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Söhne Mannheims (DAS FEST 2013 Karlsruhe, 21.07.2013) © Jannik Rulitschka

Auch 2013 war DAS FEST in Karlsruhe wieder ausverkauft. Kein Wunder, denn mit Kettcar, Seeed und Sportfreunde Stiller fuhren die Veranstalter bei der 29. Ausgabe des Festivals groß auf. Wir freuen uns jetzt schon auf das 30. Jubiläum im nächsten Jahr (25.-27.7.2014), konzentrieren uns nun aber vorerst auf die Highlights der diesjährigen Ausgabe.

Der Freitag – Mal über Haie reden

Das Fest ist ausverkauft und das merkt man. Viele Besucher sind schon den ganzen Tag hier und schlendern von Bühne zu Bühne. Die meisten aber – so scheint es – strömen kurz vor Kettcars Auftritt  auf das Gelände und bekommen gerade noch so den silbrigen Schopf von Triggerfinger-Frontmann Ruben Block zu sehen, der mit der bekannten Cover-Version von I Follow Rivers den Ohrwurm der nächsten drei Tage bestimmt.

Wenig später begrüßt Marcus Wiebusch das Publikum auf und vor dem Hügel mit einem knappen: "Kettcar. Hamburg. Die Deiche brechen richtig, oder eben nicht." Es ist eines der letzten Konzerte von Kettcar, bevor sie ab Herbst ein Jahr in Pause gehen und dementsprechend genießen die Fans direkt vor der Bühne die Show. Auf den Rest vom Fest und vor allem den Hügel überträgt sich die Stimmung leider nicht – zu früh, zu hell, zu heiß für die Musik der Nordlichter.

Das Programm des Fests ist eng gestrickt und so bleibt kaum Zeit, um zwischen der kostenpflichtigen Hauptbühne und der freien Feldbühne hin und her zu wechseln. Deshalb bleiben die meisten Hügelbesetzer gleich dort sitzen und warten auf die Sportfreunde Stiller, verpassen aber auch ein kleines Highlight: Blumio.

Der Düsseldorfer Rapper erlangte größere Aufmerksamkeit durch seinen Song Lass mal über Haie reden und bietet auch heute eine unterhaltsame Mischung aus gekonntem Rap und Entertainment. Spätestens, als er dem Publikum anvertraut, dass er heute ein Hawaii-Hemd trägt, das ihm seine Mutter geschenkt hat, hat der charmante Künstler die Crowd auf seiner Seite.

Die Sportfreunde Stiller legen währenddessen einen souveränen Auftritt hin, hören sich allerdings – abgesehen davon, dass sie ein paar neue Songs im Gepäck haben – genauso an wie 2004, als die Autorin die Münchner Band zum letzten Mal sah. Mit einem großen Papierfeuerwerk und einer umfangreichen Zugabe verabschieden sich die Freitags-Headliner vom Publikum.

Der Samstag – "Ich dachte, ich sei Seeed..."

Es ist heiß. Geradezu unerträglich heißt, obwohl es schon nach 19 Uhr ist und der Co-Headliner Bosse gerade die Bühne betreten hat. Dass trotzdem der Platz vor der Bühne und der komplette Hügel dicht an dicht besetzt ist, hat einen Grund: Seeed werden im Haus sein und sind nicht nur verantwortlich für den Ausverkauf vom Fest, sondern eben auch Ansporn genug für ein stundenlanges Sonnenbad – Hauptsache, die Sicht ist gut.

"Ah 'tschuldigung, ich dachte, ich sei Seeed." Bosse trägt es mit Humor, dass seine Mitsing-Spiele nicht funktionieren, weil zu wenige seine Texte kennen. Dennoch erobert er mit seiner deutschen Singer/Songwriter-Musik so einige Herzen - nicht zuletzt das der Besucherin, die er auf die Bühne bittet, um mit ihr den Ausblick auf den Hügel zu genießen.

Pünktlich um neun Uhr betreten dann Seeed die Hauptbühne, die wohl einzige Band, die Choreographien tanzen darf, ohne lächerlich zu sein. Peter Fox und Co. sind gut drauf und liefern eine bombastische Show ab. Nicht ganz unbeteiligt daran ist die Trommler-Gruppe Cold Steel aus North Carolina und der "größte Harlem Shake der Welt", bei dem Seeed 60.000 Menschen dazu bewegen, von rechts nach links zu laufen und Kleidungsstücke durch die Luft zu wirbeln.

Natürlich gibt Peter Fox auch einige seiner Solo-Tracks zum besten, trotzdem scheint das Bandgefüge ausgeglichen und die Fans von Seeed- und Peter Fox-Tracks gleichermaßen begeistert. Nach anderthalb Stunden ist das schweißtreibende Spektakel vorbei und die Truppe entlässt ihr Publikum in die Hände des britischen Musikers Newton Faulkner, der nicht nur durch seine beinahe knielangen Dreads die Aufmerksamkeit auf sich zieht, sondern auch durch sein virtuoses Gitarrenspiel.

Der Sonntag – Im Abgang eher schwach

Auch am dritten Festivaltag knallt sie Sonne erbarmungslos und es ist dementsprechend bewundernswert, wie die deutsche Pop-Sängerin Leslie Clio in langer Hose über die Bühne springen, und gleichzeitig so gut gelaunt sein kann.

Das Mumuvitch Disko Orkestar aus Mannheim spielt kurze Zeit später glücklicherweise im Schatten der Feldbühne. Die Gypsi-Ska-Kombo, die aus gefühlten 3000 Menschen an doppelt so vielen Instrumenten zu bestehen scheint, hatte bereits den Zuschauern beim Vor-Fest eingeheizt und bringt auch an diesem Sonntagnachmittag die Menge zum Springen und Tanzen.

Außerdem erzeugt sie definitiv mehr Stimmung als die Söhne Mannheims, die am Abend als letzter Headliner auf der Hauptbühne stehen. Nach Seeed am Samstag ist die Truppe (ohne Xavier Naidoo, der anderweitigen Verpflichtungen nachgehen musste) nur ein schwacher Ausklang.

Der älteren Generation gefällt's, die jüngere zieht es dann doch eher zur Feldbühne, wo Reptile Youth aus Dänemark zeigen, wie ein richtiges Festival enden sollte: laut, grell und verschwitzt.

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