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Romano (live in Weinheim, 2016) © Johannes Rehorst

Romano hat einen interessanten musikalischen Werdegang hinter sich und sorgt seit einiger Zeit in der Rapszene für Aufruhr. Das schlägt sich auch im rappelvollen Café Central in Weinheim nieder. Dicht gedrängt wollen Menschen verschiedenster Altersgruppen einen Blick auf die kuriose Kunstfigur werfen.

Ihr wollt HipHop so wie früher? Das wird wohl nichts mehr. Die deutsche Rapszene war noch nie so bunt, experimentell und schlichweg seltsam wie jetzt. Romano scheint wie die letzte Konsequenz dieser Entwicklung zu sein und bricht endgültig mit allen Vorstellungen und Erwartungen, die von der guten alten Zeit des Deutschrap noch übrig sind.

Romano ist der schlaksige Typ mit Putinface und blonden, feingeflochtenen Zöpfen, der über seine Metalkutte rappt und einen Hang zum Schunkelschlager und zu Drum 'N' Bass hat. Goldene Bomberjacke und weiße Sneakers und fertig ist die vermeintliche Kunstfigur.

Entspannter Paradiesvogel

Bei einem so exzentrischen Äußeren gelingt die Bühnenpräsenz ganz von selbst. Doch das reicht Romano nicht: als Einstieg stimmt er "Der Schöne General" an und animiert das Publikum diesem zu salutieren. Der schöne General ist natürlich Romano selbst. "Dominant, aber immer charmant", wie uns der Liedtext verrät. Schnell werden Romanos Leidenschaften und Einflüsse klar: die astreine Schlager-Bridge des Songs verblüfft vor allem dahingehend, dass sie sich so nahtlos einfügt und von Romano mühelos vorgetragen wird. Das ist nicht das einzige Mal, dass die Liebe zum Schlager durchkommt.

Romanos Ansagen zwischen seinen Liedern klingen immer so galant und freundlich, als würde er gerade im ZDF-Fernsehgarten Mittsechziger erquicken. Bei "Romano und Julia" holt er eine Julia aus dem Publikum auf die Bühne und besingt sie in bester Oli P.-Manier. Danach rappt er, dass man doch lieber die Banken abbrennen sollte, Fakedollar-Regen inklusive. Das Publikum ist amüsiert und macht nach anfänglichen Startschwierigkeiten kräftig mit. Highlights sind hierbei "Metallkutte" und "Klaps auf den Po", besonders letzteres sorgt für Laune und Romano belohnt den ein oder anderen Fan mit einem liebevollen Klaps.

Zwischen Genie und Schwachsinn

Romano ist nicht der beste Rapper und die verschiedenen Musikeinflüsse können überladen wirken, wobei sich hier auch die Frage stellt: Ist er trashig oder spielt er nur mit Trash? Romanos Appeal rührt vor allem daher, dass er sich konsequent jeder Einordnung entzieht. Ist er nun ein Klamaukrapper? Dazu hat er zu viele Ecken und Kanten und ist nicht eingängig genug. Ist er ein Satiriker? Hier und da bestimmt, aber manches wirkt perplexerweise so authentisch, als dass es nicht ernst gemeint sein könnte. Ein Gesellschaftskritiker? Vielleicht ein wenig, aber ohne erhobenen Zeigefinger und ohne politische Agenda.

Romano spielt etwas mehr als eine Stunde und hält sein Publikum ebenso lange gebannt. Im Laufe des Abends steigert sich die Stimmung und Romano sorgt für Ausgelassenheit im heißgelaufenen Café Central. Die Leute feiern ihren bezopften Helden und der scheint sein Publikum ebenso hart zu feiern. Dieses atmosphärische Spiel zwischen Rapper und Publikum lodert bei den drei Zugaben auf - insbesondere beim schwitzigen "Sextrain". Danach ist Schluss, Romano verbeugt sich mehrfach wie nach einem Theaterschauspiel. Performancekünstler, diese Kategorie passt noch am besten.

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