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OneRepublic (live in Hamburg, 2014) © Falk Simon

Obligatorisches Gepose, ein wortkarger Ryan Tedder, Ansagen aus dem Baukasten: In der Festhalle Frankfurt hauen OneRepublic zwar einen Radio-Hit nach dem anderen raus, bieten aber unterm Strich zu wenig echte Highlights.

Seitdem OneRepublic mit ihrem Nummer-eins-Hit "Apologize" 2007 sämtliche Radiostationen weltweit im Sturm eroberten, ist die Pop-Truppe rund um Frontmann Ryan Tedder nicht mehr aus selbigen wegzudenken.

Hitmaschine

Und selbst wenn OneRepublic ausnahmsweise mal nicht gespielt werden, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass Tedder selbst bei dem ein oder anderen Dauerbrenner seine Finger im Spiel hatte: Maroon 5's "Maps", Adeles "Rumor Has It", Beyonce's "Halo" oder Leona Lewis' "Bleeding Love". Die Liste ist lang. Ryan Tedder kann also vor allem eines: perfekt für's Radio zugeschnittene Popmusik schreiben.

Nichts anderes liefert er mit seiner Band OneRepublic. Das ist keinesfalls negativ zu verstehen. Bei ihrem Konzert in der Festhalle Frankfurt ist deshalb auch der Mitsingfaktor besonders hoch.

Was kommt nach den Hits?

Während die ersten Klänge vom Opener "Light It Up" von der Bühne schallen, ist die Sicht auf die Hauptband des heutigen Abends noch durch einen riesigen, weißen Vorhang beschränkt, der erst im C-Teil des Songs unter umherschießenden Lichtkegeln und Luftfontänen zu Boden fällt. 

Der Bandsound ist zu diesem Zeitpunkt leider noch nicht optimal. Vor allem der Gesang hallt stark nach, was sich wenige Lieder später jedoch wieder normalisiert. Das Konzert hat ein ganz an anderes Problem: OneRepublic bringen ihre größten Hits fast alle zu Beginn des Sets. Und lassen im Anschluss ein riesiges Stimmungsloch entstehen. Da helfen auch keine aufwendige Lichtshow, leuchtend bunte Podeste oder prismenförmige LED-Konstruktionen.

Lagerfeuerromantik

Nach "Something I Need" wird das komplette Konzert stimmungstechnisch runtergefahren. Auf einer kleineren, zweiten Rundbühne performt der US-Sechser alte Songs wie "Good Life" oder "Apologize" sowie eine Hand voll Cover in reduzierten Halbakustik-Versionen.

Ryan Tedder singt sich dabei die Seele aus dem Leib und lässt mit seiner glasklaren Stimme und unzähligen Phrasierungen die Herzen seiner weiblichen Fans höher schlagen. Je schmachtender, desto besser.

Das ist zunächst sehr beeindruckend, wenn man die Range dieses Mannes beachtet. Mit der Zeit wünscht man sich die Jungs aber wieder auf die große Bühne zurück. Erst bei "Counting Stars" steigt die Stimmung wieder.

Große Stimme

Auch wenn Tedder's Bandkollegen einen einwandfreien Job machen – sich hier sogar echte Multitalente befinden – liegt der Fokus ganz klar auf dem Frontmann. Stimmlich kann dieser sich komplett austoben. Bei "Stop And Stare" beendet Tedder selbst den Song, während er sich an der Akustik-Gitarre begleitet. Für "Apologize" wechselt er zum Klavier.

Um seinen Fans "ganz nahe" zu sein, läuft er unter hysterischen Schreien immer mal wieder den Steg entlang, der von der Bühne zum Publikum im Innenraum führt. Dann klatscht er die vorderen Reihen ab oder hält bei Refrains sein Mikro in die Menge. Bei so eingängigen Hooks, wie OneRepublic sie besitzen, bietet sich das auch an. Während "Something I Need" reißt Tedder einem Kameramann seine Kamera von den Schultern und richtet sie gen Innenraum. Die Aufnahmen sind auf einer Leinwand im Hintergrund zu sehen.

Wenig Worte

So sehr Tedder mit seiner Stimme brilliert, kann er als Entertainer nur bedingt überzeugen. Ein großes Manko ist in der Interaktion mit seinem Publikum zu sehen. Die ist zwar vorhanden, doch dadurch dass der 35-jährige außer dem üblichen "Thanks for having us" einem "We love you"– oder der Erwähnung, wie toll es doch ist, dass Deutschland Weltmeister geworden ist – kaum etwas sagt, bleibt die Interaktion unpersönlich.

Keine Anekdoten zu Songs, kein Small-Talk mit dem Publikum. Ryan Tedder ist durch und durch Profi. An die Person dahinter kommt man als Zuschauer nicht ran. Schade! Dabei wäre es so einfach...

Reine Showband

Letztendlich sind OneRepublic keine schlechte Band. Wer die Alben mag, wird mit einem Live-Konzert nicht viel falsch machen, wenn er denn keinen wirklichen Mehrwert erwartet. Ryan Tedder ist nicht nur einer der talentiertesten Songwriter weltweit, sondern auch ein hervorrangender Sänger mit einer beeindruckenden Range in den hohen Lagen.

Und eines ist sicher: Wer ab und zu Radio hört, wird auch in den nächsten Jahren um OneRepublic nicht rum kommen.

Setliste

Light It Up | Secrets | All the Right Moves | What You Wanted | Stop and Stare | Something I Need | Apologize / Stay With Me (Sam Smith cover) | Budapest (George Ezra cover) | Come Home | Good Life (Acoustic) | Spanish Guitar Medley | Counting Stars | Can't Stop | Au Revoir | Feel Again | I Lived || Love Runs Out | What a Wonderful World (Louis Armstrong cover) | If I Lose Myself (Alesso vs. OneRepublic)

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