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King Dude (live in Frankfurt, 2016) © Johannes Rehorst

King Dude alias Thomas Jefferson (TJ) Cowgill hat sich spätestens mit seinem letzten Album "Songs of Flesh and Blood – in the Key of Light" vom Geheimtipp zum Publikumsliebling gemausert. Im Bett in Frankfurt zeigt er weshalb.

Eine Metapher fällt in Rezensionen und Berichten über King Dude des Öfteren: Er sei eine Art Johnny Cash aus der Hölle. Tatsächlich sieht sich TJ Cowgill auf den Country-Übervater angesprochen selbst eher augenzwinkernd als "Johnny Credit" und den Man in Black als einzigen Vergleich heranzuziehen, hinkt tatsächlich etwas.

Düster, aber nicht unnahbar

Leonard Cohen und Nick Cave wären ebenso geeignete Paten wie Glenn Danzig oder Mike Ness von Social Distortion. Der Sound von King Dude bewegt sich zwischen melancholischem Dunkel-(Neo)-Folk, dezent kitschigen Düsterballaden, bluesigem Americana und Coldwave. Das Spiel mit esoterischer Runenoptik, der Flirt mit dem Satanismus und eine dezente Rockabilly-Optik ergeben eine Melange, die das Düstere der Musik noch unterstreicht.

"Songs of Flesh and Blood..." steht aktuell am Ende einer Evolution, im Zuge derer sich Cowgill zusehends von den immer zitierten Vergleichen löst – mit Erfolg, lässt sich wohl sagen. Live hingegen ist der Mann schon immer ein Unikat. Er ist weder ein depressiver Trauerkloß, wie einige Songs durchaus vermuten ließen, noch ein aggressiver Finsterling, wie manche Gerüchte über die unsanfte Behandlung dauerquatschender Zuhörer glauben machen wollen.

Maximale Wirkung

Stattdessen präsentiert sich Cowgill im Frankfurter Musikclub Das Bett als grundsympathischer Typ, der sich selbst nicht immer allzu ernst nimmt, immer wieder das Gespräch mit dem Publikum sucht und sich auch nicht durch den einen oder anderen Kommentar von Zuschauern aus der Ruhe bringen lässt. Von Frankfurt kenne er bislang außer dem Bett nur den Flughafen, und der sei die Hölle, erzählt er in einer der kleinen Pausen zwischen den Songs. Das Publikum, bunt gemischt vom Kuttenträger bis zum Neofolk-Uniformisten, quittiert das mit Gelächter.

Begleitet wird Cowgill auf der aktuellen Tour von seinen "Demon Brothers" Torsten Larson an Keyboards und Gitarre und August Johnson am Schlagzeug. Und mehr als die beiden gar nicht dämonisch wirkenden Begleiter braucht es auch gar nicht, um die Songs, einer Auswahl aus den bislang veröffentlichen Alben, live ins rechte Licht bzw. den rechten Ton zu setzen. Cowgills knarziger Bariton, mit dem er sich durch das Set croont, steht in Sachen Abgründigkeit den Untiefen seiner Lyrics in nichts nach, die perkussiven Elemente, das präzise Drumming, gelegentliche Chöre und flächige Synthesizer-Sounds erzielen auf minimalistische Art und Weise den maximalen Effekt.

Wunschkonzert im zweiten Teil

Nach einem ersten Block als Trio schleichen sich die Co-Musiker dann von der Bühne, um dem Meister das Feld für den zweiten Teil des Konzerts ganz alleine zu überlassen. Den bestreitet Cowgill nur mit seiner goldenen Gretsch, seinem Killer-Bariton und einem Glas Whiskey, das er zwischen den Songs in tiefen Zügen leert. "I‘m your little monkey, singing and dancing for you, so what do you wanna hear?" fordert er seine Zuhörer scherzhaft zum Wunschkonzert auf, das der Aufforderung gerne nachkommt.

Zwar zeigt er sich dann doch etwas wählerisch, was die Erfüllung der Wünsche angeht ("No", "not that", "won’t play this"), aber die Songs, für die er sich erwärmen kann, passen genau in den Rahmen des Abends. "Silver Crucifix" vom aktuellen Album, zum Beispiel, "Barbara Anne" oder "Maria" wirken live zwar fragil, aber gleichzeitig auch roh, ungeschliffen und authentisch. Nebenbei erfährt man, wovor selbst der hartgesottene Sänger Angst hat: Vor seinem Schlagzeuger nämlich ("I think he’s a serial killer").

Leuchtend schwarzer Abschluss

Der und sein dämonischer Bruder an den sechs Saiten kommen dann auch wieder auf die Bühne zurück, um noch einmal fulminant durchzustarten mit einem zweiten Full-Band-Set, das mit einem wunderbar düsteren "Jesus in the Courtyard" beginnt: "Jesus in the Courtyard telling lies … Satan’s in the cornfields starting fires".

"Fear is all you know" gerät zum schweißtreibenden Stampfer und ist sicherlich eines der Highlights des Abends. Cowgill knurrt, bellt und brüllt dabei in sein Mikrofon wie ein finsterer Priester und mit "Miss September" packen der Dude und seine Dämonenbrüder dann zum Finale tatsächlich noch einen Ohrwurm erster Güte aus, der sich live als lupenreiner Pop-Song in die Gehörgänge mogelt, zum Mitsingen animiert und wohl noch tagelang durch die Köpfe der Anwesenden geistern wird.

Ein bescheidenes "God bless you", steht am Ende des Abends, eine Zugabe gibt es nicht, aber eigentlich ist die auch gar nicht notwendig. Die Messe ist gelesen, die Gläubigen erleuchtet.

Die Opener zum Schluss

Nicht unerwähnt bleiben sollte auch die erste Band des Abends: Dolch. Die fanden sich nicht nur im Nachgang vom King höchstselbst in den höchsten Tönen gelobt, sondern verdienten sich diesen Ritterschlag im Vorfeld redlich. Fünf Männer und Frauen, in die Anonymität von Kapuzen und Nebel gehüllt, spielten sich und das Publikum mit einer Mixtur aus Shoegaze, Ambient und Black Metal in meditative Trance und bereitete so den idealen Nährboden für TJ Cowgill & Co.

Die Mischung aus Drones und massiven Gitarrenwände kombiniert mit klarem, weiblichen Gesang und gelegentlicher männlicher Unterstützung ist in der Tat spannend und innovativ und sei Fans genannter Musikrichtungen wärmstens ans Herz gelegt.

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