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Tocotronic (live in Heidelberg, 2018) © Beatrix Mutschler

Auf der Tour zu ihrem neuen Album "Die Unendlichkeit" machen Tocotronic Station in der Heidelberger halle02 - und überzeugen mit einer starken Mischung aus Klassikern und neuen Songs, vor allem aber mit einem ausgewogenen Bandsound.

Dirk von Lowtzow erinnert sich: "Wir waren zuletzt 2013 in Heidelberg". Seit damals hat sich einiges verändert. Die halle02 in Heidelberg ist in der Zwischenzeit komplett umgebaut und dadurch erweitert worden. Eines hat sich aber nicht geändert, so der Sänger: "Ich trage denselben Pulli wie damals", erklärt er augenzwinkernd. 

Tocotronic feiern in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Was ist ihr Erfolgsgeheimnis? Ganz sicher die überragenden Texte, die generationenübergreifend Anklang finden. Das zeigt sich beim Blick auf das Publikum. Teenager und junge Erwachsene mischen sich mit der Generation, die die Band seit den 1990ern begleitet.

Überzeugendes Gesamtkonzept

Die musikalische Qualität der Band war hingegen oft umstritten – Verächter gibt es jedenfalls genug. In früheren Zeiten konnten Tocotronic-Konzerte entweder mit rauer Energie mitreißen oder zu lärmenden Chaos degenerieren. Das ist vorbei – Tocotronic klingen ausgewogen und transparent, ohne den ihnen eigenen subversiven Charme zu verlieren.

Schon der Auftakt mit dem Titelsong des neuen Albums "Die Unendlichkeit" und "Electric Guitar" überzeugt vollauf. Mit letzterem Lied ist der Band möglicherweise ein neuer Bandklassiker gelungen. Wichtiger noch: die neuen Songs fügen sich in das Gesamtkonzept ein, der Übergang zum Klassiker "Let There Be Rock" gelingt mühelos. 

Die Zusammenstellung passt

Aber Tocotronic sind keine Band für Perfektionisten. Es gehört fast zum guten Ton eines Tocotronic-Albums oder -Konzerts, dass nicht alle Ideen überzeugen, dass nicht jedes Konzept aufgeht, dass nicht jeder Einsatz passt. In Heidelberg erledigt das wie 2013 der Titelsong des Albums "Wie wir leben wollen". Das schlichtweg etwas langweilige Lied saugt jede Energie aus dem Konzert, so dass Dirk von Lowtzow kommentiert: "Ihr seid so still". 

Das ändert sich schnell. Die harten, punkigen Songs wie "Sag alles ab" werden genauso gefeiert wie ihr größter Hit "This Boy Is Tocotronic". Die Zusammenstellung passt, alles fügt sich zueinander: das (vor dieser Tour!) ein Jahrzehnt nicht gespielte, ausladende Rock-Epos "Das Geschenk", das linkische "Zucker" vom roten Album und das neue Liebeslied "Alles was ich immer wollte war alles." Ein besonderes Highlight ist die Todes-Hymne "Unwiederbringlich", das Dirk von Lowtzow solo performt.

Ein ungemein konsistente Band

Als laute "Zugabe!"-Rufe durch die Halle schallen, kehren Tocotronic auf die Bühne zurück und spielen mit "Hi Freaks" ihr vermutlich bestes Lied, wenngleich in einer teilweise etwas holprigen Version. Mit "Explosion" geht das Konzert nach knapp mehr als 90 Minuten zu Ende. 

Tocotronic sind keine Band für jedermann, aber ihre Fans wissen, was sie an ihnen haben. Sie erlebten eine Band, die noch nie so ausgewogen, so gut, so konsistent klang. Im fünfundzwanzigsten Jahr der Bandkarriere ist das keine kleine Leistung.

Setlist 

Die Unendlichkeit / Electric Guitar / Let There Be Rock / Drüben auf dem Hügel / Wie wir leben wollen / Kapitulation / Ich lebe in einem wilden Wirbel / Die Grenzen des guten Geschmacks 2 / Aber hier leben, nein danke / Ich bin viel zu lange mit euch mitgegangen / Hey Du / This Boy Is Tocotronic / Unwiederbringlich / Zucker / Sag alles ab / Macht es nicht selbst / Das Geschenk / Alles was ich immer wollte war alles // Hi Freaks / Letztes Jahr im Sommer / Explosion

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