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Bloodbath (live in Frankfurt, 2018) © Leonard Kötters

Bei der Verarbeitung gewalttätiger Bilder gibt es keinen Unterschied zwischen Death Metal-Fans und Nicht-Fans. Zu diesem Schluss kam nun eine aktuelle australische Studie. Das Hören von Death Metal führe demnach nicht zu einer Abstumpfung gegenüber Gewalt.

Die Diskussion ist bereits uralt: Führt der Genuss harter Musik zu einer erhöhten Gewaltbereitschaft? Eine Studie des Musik-Labors der Macquarie University in Sydney will nun herausgefunden haben, dass Death Metal zu Freude anstatt zu einer "Desensibilisierung" gegenüber Gewalt führt, berichtet bbc.com. Die Studie ist Teil jahrzehntelanger Bemühungen von Prof. Thompson und seinen Kollegen, die emotionalen Auswirkungen von Musik zu erforschen.

In der Studie wurden 32 Death Metal-Fans und 48 Nicht-Fans darum gebeten, sich Death Metal oder Pop anzuhören, während ihnen auf einem Auge harmlose und auf dem anderen Auge unangenehme Bilder gezeigt wurden. Ein solcher psychologischer Test nenne sich "binokulare Rivalität", und die meisten Menschen registrieren dabei die gewalttätigen Szenen mehr als die harmlosen, so Forschungsleiter Yanan Sun.

"Ein stärkendes, schönes Erlebnis"

Ziel der Studie sei gewesen, zu messen, wie stark die Gehirne der Teilnehmer gewalttätige Szene registrieren und zu vergleichen, inwiefern ihre Sensibilität durch die musikalische Begleitung beeinflusst wird. Verwendet wurden für die Studie Bloodbaths Kannibalismus-inspirierter Song „Eaten“ und Pharrell Williams' fröhliches „Happy“.

Das Ergebnis: Die Fans zeigten bei der Verarbeitung der gewalltätigen Bilder die gleichen Tendenzen wie die Nicht-Fans. Eine Desensibilisierung gegenüber Gewalt kann demnach bei den Metal-Fans nicht stattgefunden haben, erklärt Prof. Thompson.

"Die dominierende emotionale Reaktion auf diese Musik ist Freude und Stärkung. Und ich denke, diese Musik zu hören und dies in ein stärkendes, schönes Erlebnis zu verwandeln – das ist erstaunlich."

Das psychologische Paradox

"Death Metal-Fans sind nette leute", so Prof. Thompson zudem. "Sie werden nicht rausgehen und jemanden verletzen."

Wie jedoch kann ein Death Metal-Song über Kannibalismus einen solchen Effekt haben? "Viele Menschen genießen traurige Musik, und das ist etwas paradox – warum sollten wir uns selbst traurig machen wollen?", fragt Prof. Thompson. "Das gleiche gilt für aggressive oder gewalttätige Themen. Für uns ist das ein psychologisches Paradox – also sind wir als Wissenschaftler neugierig. Gleichzeitig erkennen wir an, dass Gewalt in den Medien ein gesellschaftlich signifikantes Thema ist."

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