Mark Lanegan signiert CDs und Platten nach dem Auftritt in der Batschkapp.

Mark Lanegan signiert CDs und Platten nach dem Auftritt in der Batschkapp. © Daniel Nagel

In der drückenden Schwüle der fast ausverkauften Batschkapp schlägt der amerikanische Sänger und Songwriter Mark Lanegan die begeisterten Zuschauer ganz in den Bann seiner Lieder, die sich wie düstere Visionen in der Sommerhitze verfangen. Stoisch und unnahbar umklammert Lanegan den Mikrofonständer und singt mit halb geschlossenen Augen seine zwischen Americana und Rock angesiedelten Lieder. Nach dem Konzert sollten die Besucher ihn aber auch von einer anderen Seite kennenlernen.

Mark Lanegan ist einer der großen Überlebenden der Grunge-Ära, die so viele Opfer unter den Musikern gefordert hat. Man sieht ihm an, dass er alles gesehen und mitgemacht hat in einer wilden Zeit. Sein zerfurchtes Gesicht, sein struppiges Haar und die Tattoos auf den Händen und Fingern sind stumme Zeugnisse dieser Vergangenheit. Seine Musik stammt aus einer Welt der Düsternis, voller apokalyptischer Sprache, religiöser Bilder und Themen aus der Dunkelheit des Lebens: Drogen, kaputte Beziehungen, Tod und Einsamkeit.

Mark Lanegan könnte ein einsamer Wanderprediger sein, der die Menschen vor dem Untergang warnt, wenn der denn etwas Predigerhaftes an sich hätte. Stattdessen steht er fast unbeweglich auf der Bühne, hält den Mikrofonständer fest umklammert, die Augen halb geöffnet wie ein Raubtier, das in der Hitze döst, und singt mit dunkler Stimme von den Abgründen des Lebens. Nur selten scheint er aus seiner musikalischen Trance zu erwachen, noch seltener wendet er sich an das Publikum, um die Band vorzustellen und sich zu bedanken. Mark Lanegan befindet sich in seiner eigenen Welt.

Die Musik pendelt zwischen bluesigem Americana und lauten Rocksongs, aber eigentlich ist sie vor allem bestimmt von Mark Lanegans Stimme, die sich unablässig vorwärts wälzt wie ein dunkler Strom. Egal, ob laut oder leise, sein Gesang verleiht der Musik Kraft und Intensität, aber auch ein gleichmäßiges Tempo, das manchmal zur Monotonie wird. Der Monotonie einer langen Autofahrt in der Dunkelheit durch den amerikanischen Westen, wo Mark Lanegan geboren und aufgewachsen ist. Selbst das Licht verändert sich während des Konzerts kein einziges Mal.

{image}Seine Band besteht ausschließlich aus belgischen Musikern, die Lanegan eher solide als herausragend begleiten und nicht völlig eingespielt sind. Einmal nickt er Gitarrist Steven Janssen zu, der aussieht, als spiele er eigentlich in einer Rockabilly-Band, woraufhin dieser ein nicht sonderlich aufregendes Gitarrensolo spielt. Ob eine Band junger amerikanischer Musiker besser geeignet gewesen wäre? Schwer zu sagen.

Das Publikum ist während des neunzigminütigen Auftritts durchweg begeistert, bejubelt aber besonders die lauteren, rockigeren Songs. Man vermag deutlich zu erkennen, dass viele Zuschauer zu jung sind, um Lanegans Alben aus den 1990ern oder gar die Screaming Trees zu kennen. Es handelt sich offensichtlich um Fans, die sich Lanegan mit Bubblegum oder dem Nachfolger Blues Funeral erworben hat, deren Songs den Großteil der Setlist einnehmen.

Kurz nach dem Konzert nimmt Mark Lanegan am Merch-Stand Platz, der glücklicherweise im Freien aufgebaut wurde. Dort schüttelt er Hände, signiert Platten und CDs und plauscht mit seinen Fans. Er wirkt entspannt und freundlich, geradezu leutselig. Das ist die andere Seite des Mark Lanegan. Der Mann auf der Bühne ist dort geblieben.

Setlist

The Gravedigger Song | Sleep With Me | Hit The City | Wedding Dress | One Way Street | Resurrection Song | Gray Goes Black | Crawlspace | Quiver Syndrome | One Hundred Days | Creeping Coastline Of Lights | Black Rose Way | Riot In My House | Ode To Sad Disco | St. Louis Elegy | Tiny Grain Of Truth

Zugabe: Devil In My Mind | Harborview Hospital | Methamphetamine Blues

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