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The Rolling Stones 1978 © Universal Music

Losgelöst von der Frage, ob das eigentliche Bandjubiläum nicht erst 2013 ansteht, wenn sich der Einstieg von Charlie Watts in die Band zum 50. Mal jährt, würdigen wir an dieser Stelle, dass es The Rolling Stones geschafft haben 50 Jahre lang an der Spitze des Showbusiness überlebt zu haben. So wollen wir einige Anekdoten aus dem halben Jahrhundert Revue passieren lassen, die Aussichten auf Jubiläumsaktivitäten beleuchten und nachvollziehen warum die Band ihrem Namen The Rolling Stones alle Ehre macht.

Am 3. August 2006, kurz nach halb 11 Uhr abends, kommt ein wild aussehender, nicht mehr ganz junger Mann breit grinsend allein auf die Bühne im Stuttgarter Gottlieb-Daimler-Stadion, spielt auf seiner Gitarre einen unglaublich lässigen, auf nur zwei Harmonien basierenden Akkordwechsel und sorgt damit für Hochstimmung bei den ca. 50.000 Besuchern. Kurz darauf stolziert ein weiterer, auch nicht mehr ganz junger Mann dazu, um unter großem Einsatz von Mimik und Gestik zu singen: "Well, I saaawww ’er todaaaay at the reception...." …und das Stadion singt mit. Nach der halben Strophe bemerkt man, dass da noch ein dritter, deutlich distinguierter aussehender Mann am Schlagzeug sitzt und sehr dezent den Rhythmus unterstützt, den der Gitarrist so nonchalant schlägt.

Was diese Band ausmacht…

Keith Richards, Mick Jagger und Charlie Watts, der Nukleus der Rolling Stones, eröffnen die Zugabe You can’t always get what you want zu dritt und nach 90 Minuten Hauptprogramm mit voller Besetzung, einschließlich Hornsection und Backgroundsänger, hört man nun das, was die Band ausmacht in ihrer nackten Essenz: Ein Schlagzeuger, der dem Gitarristen folgt. Ein Gitarrist, der seinen Instinkten folgt. Ein Sänger, der sich auf dieser Basis in Szene setzt und Stadien mit seiner Präsenz ausfüllt.

Es gibt einige, die etwas herablassend auf die Stones blicken und mit Phrasen wie "das kann jeder Anfänger nach einem Jahr spielen", "der kann ja nicht mal singen/Gitarre spielen /Schlagzeug spielen" oder "die können nicht mal den Takt halten" ihre Argumentation zu unterfüttern versuchen. Sie werden nie verstehen, dass es gerade die Abwesenheit quantifizierter Beats und auf die exakte Tonhöhe gepitchter Melodien ist, die die Stones so unnachahmlich klingen lässt. Und konfrontiert man sie mit der Aussage "die Band heißt The Rolling Stones, weil sie nicht rockt, sondern rollt!", ist ihren Gesichtern zu entnehmen, dass sie keinen blassen Schimmer davon haben, was sich hinter diesem Satz verbirgt.

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Hätten sie einmal live miterlebt, wie der Song Midnight Rambler ein Stadion für acht Minuten in einen Bluesclub verwandelt, wie Keiths Gitarre so laut, kraftvoll bluesig verzerrt, urwüchsig und intensiv klingt, als hätte er seinen voll aufgedrehten Fendercombo fünf Meter vor einem selbst platziert – sie würden staunen. Und wenn dann die Band anfängt zu jammen, dem Song Raum gibt sich zu entfalten, ihn in Ecken schauen lassen, in denen er noch nicht war, das Tempo verändert und trotzdem tight bleibt – dann würden sie auch das mit dem "rollen, nicht rocken" verstehen. Und wer einmal Jagger dazu die Bluesharp spielen gehört hat, erlebt hat wie er flüstert, schreit und das Publikum mit "Everybody go WOOOOOOWWWWW!" auffordert, wird ohne nachzudenken "WOOOOOOWWWWW!" antworten.

