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Klaus Doldinger ist ein gerne gesehener Gast bei Jazz & Joy © Bernward Bertram

Ungefähr 22.000 Besucher sorgten für einen Rekordbesuch bei der diesjährigen Auflage von Jazz & Joy in Worms. Sie erlebten ein vielseitiges Programm aus den Bereichen Pop, Rock, Blues, Soul/Funk und Jazz. Nur ein Aspekt trübte die Stimmung: die Lautstärke. Es war zu leise!

Am Freitag spielte Xavier Naidoo bei Jazz & Joy 2013 ein umjubeltes Sonderkonzert. Parallel dazu eröffneten Klaus Doldingers Passport das reguläre Festival.

Während des Konzerts traten jedoch schon zu Beginn jene Probleme auf, die das ganze Wochenende über für zahlreiche Diskussionen sorgten. Der Sound war schlicht und einfach zu leise. So gingen erstklassig gespielten Songs wie Mandragora ein wenig die Power verloren. Erst nach rund 15 Minuten wurde es besser und dann entfalteten die sieben herausragenden Musiker unter der Führung von Klaus Doldinger am Saxophon ihre ganze Klasse.

Bei der Zugabe kam die Sängerin Saint Lu als unerwarteter Special Guest hinzu. Beide hatten sich erst kürzlich getroffen und Klaus Doldinger hatte sie daraufhin eingeladen, mit seiner Band beim Eröffnungskonzert im Worms zu performen. Mit ihrer stimmlichen Unterstützung geriet die Performance des Klassikers Ain't No Sunshine zum Highlight des Abends.

Kaiserwetter und Massenandrang am Samstag

Bereits am frühen Samstagnachmittag drängten sich nie gesehene Massen vor die Bühnen in der Wormser Innenstadt. So fanden auch die Wormser Lokalmatadoren Stereoswitch mit ihrer harten, unsommerlichen Musik zahlreiche Zuschauer. Die erlebten eine gut aufgelegte Band, die mit einem guten Bandsound und viel Energie ihre laute Rockmusik performte.

Auf dem Weckerlingsplatz spielten derweil Eva Mayerhofer & Band vor einer für den frühen Zeitpunkt erstaunlichen Menschenmenge. Die stimmgewaltige Sängerin mit dem guten Gefühl für Melodien bediente ein Publikum, das gebannt ihren musikalischen Erzählungen lauschte. Parallel spielte Cris Cosmo sein leichtfüßiges Programm auf dem ebenfalls gut gefüllten Platz der Partnerschaft (Auswärtigen besser bekannt als Spielort der Nibelungenfestspiele).

Kurz danach feuerten die aus der Region stammenden Künstler von Deja-Vu vor der Jugendherberge ein regelrechtes Funkgewitter ab. Mit großartigen Songs wie It Must Be You oder How Will I Know und viel Lokaldialekt "In Worms Iss Schäää (schön)" bedienten sie den rappelollen Platz. 

Der Platz der Partnerschaft wird ab 19 Uhr dann zu einem echten Schauplatz der unerwarteten Art. Denn Shantel & Bucovina Club Orkestar präsentieren sich als Band mit vielen Überraschungen. Von kurzen Spaziergängen durchs Publikum über eine Standbildperformance bis hin zum skurilen Entkleidungsakt des Drummers, der sich optisch am Ende als eine Art Graf Dracula im ärmellosen Unterhemd präsentiert, war alles dabei.

Das Grundkonzept zweier Gitarristen, die mit dem Keyboard und dem Schlagzeug den Basissound bilden und dann von drei fantastischen Bläsern mit einer Posaune und zwei Trompetern unterstützt werden, die permanente akzentuierte Highlights setzen, kommt beim Publikum größtenteils riesig an. So mutiert der Sound zu einer Mischung aus Mariachi und Kasatschok, gewürzt mit harten Rockabillyelementen. Leider litt der Auftritt ein wenig unter der Lautstärkebegrenzung – den Ärger darüber brachte Shantel deutlich zum Ausdruck.

Manche etwas jüngeren Zuhörer, die sich von diesem Auftritt teilweise enttäuscht zeigten, hatten danach jedoch Grund zum Feiern. Denn mit Max Herre betrat ein Künstler die Bühne, der die Massen anzog und für die erste Platzsperre wegen Überfüllung an diesem Tag sorgte.

Gemeinsam mit Afrob und seiner Sängerin Grace versuchte Max Herre, die Zuschauer auf eine Reise mitzunehmen. Dabei störte auch hier der viel zu leise Sound, bei dem die Künstler teilweise nicht gut zu verstehen waren. Dennoch wurde der Auftritt von der Mehrheit der Zuschauer mit viel Beifall bedacht und der vordere Bereich der Zuschauerplätze verwandelte sich in eine Bounce and Shake Zone.

