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David Garrett (live in Mannheim, 2016) © Akis Konstantinidis

Von David Garrett kann man halten was man will - die einen nennen ihn den genialen Teufelsgeiger, die anderen bezeichnen ihn als David Hasselhoff der Klassik - doch eines muss man ihm lassen: er schafft es sein Riesenpublikum zu begeistern und ihm ein kleines Einmaleins an Musikerziehung mitzugeben.

Das David Garrett auch ohne viel Schnickschnack kann, hat er bereits oft genug bewiesen, zuletzt im Mai auf seiner Recital-Tour. Mit seinem aktuellen Album "Explosive" sucht er jetzt aber wieder größere Stadien auf, große Show inklusive.

Wechselbad der Gefühle

David Garretts Talent kann wohl auch ein Laie kaum verkennen. Wenn der Mann sein Instrument bedient, kann man nicht umhin, beeindruckt zu sein. Die Stücke, die er spielt sind mal ruhig, mal rockig und laut, mal fröhlich poppig, und haben immer einen gewissen Wow-Effekt.

Wie er sein Instrument beherrscht, ist atemberaubend, bei Songs wie "Let It Go" aus Disneys Frozen oder "Viva La Vida" und "Fix You" von Coldplay bekommt wohl jeder eine Gänsehaut, und mit dem Titelsong von "Ghostbusters" gewinnt er auch die Nerds im Publikum für sich. Ein Lachen kann selbst ich mir nicht verkneifen.

Alle Register gezogen

Mit Songs wie "Kashmir" von Led Zeppelin, "Lose Yourself" von Eminem oder "They Don’t Care About Us" von Michael Jackson bringt er ein paar absolute Highlights der Show, sein Prince-Cover "Purple Rain" sorgt abermals für Gänsehaut. Musikalisch ist das alles top, ich kann nicht anders als begeistert zu sein und euphorisch vom Konzert in Richtung Bahn zu stolpern.

Doch die Show drumherum erfreut mein Zyniker-Herz. Es sind die Kleinigkeiten, die den durchschnittlichen Fernsehgarten-Zuschauer wohl einfach erfreuen können, mich jedoch skeptisch zurück lassen.

Von Riesenmarshmallows und Feuerspielchen

Was genau macht das Riesenmarshmallow da? Achso, Ghostbusters, ich verstehe, ein Geist. Und die Tänzer? Tanzen können sie ja, aber ihnen geht von mal zu mal mehr der Stoff aus, ich würde gerne im Publikum ein paar Kleidungsstücke sammeln, die frieren doch bestimmt. Aber nein, Moment, Feuer! Es wird heiß, heiß, heiß!

Aber nun ja, ein bisschen Funkengestöber und ein paar Feuerspielchen passen nun mal zum ganzen Explosive-Thema, ist ja auch ganz nett anzusehen. Auch die Technik ist extravagant, die Lichter flirren nur so durch die Gegend, es mangelt an keiner Farbe. Und dann ist da noch die 360° Grad-Bühne. Gute Idee, so kriegt jeder was mit vom hübschen David. 

Schleudertrauma

Doch dann dreht sich das Ding. Schon beim Zuschauen wird mir schlecht, wie sich die Musiker auf der Plattform fühlen, will ich gar nicht erst wissen. Und dann das Finale vor der Pause.

Eine kleine Plattform schraubt sich in die Höhe, der Teufelsgeiger geigt sich schwindelfrei durch "Purple Rain", ich habe einfach nur Angst, dass er selbst lila von der Plattform runterregnet. Aber zum Glück geht alles gut, wir werden heil in die Pause entlassen.

Erste und letzte Liebe

Doch der schwarzen Zyniker-Seele zum Trotz ist die Show ein voller Erfolg. Denn eines kann man nicht verkennen: David Garrett ist ein Ausnahmetalent, es macht einfach Spaß ihm zuzusehen, er lebt für seine Musik, und sein Instrument. John Miles' "Music" zum Finale bringt genau das zum Ausdruck.

Eine bekannte Zeile lautet: "Music was my first love, and it will be the last". Das klingt kitschig, aber Garrett kaufe ich es ab. Letztendlich ist es das, was alle hier im Publikum verbindet. Die Begeisterung für die Musik.

Hut ab!

Dem Geiger gelingt mit seiner Crossover-Musik aus Klassik und Pop noch etwas: er bringt den Leuten ein Stück Musik bei. Zwischendurch stimmt er bekannte Lieder der Klassik an, von Beethoven, Mozart und Tchaikovsky, die dieses Publikum vielleicht ansonsten nicht hören würde. Oder er erzählt vom begnadeten Gitarristen Django Reinhardt, auch ein Künstler, mit dem die Zuschauer sich so vielleicht nicht auseinandersetzen würden.

Seien wir ehrlich, welcher Musiker schafft es sonst, ein Publikum in der nahezu ausverkauften SAP Arena mit einer Mischung aus Disney, Rage Against The Machine, Eminem, Coldplay, Michael Jackson, Prince, Paul McCartney und all den anderen so begeistert zurückzulassen? Das kann ihm so schnell keiner nachmachen. Die Klischees wären nicht nötig gewesen, aber unterhaltsam war es allemal.

Setlist

This Is What It Feels Like / Dangerous / Superstition / Viva La Vida / Let It Go / Kashmir / Ghostbusters / Piano Concert / Furious / Marathon / Adventure Island / Explosive / Purple Rain / / Pause / / Summer / Neh Na Na Na / Live And Let Die / You’re The Inspiration / Zorba / Loose Yourself / Midnight Waltz / Odd Measures / Fix You / Prelude Duel / How Many Times / Killing In The Name Of / The Don’t Care About Us / Music / One Moment In Time

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