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Bezwingt Planeten sogar in Offenbach: Nick Cave © Leonard Kötters

In der ausverkauften Stuttgarter Liederhalle stellt Nick Cave alle Facetten seines Könnens unter Beweis - und wird vom Publikum frenetisch gefeiert. Zu Recht, denn sein Auftritt ist stimmig von Anfang bis Ende.

Oder jedenfalls fast von Anfang zu Ende. Das großartige "Water's Edge" geht im Dröhnen der Soundanlage unter, während "The Weeping Song" in einem neuen Arrangement seine schunkelige Melodie und damit auch einen Teil seiner Faszination verliert.

Das Publikum in der komplett bestuhlten Liederhalle sieht darüber hinweg. Die Stimmung ist vom ersten Ton an grandios, so dass es nur einen Anlass braucht, um die Zuschauer zum Bühnensturm zu bewegen. Diesen liefert Nick Cave selbst, als er bei "Red Right Hand" plötzlich vom Klavier aufsteht und die Hand erhebt.

Der Dompteuer und sein Publikum

Das ist das Zeichen, auf das offensichtlich alle gewartet haben. Viele Zuschauer eilen zur Bühne, der Rest erhebt sich von seinen Plätzen und klugerweise unternimmt niemand den Versuch, sie aufzuhalten. Nick Cave hat sein Publikum von jetzt an nahe bei sich.

Wie ein Dompteur nähert sich Nick Cave den Zuschauern, die die Bühne umlagern, kniet sich nieder, streckt seine Arme aus, ergreift die Hände der Fans. "If you want, take my photograph", raunt er ins Mikrofon und kurz hinterher: "And if you want you can put the fucking cameras away". Das Publikum gehorcht mehrheitlich.

Alle Seiten von Nick Cave

Trotz der grenzenlosen Begeisterung agiert das Publikum respektvoll, fast ehrfurchtsvoll. In den ruhigen Songs hätte man im Saal die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören können. So kann Nick Cave den gesamten Saal mit seiner wunderbaren Soloversion von "The Ship Song" bezaubern. Viele seiner ruhigen Lieder spielt er mit nur minimaler Begleitung am Klavier: "Into My Arms", "The Mercy Street", "People Ain't No Good" – allesamt herausragende Performances.

Aber schon "Red Right Hand" deutet an, dass dies kein Abend des gepflegten Wohlklangs wird. Cave ist ein Meister darin, die Dynamik der Musik zu variieren und dadurch ein abwechslungsreiches Konzerterlebnis zu schaffen. Dazu gehört "Higgs Boson Blues", ein gewaltiges Monument von einem Song, das den Saal erzittern lässt.

Ein eigenes musikalisches Universum

Leidenschaft und Ekstase sind ein essentieller Bestandteil von Nick Caves Musik. "From Her To Eternity", "Up Jumped The Devil" und "Tupelo" sind Beispiele für den wilden, ungezügelten Teil seiner musikalischen Persönlichkeit.

Nick Caves Bühnenpersönlichkeit ist bemerkenswert: Wenige Sänger besitzen die Gabe, selbst im wildesten Ausbruch so erhaben zu wirken, so elegant über die Bühne zu tänzeln und dabei trotz aller Leidenschaft nie den Fokus zu verlieren. Kein Wunder, dass Vergleiche mit einem Priester oder einem Schamanen an der Tagesordnung sind.

Natürlich hilft ihm dabei seine exzellente Band um seinen langjährigen musikalischen Partner Warren Ellis, die zu jeder Zeit alle Nuancen von Nick Caves Musik wiederzugeben vermag. Nick Cave hat sich sein eigenes musikalisches Universum erschaffen. Das ist eine Leistung, die nicht hoch genug einzuschätzen ist.

Setlist

Water's Edge / The Weeping Song / Red Right Hand / Brompton Oratory / Higgs Boson Blues / Mermaids / The Ship Song / From Her to Eternity / Stranger Than Kindness / Love Letter / Into My Arms / West Country Girl / Tupelo / Black Hair / The Mercy Seat / Jubilee Street // We No Who U R / People Ain't No Good / Jack The Ripper / Up Jumped the Devil / Push the Sky Away

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