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Katy Perry (live in Köln, 2018) © Torsten Reitz

Die "Witness"-Tour von Katy Perry ist eine konsequente Fortführung der letzten Shows. Mit irrwitzigen Phantasieszenarien und wildem Spektakel entführt sie ihre Fans in eine bizarre Popwelt. Stimmlich wird die Sängerin dabei mutiger, zeitweise sogar zerbrechlich.

Das große Auge im Hintergrund ist der Ausgangspunkt der gesamten Show. Schon beim Intro feuert der Sound aus allen Rohren, während Nebel über die Bühne zieht. Die Lichtershow zieht alle Register, als sich der runde Augapfel in der Mitte öffnet und Katy Perry auf einer Sternentreppe in die Halle schwebt. 

Im goldenen Hosenanzug tanzt sie zum neuen Song "Roulette" um einige Riesenspielwürfel herum, während ihre Tänzercrew als Spielfiguren um sie herum wirbeln. Das alles ist eine komplett perfektionierte Choreographie. Besonders deutlich wird das bei "California Gurls", als Katy wie bei einer Entenfamilie vorne weg über die Bühne marschiert und die Tänzerinnen in Reih und Glied wie Küken hinterher watscheln.

Entwicklung

Eine deutlich positive Entwicklung von der letzten "Prismatic"-Tour zur aktuellen Tour ist der Einsatz der Band. 2014 beim Konzert in München noch ein Schwachpunkt der Show, bei der nur ein Song durch ein energetisches Gitarrensolo herausstach, rückt die Band diesmal mehrfach ins Zentrum. Sie zelebrieren nicht nur die Übergänge zwischen den Acts, sondern setzen mit Drum-Solo und heulenden Riffs der Gitarren immer wieder eigene Akzente. 

Auch Katy Perry gibt ihrer Stimme im vierten Act der Show mehr Raum. Als sie auf einem Planeten sitzend durch die Halle schwebt, spielt sie dazu eine Akustikgitarre und singt zu "Wide Awake". Dabei handelt es sich um den berührendsten Teil der Show, weil sie jetzt ihrer Stimme mehr Raum für Individualität einräumt.

Diese neue stimmliche Zerbrechlichkeit zeigt sich noch stärker bei "Into Me You See". Die Brüche sorgen für eine Gänsehaut, die durch absolute Perfektion oft nicht herstellbar ist. Der Mut, echte Emotionen zu zeigen, wird belohnt.

Party mit Höhen und Tiefen

Eine perfekte Choreographie ist nicht immer eine Garantie für eine perfekte Show. Katy Perry bietet zeitweise tolle Momente, die für viel Energie und Partystimmung sorgen. So heizen "Dark Horse" und die Hitsingle "Chained To The Rhythm" im ersten Act den 15.000 Zuschauern in der Halle mächtig ein. Die Energie pulsiert, die Tanzrhythmen reißen die Zuschauer mit.

Auch die knallbunten Elemente im zweiten Act, als die Tänzerinnen in pink-blauen Lacksuits mit gelber Kugel auf dem Kopf zu "Teenage Dream" über die Bühne tanzen, sind typisch für Katy Perrys zuckersüßen Lollipopsound. Der Höhepunkt ist schließlich erreicht, als Katy Perry zu "I Kissed A Girl" in der Luft per Seilzug die schwebenden Lippen als simulierten Kuss auf und ab zieht, während unten die Gitarristen dem Song mächtig Energie geben.

Das alles kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der energetische Flow zwischendurch immer wieder abhanden kommt. So ist das Duett am überdimensionalen Bodenklavier mit der Haipuppe namens "Left Shark" nur mäßig witzig. Auch das Basketballduell im Körbe werfen mit einem überforderten Zuschauer im Mittelteil von "Swish Swish" ist eher peinlich als unterhaltsam.

Der besondere Moment

Zwei Songs stechen an diesem Abend besonders hervor. Zunächst die grandiose Show bei "Bon Appétit", als Katy Perry im schwarzen Lederbody und weißen Kniestiefeln über die Bühne rockt. Der elektrisierende Sound lässt die Zuschauer mittanzen und laut schreien. Katy sitzt schließlich auf einem großen, grünen Blatt, angerichtet wie ein sehr appetitliches Häppchen. Ihre Tänzer verleihen mit übergroßen Salz- und Pfefferstreuern dem Song die passende Würze.

Das besondere Element des Songs ist am Ende aber das in den Song gemixte "What Have You Done For Me Lately" von Janet Jackson. Es ist die Ehrung einer besonderen Künstlerin, die nicht nur wenige Tage zuvor als erste schwarze Künstlerin den Billboard Icon Award verliehen bekam, sondern die mit eben diesem Song und dem Video zum Song sowie mit den späteren Live-Shows den Karrieren von Katy Perry, Beyonce oder Rihanna erst den Weg geebnet hat.

Feuerwerk

Gerade weil der energetische Flow nicht durchgängig ist, stehen vor allem die Zuschauer auf den Sitzrängen während der Show nur spärlich auf. Erst beim letzten Song "Firework" brechen alle Dämme und endlich ist die Energie in der Halle so vorhanden, wie man es sich beim ganzen Konzert gewünscht hätte. Die Zuschauer feiern und tanzen, als Katy Perry vor der übermächtigen Hand, auf der sie steht, am Ende eingeschlossen wird und verschwindet.

Die positive Entwicklung von Katy Perry ist sichtbar. Aber um auf den absoluten Toplevel zu kommen, muss sie es schaffen, das Publikum durchgängig auf dem höchsten Energielevel zu halten. Ein Weg könnte sein, die Zuschauer noch intensiver einzubinden und sich selbst emotional noch weiter zu öffnen. Außerdem sollte sie die teils sehr albernen Aktionen einschränken, die dem Konzert oft mehr Energie entziehen als wirklich zu unterhalten.

Setlist

Witness (Snippet) / Roulette / Dark Horse / Chained To The Rhythm / Teenage Dream / Hot N Cold / Last Friday Night (T.G.I.F.) / California Gurls / I Kissed A Girl / Déjà Vu / Tsunami / E.T. / Bon Appétit (with "What Have You Done For Me Lately") / Wide Awake / Into Me You See / Power / Part Of Me / Swish Swish / Roar (with "Hard Knock Life") // Pendulum / Firework

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