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KISS (live in Hamburg, 2015) © Falk Simon

Großes Rock-Kino vor halbleeren Rängen: In Berlin setzen sich Kiss ein weiteres Live-Denkmal. Mit reichlich Feuer, Nebel und Pyro-Allerlei im Gepäck feiern die Kabuki-Rocker ihr 40-jähriges Bandjubiläum.

Als aufmerksamer Begleiter der Kiss-Historie habe ich die Mannen um Schlabberzunge Gene Simmons nun schon diverse Male live gesehen. Bis auf zwei Shows (Schweinfurt, 1988 und Donington, 1996), immer in Berlin. Waldbühne, Velodrom, o2 World: Ich war überall. Ich stand auch gestern wieder vor den Toren der größten Berliner Multifunktionshalle.

Und ich muss sagen: Kiss und Berlin: Das ist irgendwie eine Geschichte für sich. Sicher, niemand erwartet bei einer Band wie Kiss, dass die Halle bereits bei der Vorband (Dead Daisies) aus allen Nähten platzt – Kiss-Fans sind bekanntermaßen Support-resistent. Wenn man allerdings pünktlich zum "You wanted the best, you got the best"-Kick-Off immer noch in einer halbleeren Halle steht, dann kratzt man sich schon verwundert am Kopf.

Bombast-Kino vor halbleeren Rängen

Bereits vor fünf Jahren mussten an gleicher Stelle die kompletten Oberränge mit großen schwarzen Planen verdeckt werden. Knapp 7000 Fans standen der Band an jenem Abend treu zur Seite. Gestern dürften es nicht viel mehr gewesen sein. Am Abend zuvor in Hamburg zählten die Veranstalter noch weit über 11.000 Besucher. Und die bekamen auch ordentlich was geboten – ebenso wie die Fans in Berlin.

Feuer, Rauch, Böller, Konfetti: Die Maskenmänner aus Übersee fuhren mal wieder alles auf, was die Band in den vergangenen 40 Jahren zur wohl größten ihrer Zunft werden ließ. Das Ganze natürlich Neuzeit-optimiert. Sprich: Neben klassischen Bombast-Gimmicks wie Feuersäulen, Hydraulik-Podesten, Kunstblut und Gitarren-Raketen, protzte die Band auch mit überdimensionalen LED-Wänden und einer Laser-Show, bei der sogar Luke Skywalker begeistert in die Hände klatschen würde.

Auch musikalisch ließen Paul Stanley, Gene Simmons, Tommy Thayer und Eric Singer nichts anbrennen. Klassiker wie "Detroit Rock City", "Deuce" oder "Shout It Out Loud" haben zwar nicht mehr den kratzbürstigen Vibe wie zu 70s-Zeiten. Zum freudigen Mitwippen und gelegentlichem Fäuste-in-die-Höhe-recken reicht es aber allemal.

Die nächste Kiss-Army-Generation steht in den Startlöchern

Was gibt es sonst noch zu berichten? Bis auf "Hell Or Hallelujah" schaffte es kein aktueller Song der Band auf die Setlist. Dafür gab es mit "Creatures Of The Night", "I Love It Loud" und "War Machine" gleich drei Songs aus der härteren 80s-Kiss-Phase auf die Ohren.

Die vielen langhaarigen Kuttenträgern unter den Fans freute es. Die vielen kleinen Kids hingegen, die mit Kopfhörern auf den Ohren und auf dem sicheren Schoße von Mami oder Papi sitzend, große Augen machten, blühten vor allem während der eingängigen Momente des Abends auf. "Do You Love Me", "Love Gun", "I Was Made For Loving You" "Rock And Roll All Night": Das scheint eher der Sound der Next-Kiss-Army-Generation zu sein.

Kunterbunter Abenteuerspielplatz

Die meisten der 6 – bis 12-Jährigen wären sicherlich gerne auch noch etwas länger in der Halle geblieben. All das viele Konfetti, der Nebel und die dutzenden ins Publikum geworfenen Gitarren-Plecs verwandelten die Location in einen kunterbunten Abenteuerspielplatz. Doch nach knapp 100 Minuten war Schicht im Schacht. Aber es reichte irgendwie auch.

Man soll ja bekanntlich aufhören, wenn es am schönsten ist. Und eine Live-Präsentation von "Rock And Roll All Night" kann man nun mal nicht mehr toppen. Ergo: Kinder an die Hand, raus aus der Halle und ab nach Hause ins Bett. Und, liebe Kinder: Schön in der Schule davon berichten, wie toll der Abend war. Dann platzt die o2 World beim nächsten Kiss-Spree-Gastspiel vielleicht doch nochmal aus allen Nähten.

Setlist

Detroit Rock City / Deuce / Psycho Circus / Creatures of the Night / I Love It Loud / War Machine / Do You Love Me / Hell or Hallelujah / Calling Dr. Love / Lick It Up / Bass Solo / God of Thunder / Parasite / Love Gun / Black Diamond // Shout It Out Loud / I Was Made for Lovin' You / Rock and Roll All Nite / God Gave Rock 'n' Roll to You II

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