50 Jahre an der Spitze der Pop- und Rockwelt

Die Stones sind nicht die erste Band, die ihr fünfzigjähriges Bestehen feiern kann, aber keine andere Band, die dieses Alter erreicht hat, war die ganze Zeit vorn mit dabei. In den frühen 60s brachten sie den Rhythm’n’Blues in die Londoner Clubs, wenige Jahre später waren sie der Gegenentwurf zu den weitaus angepasster agierenden Beatles und wurden zu Ikonen der Gegenkultur.

In den frühen 70s lebten sie den Modellentwurf der wilden, unbändigen Rockband vor, die in allen drei Bereichen (Sex, Drugs & Rock’n‘Roll) die Standards für zahllose Legenden setzten. Am Ende des Jahrzehnts schafften sie den Spagat sowohl der Punk-Generation den Schneid abzukaufen als auch neue Maßstäbe für Stadionshows zu setzen. Dass Marlon Richards (Sohn von Keith und Anita Pallenberg), der auf den wilden Touren immer dabei war, als erstes Wort nicht "mama" oder "daddy", sondern "room service" sprach, sagt viel über die Umstände aus, in denen die Band damals lebte.

Die 80s begannen und endeten jeweils mit Stones-Welttourneen, die Maßstäbe setzten. Dazwischen stand das Schicksal der Band mehrmals auf der Kippe. Jaggers Soloambitionen und Richards Wille, die Band nach den Jahren als Junkie wieder zu führen, führten zu Auseinandersetzungen und Schlammschlachten. Als man sich wieder zusammen gerauft hatte, begann die Neuzeit der Stones-Geschichte mit großen Touren und ab und zu auch mal neuen Alben.

Irgendwann auf einer der großen Welttourneen in den 90s besuchte der Argentinische Präsident ein Konzert der Band in Buenos Aires und versuchte an dem Chief Security Mann Jim Callaghan vorbei hinter die Bühne zu gelangen. Der Dialog, nach dem sich der Präsident verärgert von dannen machte, soll sich etwa so zugetragen haben: "Ich bin der Präsident dieses Landes und will die Band begrüßen!" – "Und dies ist die Backstage der Rolling Stones und hier kommt keiner herein, der nicht geladen ist!"

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Was kommt jetzt noch?

Aus Kreisen der Band wurde verlautbart, dass man durchaus daran denke das Jubiläum irgendwie zu feiern. Richards sprach sich gar dafür aus eine große Livesause zu veranstalten und auch die ehemaligen Mitglieder Bill Wyman und Mick Taylor dazu einzuladen. Allerdings gibt es noch keine konkreten Ansagen für das Jahr 2012. Wahrscheinlicher ist dagegen, dass im kommenden Jahr eine Serie von Konzerten zu erwarten ist. Die Idee, dass die Stones anstatt von Stadt zu Stadt zu reisen an ausgewählten Standorten eine ganze Reihe von Shows spielen, zu denen die Fans dann anreisen können, erscheint dabei als ein mögliches Szenario.

Unter diesen Umständen wäre sogar denkbar, dass Bill Wyman, der seinen Ausstieg damals unter anderem damit begründete dass er nicht mehr von Ort zu Ort fliegen wollte, bereit wäre, wieder dabei zu sein. Wyman wäre dann bereits 76. Jagger und Richards könnten ihren 70. im Rahmen dieser Konzertserien feiern. Und da Charlie Watts erst Anfang 1963 zu der Band stieß, wäre das Jahr 2013 gar das eigentliche Geburtsjahr der Rolling Stones, wie Richards unlängst verlautbaren lies.

Ob es bis dahin noch einmal ein neues Album der Band geben könnte, ist Spekulation. Vielleicht muss man sich auch an den Gedanken gewöhnen, dass die aktive Phase der Band vorbei ist und allenfalls noch nachbereitete Reissues der Glanztaten vergangener Tage (so wie mit Exile On Main Street und Some Girls bereits erfolgt) zu erwarteten sind. Aber, wer weiß – bislang waren die Stones noch immer für eine Überraschung gut!

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