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Van Morrison (live in Stuttgart, 2014) © Dominic Pencz

In der heißen Abendsonne eines schönen Julitages überzeugten Mavis Staples und Van Morrison beim Jazzopen 2014 auf dem Stuttgarter Schlossplatz. Morrison hatte einen guten Tag und spielte Songs aus allen Phasen seiner fünfzigjährigen Karriere. Mavis Staples' stellte davor beeindruckend ihre gewaltige Stimme unter Beweis.

Es ist heiß an diesem Sommernachmittag in Stuttgart beim Jazzopen 2014. Zu behaupten, Nina & The Hot Spots würden das langsam im Schlossplatz eintreffende Publikum aufwärmen, wäre von daher unpassend.

Sie unterhalten mit einer Mischung aus Swing und Rockabilly und verkürzen die Wartezeit bis zum ersten Höhepunkt des frühen Abends, der legendären Mavis Staples. Mit den Staple Singers begann sie bereits 1951 ihre Karriere und zählt damit zu den prägenden Stimmen des Soul und Gospels im zwanzigsten Jahrhundert.

Mavis Staples: Gewaltiges Organ

Auch im Alter von 75 Jahren vermag sie noch immer mit ihrem gewaltigen Organ zu überzeugen, wie sie an diesem Abend wieder beeindruckend unter Beweis stellt. Ob nun Buffalo Springfields "For What It Is Worth" oder "Slippery People" von Talking Heads – in ihrer Interpretation macht Mavis Staples sich die Songs zu eigen.

Begleitet von nur Schlagzeug, Bass und Gitarre sowie drei tollen Backgroundsängern, überzeugt sie das Stuttgarter Publikum. Zwischendurch muss sich Staples setzen, was angesichts der Tatsache, dass die immer noch heiße Abendsonne voll auf die Bühne knallt, mehr als verständlich ist.

Sie beendet ihr Set mit dem Staples Singers Klassiker "I'll Take You There", und spätestens zu diesem Zeitpunkt könnte man sagen, dass das Publikum aufgetaut wäre, würde sich diese Metapher an diesem Tag nicht verbieten.

Soli mit Zeitbegrenzung bei Van Morrison

An den Bierständen bilden sich lange Schlangen und so sind einige nicht rechtzeitig wieder vor der Bühne, als es weiter geht. Zum Aufwärmen singt Vans Tochter Shana Morrison mit der Band "Sweet Thing" von dem legendären "Astral Weeks"-Album. Es wird der einzige Song von diesem Album bleiben, das 2008 erstmalig komplett aufgeführt wurde.

Den Einstieg in Van Morrisons Set bildet "Celtic Swing", bei dem der Mann gleich unter Beweis stellt, wie gut er am Altsaxophon ist. Dass wir uns auf einem Jazzfestival befinden, zeigt auch der Umstand, dass wie üblich in jedem Song mehrere Musiker die Gelegenheit zum Solospiel bekommen, das dann vom Publikum auch immer artig beklatscht werden muss.

Glücklicherweise hat Morrison aber anscheinend ein klares Acht-Takte-Limit vorgegeben, so dass die Soli nicht ausarten, wie es sonst gern im Jazz zu erleben ist.

Gesang und Bluesharp: Makellos

Mit "Open The Door (To Your Heart)" von seiner letzten Platte "Born to Sing: No Plan B" tritt Van Morrison dann erstmals an das Gesangsmikrophon und stellt unter Beweis, das seine Stimme immer noch hervorragend ist. Man hat ihn in der Vergangenheit auch schon manchmal unsauber und nachlässig intonieren gehört, an diesem Abend ist sein Gesang jedoch absolut makellos.

Auch an der Bluesharp hinterlässt Morrison einen erstklassigen Eindruck, insbesondere bei der fantastischen Version von "Baby Please Don't Go". Die zwanzig Songs, die sein Set ausmachen, stammen aus allen Phasen seiner fünfzigjährigen Karriere. Darunter sind auch Lieder, die man selten von ihm gehört hat, wie "John Henry" oder "Lonesome Road".

Aus dem Publikum heraus entsteht auch der Eindruck, dass Morrison die Setlist spontan variiert und seinen Musikern an vielen Stellen Bescheid gibt, welcher Song gespielt werden soll.

Die Temperatur wird komfortabel

Van Morrisons Band ist wie erwartet exzellent, insbesondere Paul Moore setzt am Kontrabass immer wieder Akzente. Musical Director Paul Moran legt nicht nur mit seiner Hammondorgel einen edlen Teppich unter den Bandsound, sondern glänzt auch an Trompete und Flügelhorn.

Der Sound ist hervorragend und auch von der Lautstärke her angenehm abgemischt. Die Temperatur wird langsam komfortabel und die Stuttgarter Zuschauer erleben einen hochklassigen Musikabend .

Einzig der Klassiker "Moondance" überzeugt an diesem Abend nicht, die Interpretation will nicht recht zünden, dafür gibt es mit "Brown Eyed Girl" und dem finalen "Gloria" noch zwei sehr stimmige Versionen seiner großen Hits.

Länger als angekündigt und geplant spielt Van Morrison letztendlich, so dass das Publikum hochzufrieden in den immer noch warmen Sommerabend entschwindet.

Setlist Van Morrison

Celtic Swing | Open the door (to your heart) | Back on top | So quiet in here | Queen of the slipstream | Days like this | Choppin' wood | Rough god goes riding | Baby please don't go | John Henry | The philosophers stone | Lonesome road | Whenever god shines his light on you | Sometimes we cry | Enlightenment | Moondance | Brown eyed girl | In the garden | Help me | Gloria

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