Neil Young (live in Hamburg, 2013)

Neil Young (live in Hamburg, 2013) © Falk Simon

Nach der Enttäuschung des letzten Jahres nun die Wiedergutmachung: Neil Young begeistert im Mainzer Zollhafen seine Fans mit einem hervorragenden Auftritt. Selbst der Himmel hat ein Einsehen. Der Regen bricht erst nach Konzertende los.

Selten wurden Fans von einem misslungenen Auftritt so kalt erwischt wie auf der letztjährigen Neil Young & Crazy Horse-Tour. Wer hatte schon von einer eingespielten Band, die gerade ein gutes Album veröffentlicht hatte, ein dermaßen langweiligen und uninspirierten Auftritt erwartet?

Ein Jahr später ist alles vergessen, denn Neil Young versöhnt seine Fans im Mainzer Zollhafen mit einem exzellenten, manchmal begeisternden Auftritt. Offiziell handelt es sich nach wie vor um eine Crazy Horse-Tour, aber statt des erkrankten Bassisten Billy Talbot hat Neil Young Rick Rosas verpflichtet. Er versprüht die Aura eines indianischen Medizinmannes, verharrt stoisch auf der Bühne, während sich Poncho Sampedro und Neil Young in ihre Gitarrenposen werfen.

Unten am Fluss

Neu hinzugekommen sind zwei Backgroundsängerinnen, YaDonna West und Dorene Carter, was nicht allen gefällt. Meistens passt die gesangliche Unterstützung aber, nur bei "Cortez the Killer" hätte man auf die Sangeskünste der Damen verzichten können.

Im Mittelpunkt steht aber sowieso die gewohnte Gitarrenmagie von Neil Young. Er eröffnet den Abend mit einer fünfundzwanzigminütigen Version von "Down by the River", die dennoch nie an Spannung und Inspiration verliert. Dazu fangen die Kameras Bilder des Rheins ein – passt ja auch.

Schwergewichte und Obskuritäten

Unzerstörbare Schwergewichte wie das stets bewegende "Powderfinger" oder die langsame, methodische Interpretation von "Cortez the Killer" haben ihren Platz neben einigen Obskuritäten aus dem Backkatalog. Dazu zählt das knackige "Days That Used to Be" (von "Ragged Glory") oder "Barstool Blues" (von "Zuma"). Außerdem rettet er "Name of Love", eines der wenigen brauchbaren Lieder vom schwachen CSNY-Album "American Dream", vor dem Vergessen.

Zwei Themen erweisen sich im Verlauf des Konzerts als zentral: erstens die Liebe, die nicht nur im epischen "Love to Burn" mit dem Ausruf "Take chance on love" ihren Ausdruck findet, sondern auch in der (nicht ganz so) neuen Komposition "Standing in the Light of Love", die die Zuschauer zum Mitsingen und Mitklatschen veranlasst. Mit diesem Lied ist Neil Young mal wieder eine Hymne gelungen!

Liebe und Umwelt

Das zweite Thema des Abends ist Neil Youngs Absicht, die Welt vor der Zerstörung zu retten. Am Eingang verteilen Mitarbeiter kostenlose T-Shirts mit dem Aufdruck "Earth". Ganz zum Abschluss singt Neil Young "Who's Gonna Stand Up and Save the Earth" und fordert die Zuschauer auf, ihren Teil zum Gelingen des Projekts beizutragen. Ja, das ist derselbe Mann, der kurz zuvor das zutiefst desillusionierte und zynische "Rockin' in the Free World" gespielt hat. Aber was wäre Neil Young ohne seine Widersprüche?

Nach den Archives, LincVolt, Pono nun auch noch die Weltrettung als Lebensziel! Viele sind vielleicht nicht mehr übrig aus den "Days That Used to Be". Aber die, die noch übrig sind, haben noch eine Menge vor.

Setlist

Down by the River | Powderfinger | Standing in the Light of Love | Days That Used to Be | Living With War | Love to Burn | Name of Love | Blowin' in the Wind | Heart of Gold | Barstool Blues | Psychedelic Pill | Cortez the Killer | Rockin' in the Free World | Who's Gonna Stand Up and Save the Earth

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