Der Headliner Prinz Pi riss die Menge mit.

Der Headliner Prinz Pi riss die Menge mit. © Gesche Amelie Ringer

Bereits zum 14. Mal jährte sich das Nonstock Festival vergangenes Wochenende bei Fischbachtal im Odenwald. Inmitten von nichts als Hügeln, Wiesen und Bäumen fanden sich auch dieses Mal wieder Fans aller möglichen Musikrichtungen ein, um Größen wie Slime, Egotronic, Prinz Pi, Turbostaat oder Sondaschule zu sehen. Und man konnte nicht nur am akustischen Programm teilnehmen: Abwechslung bot unter anderem das Kurzfilmzelt der Filmfestspiele Weiterstadt, in dem man zu spannenden Clips relaxen konnte.

{image}"Das Nonstock ist toll, ich komme hier aus der Nähe und freue mich immer wieder. Vor allem weil die Veranstalter sehr viel Aufwand betreiben", so nur einer der rund 3000 Festivalbesucher. Doch auch der Rest des überraschend durchschnittlich jungen Publikums genoss das Wochenende im Odenwald. Das Festival bot nicht nur ein ausgefeiltes musikalisches Programm mit einem hochwertigen Line-Up, sondern auch Independent-Kurzfilme, Lagerfeuer, ein Flunkyball-Turnier und auch verrückte Ideen wie ein Häuschen, das laut Organisator Gösta Gantner "die Punks besetzen dürfen".

Unter drückender, schwüler Hitze begann das Festivalwochenende am Freitagnachmittag. Eröffnet wurde das Musikspektakel von der jungen Darmstädter Band Las Vegas, die leider das Los des ersten Slots gezogen hatten und somit vor einer winzigen Menschenmenge performen mussten.

Schon beim nächsten Künstler kam es zu organisatorischen Änderungen. Luisa, die eigentlich als nächstes im Zelt der Klangkantine, ein Tonstudio speziell für Singer/Songwriter, spielen sollte, wurde von der Blockflöte des Todes vertreten. Und das sollte nicht der einzige Tausch bzw. Ausfall des Festivals werden.

Mit einem bunten Nachmittagsprogramm – von Hardcore von Madison Affair über HipHop-Newcomer Rockstah bis hin zu Cäthe und Akustikmusik von Bischler mit seiner Band – ging der Abend über zu elektronischer Musik von Supershirt, denen es als erste Band gelang, das Publikum zum Tanzen zu bringen. Mit Songs ihres neuen Albums Kunstwerk, aber auch alten Liedern wie dem Hit 8000 Mark, feierten sie mit den Besuchern.

{image}Nach einer Verschnaufpause, die mit ruhiger Musik von Spaceman Spiff genossen werden konnte, ging es mit Punkrock der norddeutschen Jungs von Turbostaat weiter. Bei den vielen Festivalbühnen, die die Band diesen Sommer bespielt hat, durfte dieses Jahr auch das Fischbachtal nicht fehlen, was auch eine so große Ehre für die Veranstalter war, dass sie die Flensburger als erste Band eine Zugabe mit gleich drei Songs spielen ließen.

Das große Finale des Abends boten die Ska-Künstler Sondaschule, die sich sogar von MC Rene unterstützen ließen. Mit "Pauken und Trompeten" ließen sie den ersten Festivaltag würdig ausklingen.

Dass die Eröffnungsband des zweiten Tages es leichter haben würde war eine Selbstverständlichkeit: Über den Freitag hinweg trafen alle Festivalbesucher ein. Außerdem gab es auch viele Tagesbesucher des Samstags, da die Headliner Prinz Pi und Slime erwartet wurden. So hatten The Real McCoy leichtes Spiel und bauten schnell Sympathien mit dem Publikum auf, das auch mit der darauffolgenden Gruppe Soundition feierte.

