Bill Callahan (live in Hamburg, 2014)

Bill Callahan (live in Hamburg, 2014) © Falk Simon

Bill Callahan ist seit mehr als 15 Jahren ein Fixpunkt der amerikanischen Indie-Rock-Szene. Lange Jahre veröffentlichte er seine Alben unter dem Namen Smog. Sein erstes Album unter eigenen Namen, "Woke On A Whaleheart", erschien im letzten Jahr. Vielleicht ist die Tatsache, dass dieser Umstand einigen Musikliebhabern nicht bekannt ist, ein Grund dafür, dass der Publikumszuspruch bei seinem Auftritt in der Brotfabrik in Frankfurt am Dienstagabend zu wünschen übrig ließ.

Kaum mehr als hundert Zuschauer sind gekommen, um Bill Callahan und Band zu erleben. Während Callahan auf seinen Studioalben mit sehr sparsamer Instrumentierung und einem Maximum an gesanglichem Ausdruck arbeitet, wird er bei seinem Auftritt von einer dreiköpfigen Band unterstützt. Die Musiker steuern jeweils Gitarre, Bass und Schlagzeug bei und verleihen so Callahans Liedern ein rockiges Fundament.

Nicht alle Songs profitieren von dieser Umsetzung. Das freudig erwartete Teenage Spaceship enttäuscht beispielsweise aufgrund seiner mäandernden Ausdruckslosigkeit. In gewisser Weise verdeutlich das Schicksal dieses Liedes den negativen Aspekt des Konzerts. Callahan lebt auf seinen Alben von der subtilen, nuancierten Akzentuierung kleiner und kleinster Motive. In einen rockigen Kontext gesetzt, müssen zwangsläufig viele dieser Nuancen verloren gehen. Das wäre nicht tragisch, wenn dafür etwas anderes an deren Stelle träte.

Da jedoch viele Songs auf demselben Rhythmus aufbauen und nicht besonders komplex arrangiert sind, wirkt ein Teil, wie das allzu fragmentarische Natural Decline oder das ereignislose Let Me See The Colts, in Verbindung mit dem gleichmäßigen Sprechgesang Callahans, monoton und leblos. Darüber hinaus sind manche Songs einfach nicht besonders gut: Our Anniversary zeigt Callahan zwar von seiner poppigsten und zugänglichsten Ader, hinterlässt jedoch nur einen flüchtigen Eindruck. Dass dennoch keine Langweile oder Enttäuschung aufkommt, liegt an den gradlinigen Rocksongs, die Callahan und Band ausgezeichnet gelingen.

Blood Red Birds bildet durch seine kompromisslose Gradlinigkeit den perfekten Auftakt für das Konzert. Die ausgedehnte, intensive Version von Blood Flow entwickelt aufgrund des gallopierenden Rhythmus in den langen Instrumentalpassagen einen Sog, der den Zuschauer fesselt und mitreißt, was sich im heftigsten Applaus des Abends niederschlägt. Rock Bottom Riser, ein weiterer langsamer, intensiver Song, der sich nach und nach steigert, verdeutlicht ein weiteres Mal die Fähigkeit Callahans dazu, eine intensive Atmosphäre zu schaffen, die den Zuhörer in ihren Bann schlägt. Cold Blooded Old Times erlaubt es ihm zum Abschluss des Konzerts, sich in amüsant anmutende Gitarrenheldenposen zu werfen.

Wer Callahan jedoch wirklich ist, was er mit seiner Musik ausdrücken will, bleibt an diesem Abend dennoch ziemlich rätselhaft. Obwohl die Gelegenheit bestünde, Callahan ganz nahe zu sein, lassen die Zuschauer einen halbkreisförmigen Bereich vor der Bühne frei, als fürchteten sie, seine Kreise zu stören. Vielleicht ist diese offensichtliche Distanz zwischen Künstler und Publikum die Ursache dafür, dass der Applaus stets ein wenig verhalten wirkt. Dennoch geht von dem unnahbaren Mann am Mikrophon und seiner Musik eine seltsame Faszination aus, die einen Konzertbesuch lohnenswert macht.

Setlist: Blood Red Birds –Natural Decline – River Guard – Our Anniversary – Diamond Dancer – Teenage Spaceship – Blood Flow – Say Valley Maker – I Feel Like The Mother Of The World – Rock Bottom Riser

Zugabe: Let Me See The Colts – Cold Blooded Old Times

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