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Shinedown (live bei Rock am Ring 2012-Samstag) © Tom Teubner

Bis es zum Tagesheadliner Metallica kam, hatte der Samstag noch viele weitere Acts zu bieten, die die Stimmung im Vergleich zum Vortag noch erheblich mehr anheizten - darunter u.a. The Ting Tings, Billy Talent oder die Spaßfraktion Tenacious D.

Was am Vortag auf der Alternastage musikalisch von Trivium und Co. angefangen wurde, geht am Samstag auf der Centerstage weiter. Zum größten Teil jedenfalls. Gojira donnern als erster Act von der größten Bühne bei Rock am Ring runter auf die Meute. Die vier Franzosen zeigen nicht nur in ihren Lyrics, dass ihnen die Umwelt am Herzen liegt, sondern auch durch Taten: Paul Watson von der Sea Shepherd, der sich mit seiner Organisation für den Erhalt der Ozeane einsetzt, wendet sich kurz an die Ringrocker. Seine Botschaft: Wenn wir die Meere retten, retten wir uns selbst. Dann geht es weiter mit der Band und Metal. Das Snakepit ist bereits jetzt schon aufgebaut und viele Leute haben den Weg vor die Bühne gefunden.

Die bekamen als nächstes Shinedown aus Jacksonville, Florida zu sehen, die durch Bully und Second Chance vielleicht einigen bekannt sind. Musikalisch bewegen sich Shinedown zwischen Metal und Hardrock mit Stücken, die ordentlich nach vorne gehen und Rockballaden, die etwas an 30 Seconds to Mars erinnern, aber weitaus weniger weinerlich klingen. Berücksichtigt man mal die Uhrzeit, wurde die Band sehr gut aufgenommen. Allgemein scheint es, dass die Menschen heute besser gelaunt sind als noch am Vortag. Ein Eindruck, der sich später bei anderen Bands noch bestätigen sollte.

Als Tenacious D die Bühne in weißen Umhängen betreten, werden Jack Black und seine Bandkollegen mit lautem Johlen empfangen. Ganz dem Albumtitel entsprechend stieg ein Phönix empor. Nur wies der mythische Vogel Ähnlichkeiten mit etwas ganz anderem auf. Aber seht selbst in unserer Fotogalerie. Den Song Roadie widmen sie, nun ja, Roadies. In The Government Totally Sucks machen sie ihren Ärger über die Politiker Luft und bei Tribute singen ungefähr 5.000 Leute aus vollem Hals mit. Jack Black bringt seine typischen Moves und am Ende gibt es Konfettiregen. "We are Tenacious D and we came to rock you!", sagt Jack Black am Ende des Auftritts. Well, Mission accomplished, Sir!

Während es am Festivalsamstag ordentlich von der Centerstage runterkracht, geht es auf der Alternastage etwas weniger laut, aber nicht mit weniger Spaß vor sich. The Stranglers sind durch Songs wie Golden Brown und Always the Sun bekannt geworden und feiern dieses Jahr ihr Comeback. Die Engländer sind eine der ruhigsten Bands, die auf dem Festival gespielt hat. Bei manchen Songs sind zwar Punk-Elemente rauszuhören, aber vor allem auch die Hammond-Orgel.

Nach dem Ausflug in die musikalische Vergangenheit spielen The Ting Tings. Der Plan von Sängerin Katie White, die Meute zum Tanzen zu bringen statt zu reden, geht auf. Ob bei Shut up and let me go, Hands, That's not my name: Still steht niemand, weder die Zuschauer noch Katie, die auch tanzt, während sie Gitarre spielt. Der Elektropoprock macht einfach Spaß.

Bei Pete Doherty kommt im Kontrast zur Partylaune bei den Ting Tings Lagerfeuerstimmung auf. Er spielt nicht besonders gut alleine auf seiner Westerngitarre und singt etwas lallend. Dann verleiht er sich durch Einsatz von einer Mundharmonika einen Hauch von Bob Dylan und bringt eine Akustikversion von Can't stand me now. Entweder man mag es oder nicht. Den Leuten hat es offenbar gefallen. Er war immerhin pünktlich auf der Bühne und sah für seine Verhältnisse erholt aus.

Auf der Clubstage tritt am späten Nachmittag die schottische Band Twin Atlantic auf. Der überschaubaren Zuschauermenge nach zu urteilen sind sie wohl noch eine Art Geheimtipp. Schade, denn die, die den Weg vor die kleinste der drei Bühnen gefunden haben, mochten es. Die Vier spielen melodischen und im besten Sinne des Wortes radiokompatiblen Rock, der nach vorne geht, ohne zu hart zu sein. Ein gutes Beispiel dafür ist die Single Make a Beast of Myself von dem neuen Album Free.

Über der Hauptbühne dämmert es mittlerweile langsam, als Billy Talent mit dem roten Himmel im Hintergrund ihre Hits Surrender, Rusted From The Rain, Fallen Leaves und Red Flag (mit gefühlten 60.000 Backgroundsängern als Verstärkung) spielen. Natürlich darf auch der aktuelle Song Viking Death March nicht fehlen. Das Publikum tobt fast genauso wie Sänger Ben über die Bühne.

Dann kommt die Band auf die Bühne, auf die wohl die meisten gewartet haben: Metallica. Immer wieder ist leichte Aufregung in der Menge zu spüren, bevor endlich das Intro Ecstasy of Gold ertönt. Der Sound ist erstklassig, Metallica sind in bester Laune und Hetfield schüttelt Hände im Snakepit. Da macht es auch nichts, dass das Video nicht richtig abgespielt werden kann. Das Publikum nimmt es mit Humor. James Hetfield auch: "Schade, dass ihr es nicht sehen konntet, es ist eigentlich ganz cool. Aber ihr könnt es ja auf Youtube anschauen."

Aber es ist eh klar, was darauf folgt, nämlich das komplette Black-Album, in umgekehrter Reihenfolge gespielt. Immer "Throwing the Horns" und headbangen, soweit das Auge reicht. Hetfield funktioniert die Zuschauer zweimal zum offiziellen Metallica Background-Chor um und erklärt selbige zur Familie. Abgesehen von dem Problem von dem Video war der Auftritt fehlerfrei, sowohl stimmlich und spielerisch als auch was die Pyro-Show angeht.

Die Party war in dieser Nacht noch lange nicht vorbei. Der Soundtüftler erster Kajüte, Skrillez, lud zum Tanz ein und laut André Lieberberg (Sohn von Marek Lieberberg und Programmdirektor) kamen 50.000 Leute, um einen "Punkrave" zu veranstalten. Einer der Überraschungserfolge und der Beweis für die Toleranz der Festivalbesucher. Wo sonst sieht man Punks und Headbanger zu einer Kombination aus Elektro und Techno, unter die sich auch immer wieder Reggae-Rhythmen mischen, ausgelassen tanzen? Übrigens nicht nur die, sondern auch Wilson Gonzales Ochsenknecht.

mehr Fotos und Berichte zu Rock am Ring 2012 gibt's im Special unter regioactive.de/rockamring!

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