Arbeit in Sitcoms wie "Two and a half men". Von Montag bis Mittwoch wird geprobt und über Nacht wird permanent der Text angepasst. Die Aufzeichnung erfolgt dann immer am Freitag vor Live-Publikum. Das bestätigt auch Charlie Sheen beim letzten Panel der German Comic Con: "Friday is Gametime". Für den größten Lacher sorgt noch ein Charlie Harper Double am Fragenmikrofon. Charlie Sheen fragt ihn grinsend: "Are you the past or the future?" Einfach großartig.

Der krasse Kontrast

Das krasse Gegenteil auf der Panel-Bühne ist der sperrige Tom Noonan. Er geht nur spärlich auf Fragen des Publikums ein und hat seine sehr eigenen Ansichten über die Arbeit als Schauspieler. 

Hat er einen Job, interessiert ihn kein Cast, er lernt seinen Text und wenn der Regisseur dreht, sagt er seinen Text auf. Sein Motto: "I play all roles" klingt nicht nach Leidenschaft, sondern nach der Abarbeitung einer To-do Liste. So viel kantige Offenheit ist dann auch wieder erfrischend inmitten der ganzen Hochglanzprofis.

Parallelveranstaltungen

Ein wenig kritisch ist (wenn man überhaupt etwas kritisieren kann) der Panel-Plan. Zugegeben ist es schwierig bei zwei parallelen Events mit so vielen Stars, aber es wäre dennoch geschickter gewesen, einige der bekannteren Stars der Weekend of Hell zeitgleich zum Cosplay-Event oder der Lichtschwerter-Show abzuhalten, um den Interviewplan etwas zu entzerren.

So finden die beiden Panels von Jennifer Morrison am Samstag gleichzeitig mit Jennifer Carpenter und am Sonntag gleichzeitig mit Dolph Lundgren statt. Zwei jeweils so interessante Panels parallel laufen zu lassen ist unglücklich, speziell am Samstag wäre ein Set Carpenter gegen Cosplay besser gewesen. So kommt Jennifer Morrison leider etwas zu kurz. Denn auch sie ist wahnsinnig liebenswert.

Sie erzählt von ihrer Art, sich Charaktere zu erarbeiten, dass sie schon seit dem 5. Lebensjahr als Schauspielerin tätig ist, ein Riesenfan von Star Trek ist und immer noch gerne an die Arbeit mit Hugh Laurie bei "Dr. House" zurück denkt, auch abseits der Dreharbeiten.

Tolles Wochenende

Nach zwei intensiven Tagen ist das Fazit dieser Doppelveranstaltung weitestgehend positiv. Die angereisten Stars sind fast alle gut drauf und geben sich viel Mühe – jeder auf seine Art.

Dolph Lundgren ist super entspannt, Elizabeth Olsen wahnsinnig charmant und Charlie Sheen mit seinem spitzbübischen Grinsen und pointierten Antworten ein echter Bühnenprofi. Die Interviewer geben sich viel Mühe, sind gut vorbereitet und binden so weit wie möglich Fragen des Publikums ein. 

German Comic Con und Weekend of Hell haben damit einen Standard gesetzt, an dem sich künftige Conventions messen müssen.

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