Gurr 2017

Gurr 2017 © Marco Leitmann

Gurr und Shame legen in Heidelberg eine intensive Show hin, die sich zwischen mehreren Extremen bewegt. Friede sei mit euch!

"Arschgeil, aber irgendwie auch süß" - Andreya von Gurr beschreibt mit diesem Satz nicht nur die Show der Londoner Supportband Shame, sondern den gesamten Konzertabend in der halle02 in Heidelberg auf perfekte Weise. Was beide Bands aber wohl am meisten verbindet, ist die kompromisslose Realness, mit der sie ihr Metier betreiben. 

Sweet and naughty boys

Angesichts des perfekt abgestimmten Zusammenspiels von Shame könnte man fast aus den Augen verlieren, dass die Londoner noch blutjung sind. Der Sänger der Band liefert auf bzw. vor der Bühne eine wahrhaft sehenswerte Performance und gestikuliert wie ein ganz Großer. Mehrmals unternimmt er kleinere Ausflüge in den Publikumsbereich und geht auf Tuchfühlung mit den Gästen.

London calling

Die Engländer besitzen die treibende Energie von The Clash, das Rotzig-Freche der frühen Arctic Monkeys und die Melodiösität von Oasis. In Paris verkaufen die jungen Engländer bereits kleinere Hallen aus. Vermutlich dauert es nicht mehr lange, bis es auch hierzulande soweit ist.

Sweet and punky girls

Gurr zeigen sich ebenso spielfreudig. Mit ihrem Garage-Rock wurde ihnen in diesem Jahr eine größere Aufmerksamkeit zuteil, und das völlig zurecht, wie sie im Laufe der 60-minütigen Performance zeigen. Das Frauen-Duo kann mit Unterstützung einer Bassistin und eines Drummers den Club zum ausgelassenen Tanzen bringen.

Was live ein bisschen deutlicher zum Tragen kommt, ist die Rock-Attitüde der Berliner. In sehr krachigen Passagen lassen sich Andreya und Laura Lee komplett gehen, wodurch sie das Publikum in der Hand haben. Doch auch mit leiseren Nummern können sie mit schönen Harmoniegesang brillieren.

Im Auftrag des Herrn unterwegs

Der an einigen Stellen schreiend-quirlige Gesang und die hin und wieder leicht verstimmten Gitarren sind bei Gurr kein Manko, sondern Teile des Charakters ihrer Musik, die sie umso echter wirken lassen. Abgesehen von einer eher bedingt gelungenen Cover-Version von "Last Christmas" sorgen die Rock-Ladies für beste Stimmung. Obendrein gibt es sogar noch einen ganz unkatholischen Friedenssegen von Andreya. Mehr Sweetness gepaart mit Coolness geht wirklich nicht.

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