Eine Überraschung war das Duo Bender & Schillinger, das im Zelt der Klangkantine die Menschen verzauberte. Nicht nur die musikalische Raffinesse, Hochwertigkeit und perfekte Ausführung riss die Leute mit – auch die Vielseitigkeit der Künstler stach hervor, die mehrere Instrumente bedienten. So durften auch sie als Ausnahme noch eine Zugabe spielen.

The Stud, die die Veranstalter über eine Aktion in Backstage PRO ausgesucht haben, konnten jedoch nur wenige Sympathisanten finden. Im Vorfeld machten sie einen starken Eindruck, auf dem Nonstock spielten sie eine enttäuschende Brit-Pop Show, die fast niemanden der Besucher begeistern konnte. Luisa, die eigentlich schon am Vortag auftreten sollte, bespielte daraufhin die Bühne der Klangkantine.

Doch Überraschungsgast und Headliner der Herzen schlechthin war die Band Elfmorgen. Tanzbare Musik riss das Publikum mit und auch die Mehlschlacht, die auch im vorigen Jahr an der Tagesordnung stand, wurde wiederholt und euphorisch angenommen. Obwohl die Jungs nicht mal im Line-Up verankert waren ließen sie es sich nicht nehmen, die ganze Crew des Festivals auf die Bühne zu holen und ihnen zu Ehren zu spielen.

{image}Einen Schock bereiteten die fünf Mädchen von The T.C.H.I.K. aus Berlin den Gästen, von denen gleich zwei mit einem hoffentlich falschen Schwangerschaftsbauch auf die Bühne traten. Bunt geschminkt und in schrille Klamotten geworfen gaben sie eine Elektroshow, die das Publikum schockiert, aber gleichzeitig belustigt zurückließ.

Und auch die Rocker von Madison Affair sollten nicht zu kurz kommen. Gleich ein zweites Mal durften sie auftreten und die ausgefallene Band Bury Tomorrow vertreten, was ein wenig den Schmerz des eher spärlich besuchten Auftrittes des Vortages linderte.

Mit Überleitung von Ryo & Norman Sinn kam man nun endlich zum schon lange ersehnten Auftritt von Prinz Pi. Dieser präsentierte viele Songs seines aktuellen Albums Rebell ohne Grund, die die Menge ausnahmslos mitsingen konnte.

Auch der zweite Headliner, Slime, empfing eine durchweg positive Resonanz des Publikums. Nicht mehr die Jüngsten, aber dennoch durch und durch derbe wie gewohnt zeigten sich die Punkrocker, als ein Plastikbecher aus der Menschenmenge direkt an den Kopf des Sängers Dirk Jora flog, woraufhin ein einminütiger Beitrag darüber folgte, was er und seine Band mit "Arschlöchern wie dir" anstellen würden.

Und auch die Elektropunkband Egotronic sorgte für wortwörtlich Zündstoff, ob in positiver oder negativer Hinsicht sei dahingestellt. Wie eh und je mit Parolen gegen Deutschland und das System bewaffnet stachelte die Band die Menge an, welche Feuerwerkskörper zündete und sich mit Securities anlegte. Und natürlich durften auch Fahnen der Antifaschistischen Aktion nicht fehlen: Eines der Banner wurde von einem Gegner der Vereinigung grob entwendet, der daraufhin von Securities in Schach gehalten werden musste.

Abgesehen vom brenzligen Festivalfinale war die Stimmung aber durchgehend positiv und entspannt und trotz kurzfristiger Ausfälle im Programm wurde den Besuchern eine lückenlose Running Order geboten. Auch das soziale Engagement der Veranstalter soll hier noch positiv hervorgehoben werden: Das Nonstock legt höchsten Wert auf korrektes Verhalten; kriminelles und asoziales Auftreten wird sofort von der Bühne aus angesprochen. Damit ist spätestens jetzt klar: Nächstes Jahr wird wieder die Reise ins Fischbachtal angetreten.

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