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Guns N' Roses (live in Hannover,2017) © Christian Grube

Guns N' Roses geben auf dem Messegelände in Hannover ihr zweites Deutschlandkonzert seit 23 Jahren - und es droht im Chaos zu versinken. Als das Konzert dann fortgesetzt wird, geschieht Denkwürdiges.

Was macht Konzerte legendär? Meist sind es musikalisch denkwürdige Momente, manchmal auch äußere Einflüsse – und manchmal auch beides! Das zweite Deutschlandkonzert von Guns N' Roses ist ohne Frage eine dieser Shows, von denen viele noch ihren Enkeln erzählen werden. 

June Rain

Heiß, heißer, noch heißer – so versprach es der Wetterbericht für das Konzert auf dem Messegelände in Hannover. Doch dann die Ernüchterung: Für den Abend warnt der Deutsche Wetterdienst vor starken Gewittern mit Sturmböen und Hagel. Bereits am Nachmittag ziehen Regenschauer über Norddeutschland und sorgen für zahlreiche Schäden. Der Veranstalter steht im regen Austausch mit dem Wetterdienst und will das Konzert auf jeden Fall durchziehen.

Der erste Schauer trifft das Gelände gegen 19:30 Uhr. Killing Joke aus Großbritannien stehen auf der Bühne, lassen sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen. Die Band um Jaz Coleman spielt vorwiegend ihr aktuelleres Material, was mit ihren New Wave-Anfängen nicht viel gemein hat. Drückende Gitarren unterlegt mit Elektroflächen sorgen für erste Akzente, die der Ex-Motörhead Gitarrist Phil Bates mit seiner Gruppe "The Bastard Sons" nicht ganz erreichen kann. Der einzige Song, der vom Publikum wirklich gefeiert wird, ist "Ace of Spades".

Das Unheil naht

Guns N' Roses sind für 20:15 Uhr angekündigt, betreten schließlich um 20:30 Uhr unter großem Jubel die Bühne. Mit dem bekannten Trio "It's so Easy", "Mr. Brownstone" und "Chinese Democracy" beginnt die Tour quer durch die Bandgeschichte. Hinter der Bühne ziehen unterdessen dicke Wolken auf. Das Bild erinnert stark an die "Ghostriders in The Sky"-Szene aus Blues Brothers 2000 und verheißt nichts Gutes.

Slash setzt gerade zum Intro von "Welcome to the Jungle" an, als Duff McKagan ihm signalisiert, aufzuhören. Stefan Frech, Moderator bei NDR2, betritt die Bühne und bittet das Publikum die nahegelegenen Messehallen aufzusuchen. Was dann geschieht, sorgte für einen dieser legendären Momente. Nachdem das Publikum sehr gesittet in die Messehallen geht oder unter den Bierwagen Schutz sucht, geht ein Regenguss, der seines Gleichen sucht, auf das Gelände nieder.

Ein Meteorologe berichtet regioactive.de, dass an einer Wetterstation in der Nähe der Messe 31l Regen pro m² fielen – fast die Hälfte des Monatsdurchschnitts. Auf der Bühne wird emsig alles gesichert, die Boxen heruntergefahren und abgewartet. Nach 30 Minuten informiert der Veranstalter das Publikum, dass das Konzert um 22:00 Uhr weitergehen soll.

Volle Power

Mit der für Guns N' Roses typischem Verzögerung geht es um 22:20 mit "Welcome to the Jungle" weiter. Die Stimmung, die während der Warterei am Tiefpunkt war, steigt merklich wieder an. Die Band versucht, die Zwangspause zu überspielen – und das gelingt ihr mit einer entfesselnden Show.

Das Set ähnelt bis "Live and Let Die" dem Münchner Konzert. Aber dann folgt die Sensation. Axl wendet sich an das Publikum und dankt für das Ausharren während des Regens. Dann wird es ganz still, als Axl ruft: "Please welcome Mr. Angus Young". Die Zuschauer blicken sich irritiert an "Wie jetzt? Angus? Hier?". Es folgen tosender Applaus und "Whole Lotta Rosie", danach "Riff Raff". Man kann ja zu Axl Rose stehen wie man will, aber "Axl/DC" waren eine geniale Entscheidung – und jetzt steht der AC/DC-Gitarrist bei Guns N' Roses auf der Bühne. Ein denkwürdiger Moment!

Take me down...

Dann folgt das erwartete Greatest Hits-Programm. Mit Slashs Gitarrensolo setzen Guns N' Roses zum finalen Schlag an. Dass der Gitarrist sein ikonisches Intro zu "Sweet Child 'o Mine" etwas verhaut – geschenkt. Es ist eben Slash. In Zürich wurde ihm vorgeworfen, etwas zu routiniert zu wirken. In Hannover hinterlässt er nicht diesen Eindruck, was vielleicht auch an dem Gastauftritt von Angus Young und der erzwungenen Pause lag.

Ein Hit jagt nun den nächsten. "My Michelle", "November Rain", "Knocking on Heavens Door" (endlich wieder im "Use Your Illusion"-Arrangement), "Nighttrain". Man kann darüber streiten, ob "Black Hole Sun" wirklich nötig ist. Sicher haben sich Guns N' Roses inzwischen in den Song hineingefunden, doch hätten sie an dessen Stelle vielleicht besser "Patience" gespielt.

Feuer frei!

Gab es in München noch ein baubedingt kleineres Feuerwerk zu "Paradise City", feuerten sie in Hannover aus allen Rohren. Inzwischen ist es 01:15 Uhr! Nach gut 3 Stunden Konzert sind die meisten Zuschauer einfach nur noch fertig und glücklich. Dass es so lange ging, ist dem Oberbürgermeister von Hannover zu danken, der eine Sondergenehmigung erteilte.

Es stellt sich allerdings die Frage, ob die Sicherheitsvorkehrungen nicht ein wenig übertrieben sind. So dürfen einige Zuschauer nicht einmal ihre Fishermen's Friend oder einen leeren Jutebeutel mit auf das Gelände nehmen.

Alles in allem allerdings ein Konzert, dass den Zusatz "legendär" in jedem Fall verdient: der Regen, der Auftritt von Angus Young und die Tatsache, dass Guns N' Roses kein verkürztes Set spielen, was zu Zeiten von "Use Your Illusion" noch undenkbar gewesen wäre. Selbst bei der Band hat der Abend Eindruck hinterlassen:

It's So Easy / Mr. Brownstone / Chinese Democracy / Welcome To The Jungle / Double Talkin' Jive / Better / Estranged / Live And Let Die / Rocket Queen / Whole Lotta Rosie / Riff Raff (beide mit Angus Young) / You Could Be Mine / New Rose / This I Love / Civil War / Coma / Johnny B. Goode / Speak Softly Love / Sweet Child O' Mine / My Michelle / Wish You Were Here / November Rain / Knockin' On Heavens Door / Black Hole Sun / Nighttrain // Don't Cry / The Seeker / Paradise City

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