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Thirty Seconds To Mars (live bei Rock im Park, 2018) © Dominic Pencz

Eine weitere Ausgabe von Rock im Park 2018 ging friedlich über die Bühne. Das gesamte Wochenende über konnten die Festivalbesucher bei bestem Sonnenschein ihre Idole abfeiern. Ein Headliner bleibt allerdings aufgrund eines erkälteten Sängers hinter seinen Erwartungen zurück.

Bereits die Festivalausgabe 2017 konnte sich über weite Strecken über sonniges und warmes Wetter freuen. Auch dieses Jahr ist der Wettergott den Festivalmachern von Rock im Park gnädig: Purer Sonnenschein und ein fast wolkenloser Himmel sorgen für ausgelassene Festivalstimmung auf dem Zeppelinfeld in Nürnberg.

Bei dieser Hitze ist eine gewisse Wasserzufuhr unabdinglich. Im Gegensatz zum letzten Jahr erhält man auf dem Gelände allerdings keine Wasser-Tetrapaks mit Pfand mehr, sondern lediglich Einweg-Plastikflaschen. Zwar existieren auf dem gesamten Gelände Trinkwasserzapfstellen, an denen man seine Behälter selbst befüllen kann. Dennoch ist der Umstieg auf Einweg-Plastik beim Wasserverkauf ein kleiner Wermutstropfen für Mutter Natur in der ansonsten perfekten Festivalorganisation.

Der Freitag: Dave Grohl angeschlagen, Nothing But Thieves brillieren

Der erste Festivaltag lockt mit den Punk-Größen Bad Religion und Rise Against sowie mit Good Charlotte, den Pop-Rock-Superstars der Noughties, vor die Zeppelin Stage. Während Bad Religion und Good Charlotte eine wirklich sehenswerte Performance ablegen, lässt der Auftritt von Rise Against etwas zu wünschen übrig. Sänger Tim Mcllrath scheint immer wieder Probleme zu haben, die hohen Töne zu erreichen. So wirken die Töne oft abgehackt, wodurch die Takte immer wieder ins Hinken kommen.

Das Highlight des Tages ist sicherlich die erste Band auf der Zeppelin Stage: Nothing But Thieves. Die Briten überzeugen mit ihrer gewaltigen Energie und der facettenreichen Stimme von Sänger Conor Mason. Ein sehr gelungenes Cover von Led Zeppelins "Immigrant Song" gibt es als Sahnehäubchen obendrauf.

The Krächz of You

Einen derartigen Aha-Effekt können die Foo Fighters wider Erwarten nicht hervorrufen. Das Set ist zwar solide und die Band spielt wie immer auf dem Punkt, jedoch wirkt Grohls Stimme von Beginn an etwas heiser. Dieser Eindruck verstärkt sich gegen Ende der Show noch: Der Schluss-Song "Best Of You" besteht nur noch aus kaum verständlichem Kreischen. Im Nachhinein wird klar, dass sich Dave eine Erkältung eingefangen hat. Dass der Frontmann dennoch das Set ganze 2,5 Stunden durchgezogen hat, ist aller Ehren wert.

Der Samstag: Der Rap-Tag bei Rock im Park

Am Samstag spielen sich die Highlights weniger auf der Hauptbühne, als vielmehr auf der Park Stage und der Alternarena statt. Zwar bieten Jimmy Eat World hörenswerten Alternative Rock, doch spätestens nach den bedingt gelungenen Auftritten von Milky Chance und Alt-j wird es Zeit, sich die kühle Alternarena zu begeben.

Der dort spielende Wiener Rapper Yung Hurn kann die Erwartungen leider nicht erfüllen, auch wenn er sich sicherlich keinen Pfifferling drum schert - das anwesende Publikum tut das in Anbetracht der Begeisterungsstürme schließlich auch nicht. Das Playback hakt des Öfteren, die Raps wirken lieblos. Zwischendurch wirft das gehypte Teenie-Idol unterschriebene T-Shirts in die Menge. Lediglich mit dem letzten Track "Diamant" kann Hurn wieder einiges gutmachen.

Kasanova, Kasanova

Rapper-Kollege Bausa, der an diesem Tag unter dem Namen "Power-Bausa" firmiert, zeigt, wie es richtig geht: Mit einer kompletten Band im Rücken präsentiert der Neuling aus Bietigheim-Bissingen seine Songs im fetzigen Rockgewand und verfeinert seine Setlist mit Coverversionen von Green Day und Rage Against The Machine. "Ihr habt mich gefickt, Rock im Park", keucht der erschöpfte Bausa am Ende ins Mikro. Die zum Bersten gefüllte Arena kann das Kompliment nur zurückgeben.

Währenddessen läuft auf der Zeppelin Stage die Show on Jared Leto und seinen Mannen von Thirty Seconds To Mars, die sowohl musikalisch als auch soundtechnisch einwandfrei ist. Das Set wird jedoch hin und wieder von einigen langatmigen Publikumsaktionen unterbrochen. Zahlreiche Fahnenschwenker im vorderen Publikumsbereich dürfen für ihre fleißige Arbeit am Ende des Sets auf die Bühne kommen. "Paid" Fanship, wenn man so will.

A Propos Fanship: The Night Game, die am Nachmittag mit ihrem funky Achtziger-Pop ein phänomenales Set in der Alternarena abliefern, werden wir in den kommenden Jahren sicherlich wieder auf der Zeppelin Stage begegnen.

Der Sonntag: Würdiger Ausklang mit Beth Ditto und Muse

Der letzte Tag zeigt sich sowohl musikalisch als auch wettertechnisch von seiner schönsten Seite. Dazu trägt auch Beth Ditto bei (nebenbei bemerkt die einzige Frontfrau, die auf der Zeppelin Stage auftritt). Ihr allseits bekannter derber Humor sorgt für ausgelassene Stimmung.

Die Alternarena wird am Sonntag von gleich mehreren Bands regelrecht abgerissen: Don Broco legen ordentlich vor, während Heisskalt später für wildes Pogen im gesamten vorderen Bereich sorgen. Seit kurzer Zeit treten die Stuttgarter nur noch im Dreierpack auf. Auch wenn Gitarrist Philipp Koch des Öfteren den Bass-Part übernehmen muss, rocken Heisskalt immer noch wie die Hölle.

Erster Act für 2019 steht schon jetzt fest

Snow Patrol liefern mit ihren Pop-Hymnen den perfekten Soundtrack zum Sonnenuntergang und bieten damit ein willkommenes Kontrastprogramm zu Muse. Letztere überzeugen später mit einer packenden Setlist und einer sehenswerten Light-Show. Rock im Park 2018 hätte keinen würdigeren Abschluss-Headliner finden können.

Bleibt zu hoffen, dass das Festival auf dem Zeppelinfeld im nächsten Jahr dasselbe Glück mit dem Wetter hat. Ein ganz besonderer Gast würde für die Zwillingsfestivals Rock im Park und Rock am Ring 2019 jedenfalls bereits bestätigt: Niemand geringeres als Die Ärzte werden nach sechsjähriger Live-Pause die Festivalbühne rocken. Da kommt Vorfreude auf. Doch mal ehrlich: Was wäre Rock im Park ohne das nette Personal und die unfassbar friedliche Stimmung? Wir sehen uns im nächsten Jahr!

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