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KISS © Quelle: Universal Music

"You wanted the best, you got the best"! Die Berliner Waldbühne wurde am 12. Juni in Konfetti und Rauch gehüllt. Kiss waren in der Stadt und sorgten in der rappelvollen Freiluftarena für reichlich staunende Gesichter unter den Anwesenden. Und das, obwohl sich die Band nur mit halber Produktion präsentierte.

Bei einem KISS-Konzert gibt es in der Regel immer zwei Fraktionen im Publikum. Zum einen gibt es die Leute, die zum ersten Mal in ihrem Leben dabei sind, um der ewigen, von ihren Eltern oder Großeltern aufgetischten Legendengeschichte um die vier maskierten Rock’n’Roll-Gladiatoren auf den Grund zu gehen, während hinter ihnen die eingefleischten Langzeitfans stehen, die nur allzu gerne an der Oberfläche kratzen, um zu gucken, ob von KISS in punkto Setliste und Bühnenshow auch wirkliche alle großspurigen Bandversprechen eingehalten werden.

So auch an diesem Abend in der rappelvollen Berliner Waldbühne.

Dichter Nebel und Raketenfontänen

Die Neuzugänge scheinen diesmal aber in der Überzahl zu sein, denn selten zuvor wurden die Kabuki-Veteranen in der Hauptstadt derart euphorisch in Empfang genommen. Es ist kurz nach 20 Uhr als sich der riesige KISS-Vorhang mit einem Knall und emporsteigenden Raketenfontänen gen Boden verabschiedet.

In dichten Nebel gehüllt legen Paul Stanley, Gene Simmons, Tommy Thayer und der auf seinem Drumkit in drei Metern Höhe schwebende Eric Singer mit dem Opener Psycho Circus los. Mehr als zwei Drittel der Anwesenden im weiten Rund strecken die Arme in die Höhe und helfen der Band mit synchronem Geklatsche bei der Rhythmusfindung.

Schon jetzt wird klar: Dieser Auftritt dürfte um einiges stimmungsvoller ausfallen, als die letzte, fast schon gähnende Selbstinszenierung in der halbvollen O2 World im Jahr 2010.

"Isch bin ein Berliiiiner"

Mit standardisierten Live-Eckpfeilern wie Shout It Out Loud, Let Me Go Rock’n’Roll und I Love It Loud hält der Vierer die Masse bei der Stange. Rauch, Feuer, Pyros: die immer wieder auf der überdimensionalen Videoleinwand hinter dem Schlagzeug eingeblendeten "Boah"-Gesichter der Fans im Innenbereich, rühren selbst einen Oldschool-Entertainer wie Paul Stanley:

"Isch bin ein Berliiiner", raunt der Sänger ins weite Rund. Auch auf den oberen Etagen stehen die meisten Zuschauer auf ihren Bänken und strecken die Fäuste gen Himmel, während sich die Verantwortlichen auf der Bühne durch die Highlights ihres Bandkatalogs kämpfen.

Dem Kenner stehen die Haare zu Berge

Zwischen euphorisierten Mitwippern parkt aber auch jede Menge Sitzfleisch. Die Arme verschränkt und mit Argusaugen beobachtend, verfolgt die DieHard-KISS-Army das Geschehen. Nicht selten murrt und knurrt es hinter, neben und vor mir. Und das zu Recht.

Denn was zwar oberflächlich nicht nur funktioniert, sondern wahre Begeisterungsstürme entfacht, lässt den Kenner bei genauerer Betrachtung das eine oder andere Mal die Haare zu Berge stehen. Von der pompös angekündigten "Monster-Show", welche Tage zuvor in Oslo, Helsinki und Stavanger auch eindrucksvoll präsentiert wurde, ist in Berlin nur wenig zu sehen. Die Mängelliste ist lang:

Die neue Bühnenkonstruktion, in Form einer riesigen Edelstahl-Spinne, klebt leblos unter dem Bühnendach, Gene und Paul verzichten gänzlich auf ihre berühmten Flugeinlagen und auch die gängigen Raketenwerfer, links und rechts neben der Bühne, kommen aufgrund von hohen Sicherheitsauflagen nur bedingt zum Einsatz.

Am Ende liegen sich dennoch alle in den Armen

Auch auf der Bühne läuft nicht alles glatt. Pauls Organ hat klingt bisweilen wie das eines kränkelnden Meerschweinchens, und auch in punkto Zusammenspiel haben die Plateau-Rocker, weiß Gott, schon bessere Auftritte hingelegt. Am Ende liegen sich dennoch alle in den Armen – Konfetti-Regen, Podestausflüge, zerbrochene Gitarren und reichlich Kirmesrauch machen’s möglich: "Can we come back to see you again?"

Da stehen sogar die zerknirschten Kuttenträger auf und halten den Daumen hoch.

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