Das Jugendzentrum Friedrich Dürr in Mannheim

Das Jugendzentrum Friedrich Dürr in Mannheim © JUZ Mannheim

Die Gemeinderatsfraktion der CDU Mannheim plant, im Rahmen der nächste Woche stattfindenden Haushaltsberatungen einen Antrag einzubringen, in dem sie die Einstellung der Zuschüsse und die Kündigung des Mietvertrags des selbstverwalteten Jugendzentrums "Friedrich Dürr" fordert. Dies käme einer Schließung des Zentrums gleich.

Bisher überließ die Stadt Mannheim dem JUZ Friedrich Dürr seine derzeitigen Räumlichkeiten am Neuen Messplatz entgeltfrei. Weiterhin erhielt das selbstverwaltete Jugendzentrum für zahlreiche soziale Projekte Förderungen in Höhe von etwa 100.000 Euro pro Jahr.

Im Rahmen der Etatberatungen des Gemeinderates plant die CDU Mannheim nun, einen Antrag einzubringen, laut dem die Förderung und die entgeltfreie Überlassung der Räumlichkeiten aufgekündigt werden sollen. (Hier eine Kopie des Antrages.)

Update, 12. Dezember: Der Gemeinderat hat den Antrag der CDU klar abgelehnt. Weitere Informationen hier.

Vorwürfe der CDU

Hintergrund des Antrags ist der Vorwurf seitens der CDU, das JUZ Friedrich Dürr sei ein "Anlaufpunkt des gewaltorientierten linksextremistischen Treibens und ein fester Bestandteil linksextremistischer Strukturen in Mannheim und der Region."

In einem weiteren Antrag (eine Kopie gibt es hier) schildert die CDU die angeblichen "Verquickungen des JUZ mit und als Bestandteil der linksextremistischen Szene der Region". Dazu gehöre, dass das Jugendzentrum als Anlaufstelle vieler "linksextremistischer Organisationen" diene, u.a. dem "Arbeitskreis Antifa" und dem "Offenen Antifaschistischen Treffen".

Typische "linksextremistische Aktionsfelder [wie] Antikapitalismus (inklusive Kampf gegen Faschismus, Rechtsextremismus, Rassismus, Repression, Gentrifizierung und Militarismus) und Kurdistansolidarität" fänden sich im JUZ alle vertreten.

Bedeutet Antifaschismus Extremismus?

Im Rahmen einer kleinen Anfrage des Weinheimer Landtagsabgeordneten Georg Wacker (ebenfalls CDU) im Oktober 2016 wurde das JUZ Friedrich Dürr schon einmal in die Nähe linksextremistischer Bestrebungen gerückt.

In einer darauf folgenden Stellungnahme bekannte sich das JUZ zu einem "aktiven Antifaschismus und den Kampf für eine solidarische Gesellschaft". Man wehrte sich jedoch dagegen, dass das "Jugendzentrum oder Veranstaltungen im JUZ durch das Innenministerium und den Verfassungsschutz mit 'politisch motivierter Kriminalität'" in Verbindung gebracht werden.

Zukunftspläne

Die Gelder, die durch eine Schließung des JUZ und anschließende Vermietung erwirtschaftet werden könnten, sollen laut dem Antrag der CDU auf die Sportkreisjugend Mannheim, den Stadtjugendring Mannheim sowie die Jugendhäuser Erlenhof und Herzogenried aufgeteilt werden. Inwiefern eine solche Vermietung realistisch ist, ist jedoch fraglich.

Weiterhin soll dem Jugendzentrum die Trägerschaft außerschulischer Jugendbildung sowie die freie Trägerschaft der Jugendhilfe aberkannt werden.

Vielfältiges Engagement

Neben dem aufgeführten, antifaschistischen Engagement des JUZ Friedrich Dürr fällt dieses besonders durch soziale Projekte in verschiedenen Bereichen auf.

Das bereits 1973 gegründete Jugendzentrum, das seit 1994 in der Mannheimer Neckarstadt untergebracht ist, bietet derzeit etwa das "Freiraum-Café" – eine Kontakt-Plattform für Geflüchtete und Interessierte –, Sprachkurse für Geflüchtete sowie eine offene Fahrrad-Werkstatt an.

Weiterhin ist das JUZ eine beliebte Location für Konzerte von bekannten und unbekannteren alternativen Bands. So findet hier jährlich das Punk- und Hardcore-Festival "Pfingstfest" statt, 2016 u.a. mit Gurr.

Auch die Metalcore-Legenden Converge und die Doom-Metal-Größen Ahab und Black Shape of Nexus traten bereits im JUZ Friedrich Dürr auf. Gleichzeitig bleibt das Jugendzentrum auch eine Auftrittsmöglichkeit für Nachwuchsbands.

Wider die Schließung 

Sollte die CDU den Schließungsantrag durchsetzen können, würde Mannheim nicht nur eine wichtige Anlaufstelle für Jugendliche und ein Zentrum des antifaschistischen Engagements, sondern auch einen bereits fest in der nationalen und internationalen Szene etablierten Veranstaltungsort verlieren.

Das JUZ selbst plant für den heutigen Donnerstag (7.12.2017) um 19 Uhr eine Sonder-Vollversammlung, um ein mögliches Vorgehen zu besprechen.

Update, 8.12.2017: Mittlerweile wurde eine Online-Petition gestartet, um der Schließung entgegenzuwirken. Weiterhin wurde der Hashtag #JUZbleibt etabliert. 

Auf der Website des JUZ Friedrich Dürr finden sich eine Reihe von Stellungnahmen sowohl der Aktiven und des Trägervereins des Jugendzentrums selbst, als auch von Verbänden wie dem Mannheimer Bündnis gegen Rechts und dem Stadtjugendring.

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