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AnnenMayKantereit (live in Karlsruhe, 2015) © Jannik Rulitschka

Wenn eine deutsche Band in den letzten Monaten einen kometenhaften Aufstieg hingelegt hat, dann ist es das Kölner Trio AnnenMayKantereit. In der komplett ausverkauften Alten Feuerwache in Mannheim zeigt sich warum.

Noch vor ein paar Monaten waren AnnenMayKantereit ein absoluter Geheimtipp, jetzt müssen sogar schon Konzerte in größere Halle verlegt werden, um die zahlreichen Fans unterbringen zu können.

Vor 1000 Zuschauern in der Alten Feuerwache in Mannheim zeigte die Band, dass der Erfolg vollkommen verdient ist. Es sind vor allem Studenten gekommen, aber auch ältere Besucher sind unter den Konzertbesuchern vertreten.

Pünktlicher Anfang

Ganz pünktlich geht es dann auch los mit der Vorband. Waren in Karlsruhe noch Pink Lint als Support dabei, steht heute Rekk auf der Bühne. Oder besser gesagt: Ein Fünftel Rekk. Sänger Matti muss heute nämlich auf den Rest der Band verzichten und alleine den Auftakt des Abends gestalten.

Das gelingt ihm auch wirklich gut. Denn bei der Masse an Singer/Songwritern und Folk- und Popbands, die im Moment überall aus dem Boden schießen, ist es gar nicht so einfach, hervorzustechen, Rekk allerdings überzeugt mit soliden Songs und einer Stimme, die ein bisschen an Ben Howard erinnert. Spätestens beim Cover von Chris Isaaks "Wicked Game" hat er auf jeden Fall den weiblichen Teil des Publikums voll und ganz eingenommen.

Die Stimme von jenseits des Alters

Nach einer längeren Umbaupause betreten Christopher Annen, Henning May und Severin Kantereit ohne viel Schnickschnack die Bühne. Sie werden unterstützt von Malte Huck, dessen Bass im Verlauf des Konzerts mächtig durch die Halle dröhnt.

Als Henning dann die ersten Zeilen mit seiner Reibeisenstimme singt, die man eigentlich so gar nicht von diesem jungen Kerl erwarten würde, ist das Publikum schon voll und ganz dabei. Gute Laune ist da garantiert, ausgelassenes Tanzen sowieso. Dass man der Band dann auch noch ansieht, welchen Spaß sie auf der Bühne haben, macht das Ganze nur noch besser. 

Lakonisch, praktisch, gut

Doch nicht nur Hennings Stimme und sein lakonischer Humor machen den Reiz der Band aus. Die mit mehr als nur einem Hauch von Zynik und Sarkasmus beladenen Texte arbeiten geschickt mit Brechungen und Wiederholungen, die ein Liebeslied kurzerhand in ein Anti-Liebeslied verwandeln.

Manchmal scheinen die vier Musiker gar nicht glauben zu können, was ihnen da wiederfährt. So fällt Henning May gelegentlich aus seiner Rolle, des toughen Kerls mit dem Pokerface, wenn ihm ein Lächeln übers Gesicht huscht. Kein Wunder, gerade gegen Ende steigert sich der Enthusiasmus der Zuschauer zu gewaltigem Jubel.

Altes und Neues

Die Band präsentiert an diesem Abend sowohl altes als auch neues Material. Fans müssen nicht auf "James", "Wohin du gehst" oder "Barfuß am Klavier" verzichten, aber auch neue und noch nicht ganz fertige Lieder, bei denen die Band noch ein wenig improvisiert, finden ihren Weg ins Set. Besonders schön ist die Zugabe am Klavier, bei der Henning mit "Oft gefragt", das er als "Liebeslied an seinen Vater bezeichnet" einen Soloauftritt hinlegt. Das Publikum will die Band gar nicht mehr von der Bühne lassen, die "Zugabe!"-Rufe erschallen bis in den letzten Winkel.

Insgesamt zeigt das Trio in der Alten Feuerwache, dass der plötzliche Durchbruch vollkommen zurecht geschehen ist. Mit Liedern über Beziehungen am Abgrund, leere Zimmer, Partys bis spät in die Nacht und den anschließenden Hangover treffen sie die Lebenswirklichkeit des vornehmlich studentischen Publikums. Wer diese Band also jetzt noch nicht kennt, der muss wohl wirklich hinterm Mond leben.

Setlist

Jeden Morgen / James / Es geht mir gut / Bitte bleib / Nicht nichts / Neues Zimmer / Länger bleiben / Pocahontas / Sunny / Das hört sich komisch an / Wohin du gehst / Oft gefragt / Barfuß am Klavier / Schon krass / 21, 22, 23 

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