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AnnenMayKantereit (live in Mannheim, 2019) © Beatrix Mutschler

Nach eineinhalb Jahren Bühnenabstinenz feierten AnnenMayKantereit ihren Tourauftakt in der restlos ausverkauften Alten Feuerwache in Mannheim - und sorgten mit einer prima Mischung aus neuen und alten Liedern für Feierstimmung unter ihren Fans.

Eine Stunde vor Konzertbeginn füllt sich auch allmählich die Alte Feuerwache in Mannheim. Das Publikum ist vorrangig jung und weiblich, doch fast alle Altersklassen sind beim ausverkauften Konzert vor Ort. Trotz der Wartezeit ist die Stimmung von Beginn an locker, ruhig und gut gelaunt.

Eine Portion Humor

Pünktlich eröffnet das Chemnitzer-Trio Blond als Vorband den Abend. Ihr Indie-Pop mit Las Vegas-Glamour ist dabei vor allem eines: bunt, flippig und extravagant. Mit ihren witzigen Texten und Ansagen, Aerobic-Tanzeinlagen und flotten Melodien ziehen sie die Zuschauer auf ihre Seite.

Neben ihren eignen Song wie "Spinaci", bei dem sie über Spinat zwischen den Zähnen singen, wird besonders das Jason Derulo-Cover "Swalla" vom Publikum begeistert aufgenommen. Ein gelungener Auftakt des Konzertabends!

Große Freude

Nach etwas mehr als einer halben Stunde Unterbrechung für den Bühnenaufbau geht es dann endlich mit dem Hauptact los. Ohne Teaser, Intro oder Lichtshow betreten AnnenMayKantereit unter tosendem Applaus die Bühne.

Zum Auftakt spielt die Band die flotten und tanzbaren Lieder ihrer neuen Platte "Schlagschatten“. Paradoxerweise sorgt schon "Ich will heute nicht mehr tanzen" für jede Menge Bewegung in der dicht gepackten Menge.

Bodenständig und nah

Nach einem fulminanten Start folgt eine Reihe ruhigerer Songs. Für "Schon krass“, das die Nutzung illegaler Substanzen thematisiert, wünscht sich die Band Stille im Raum. Dabei gibt es allerdings Kommunikationsschwierigkeiten mit dem Publikum, da besonders im hinteren Teil der Halle Gespräche geführt werden.

Aber AnnenMayKantereit überspielen das souverän. Die Kölner können nämlich nicht nur durch ihre tatsächliche Nähe zum Publikum, sondern auch mit ihrer Art überzeugen. Kleine Gitarrenprobleme werden mit Humor gemeistert und sorgen für keinen Abbruch der guten Stimmung.

Alte Lieder als Stimmungsmacher

Als AMK verkünden, dass sie nun ein paar ihrer alten Lieder spielen ist die Freude beim Publikum groß. Besonders bei "Wohin du gehst“ bebt die Halle, aber natürlich vergisst die Band auch die absoluten Fanlieblinge "Pocahontas“ und "Barfuß am Klavier“ nicht. Nach den ruhigeren Liedern ist damit für Abwechselung gesorgt.

Ihre neue Platte verlieren sie dennoch nicht aus den Augen. Während "Freitagabend" genauso die Menschenmenge zum Tanzen anregt wie "21, 22, 23", schlägt "Sieben Jahre" emotionalere Klänge an. Überraschenderweise verlässt Severin Kantereit dafür sein Schlagzeug, um eine Gitarre zu spielen – ein weiteres Highlight des Abends.

Politische Töne

Ihr sozialkritischster Song des neuen Albums und ihres gesamten Repertoires ist wohl "Weiße Wand", das die Flüchtlingskrise behandelt und auf großen Zuspruch beim Publikum stößt.

Die Band freut sich darüber, dass auch dieses Lied vom Publikum textsicher mitgesungen wird und hält sich ansonsten mit politischen Aussagen zurück. Der Liedtext ist jedoch schon aussagekräftig genug.

Eine doppelte Überraschung

Nach 100 Minuten verabschieden sich AMK zum ersten Mal von der Bühne. Doch das Publikum verlangt lautstark nach einer Zugabe und die erste Überraschung folgt prompt.

Anstatt auf die Bühne zurückzukehren, spielt die Band mitten in der Halle in der Menge. Die zweite Überraschung folgt direkt, denn AMK performen bei anfangs völliger Stille einen ganz neuen Song . Das Stück sorgt dann für einen Gänsehautmoment, als am Ende alle lauthals mitsingen.

Ein gebührendes Ende

Mit "Jenny, Jenny" und "Vielleicht Vielleicht" kehren AnnenMayKantereit auf die Bühne zurück und bieten ein gebührendes und energiegeladenes Ende. Kurz vor 23 Uhr, nach fast zwei Stunden Spielzeit, verabschieden sich die Kölner von ihrem dankbaren Publikum.

Insgesamt sorgte ihre bodenständige Art, ihr musikalisches Können, Mays Reibeisenstimme und eine vielfältige Songauswahl für einen fulminanten Tourstart.

Setlist

Nur wegen dir / Ich will heut nicht mehr tanzen / Marie / In meinem Bett / Nichts Nichts / Schon krass / Hinter klugen Sätzen / Alle Fragen / Schlagschatten / ­­­Du bist anders / Es geht mir gut / Wohin du gehst / 21, 22, 23 / Weiße Wand / Freitagabend / Pocahontas / Barfuß am Klavier / Sieben Jahre / Länger bleiben / Oft gefragt / Neues Lied / Jenny, Jenny / Vielleicht Vielleicht

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