Der Sonntag bot weitere Highlights und eine Enttäuschung

Am Sonntag bespielte zunächst Mine den für sie überragend großen Platz der Partnerschaft. Sie selbst gibt offen zu, noch nie vor so einer Kulisse gespielt zu haben. Leider geriet der Auftritt mit nur einer Stunde ein wenig kurz. Ihre lyrischen Texte wurden vom Publikum dennoch beklatscht, ohne jedoch große Beifallsstürme auszulösen.

Für Beifallssstürme und ekstatische Tanzeinlagen sorgte dafür der absolute Überraschungsact des Festivals. We Invented Paris haben nicht nur Paris erfunden, sondern auch in Worms viele neue Freunde gefunden.

Weiterlesen: We Invented Paris, Wallis Bird, Charles Pasi und die Suche nach dem vollen Festivalsound

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Fortsetzung: We Invented Paris haben nicht nur Paris erfunden, sondern auch in Worms viele neue Freunde gefunden.

Die fünf Musiker mit Schweizer Wurzeln spielen elektrisierenden Indiepop, der sich zu immer neuen Spielarten entwickelt. Mit Hyperenergie pumpen sie endlich Leben in das ansonsten eher ruhige Festival. Leider konnten sie die neuen Fans nicht mehr mit ihren gerne gekauften CDs erfreuen, da sie die für zwei Auftritte geplanten Tonträger bereits am Vorabend restlos abverkauft hatten.  

Zum am meisten diskutierten Auftritt des Festivals geriet das Konzert von Wallis Bird. Die irische Sängerin, die auch schon in Mannheim gelebt hat, präsentierte sich sympathisch, mit unorthodoxen Verränkungen und viel Selbstironie. Allerdings kam der teils brachiale Gesang nicht bei allen Zuschauern gut an. Einige fanden es energiegeladen und faszinierend, andere hingegen viel zu unharmonisch und schwach im Sound. 

Zum Rohrkrepierer beim Publikum mutierte der als Highlight angekündigte Sänger Charles Pasi. Der Franzose mit der Mundharmonika blickte zu Konzertbeginn auf einen gut gefüllten Platz, der bei Mitte des Konzerts nur noch rund zu einem Drittel voll war. Da half weder der typische Look des jugendlichen Rebellen noch die Versuche, aus Rock und Soul eine gelungene Mischung zu machen.

Für ein weiteres Highlight des Festivals sorgte am Sonntagabend die Truppe von Fred Wesley & The New JB'S. Die schwergewichtigen Musiker brauchten ein paar Minuten Anlauf, bis sie sich richtig warm gespielt hatten. Dann aber brachen alle Dämme unter dem Zeltdach auf dem Weckerlingsplatz und es strömten permanent mehr Zuschauer heran. Es war eine Funky-Soul Party mit elektrisierenden Einzeleinlagen an Bass, Schlagzeug, Posaune und Trompete. Am Ende standen oder tanzten alle Zuschauer mit Rieseneuphorie und holten Fred Wesley noch zu einer Riesenzugabe mit ordentlich Druck zurück auf die Bühne.

Fazit und Fragen

Eine lobenswerte Neuerung ist das riesige Zeltdach über dem Weckerlingsplatz, durch die der nun teilüberdachte Platz fast eine Clubatmosphäre erhält.

Nicht positiv ist aber die von Künstlern und Zuschauern kritisierte starke Einschränkung der Lautstärke. Nach den ganzen Diskussionen um die Wormser Nibelungenfestspiele in den letzten Wochen und die Lärmbelästigung der Anwohner bei den Proben hat sich die Stadt offensichtlich entschlossen, zur Vermeidung weiterer Streitereien die Laustärke einzuschränken. Darunter leiden aber Stimmung und musikalische Darbietung, so dass den Verantwortlichen nahegelegt sei, diese Entscheidung zu überdenken.

Man kann die lärmgeplagten Anwohner verstehen. Aber nicht Jazz & Joy ist das Problem, sondern die Nibelungenfestspiele, die mehrere Wochen für eine erhöhte Lärmbelästigung sorgen, während Jazz & Joy nur drei Tage dauert. Die Festivals gegeneinander auszuspielen, kann in niemandes Interesse liegen, daher muss das Ziel darin bestehen, nach Möglichkeiten zu suchen, die Nerven der Anwohner nicht überzustrapazieren.

Es wäre bedauerlich, wenn Jazz & Joy unter diesem Konflikt leiden würde. Das Festival bietet ein hochkarätiges Programm, das die unterschiedlichen Vorlieben der Besucher in Hinblick auf Jazz, Pop, Rock, Blues, HipHop und Soul/Funk gut ausbalanciert und eine ausgewogene Mischung aus lokalen, regionalen, nationalen und internationalen Künstlern bietet.

Der Besucherrekord spricht Bände über die Akzeptanz. Ansonsten kann und soll es so weitergehen.

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Ebenfalls lesen: Der Jazz beim Jazz & Joy gewinnt wieder mehr Gewicht. Über die Auftritte von Michael Wollny, Eric Truffaz, Henri Texier und Medeski, Martin & Wood.

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