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The Rolling Stones (live in Stuttgart, 2018) © Dominic Pencz

Das Herz der Rolling Stones hat aufgehört zu schlagen. Mit Charlie Watts verliert die Band ihren unersetzlichen Rhythmusgeber und Ruhepol. Wir würdigen den großen Schlagzeuger, der nie im Rampenlicht stehen wollte.

Man müsse sie von der Bühne tragen, hieß es. Oder Keith Richards sei nicht mit konventionellen Waffen zu töten. Nun hat das Schicksal hart an anderer Stelle zugeschlagen: Das rhythmische Herz der Rolling Stones hat aufgehört zu schlagen.

Am 25. August 2021 verstarb Schlagzeuger Charlie Watts im Alter von 80 Jahren in einem Londoner Krankenhaus. Wie die drei übrigen Mitglieder Mick Jagger, Keith Richards und Ron Wood damit umgehen, wird die Zukunft zeigen. Jetzt ist erstmal der Moment den Ruhepol der Band zu würdigen.

Jazz war seine große Liebe

Charles Robert Watts wurde 1941 in Bloomsbury, mitten in London geboren. Bereits als Zehnjähriger entdeckte er seine Liebe für das Schlagzeug. Amerikanischer Jazz von Charlie Parker und später John Coltrane hatte es ihm angetan.

Um seinen Vorbildern nachzueifern baute er sich aus einem Banjo eine Trommel, später schenkten ihm seine Eltern ein richtiges Schlagzeug. Mit 15 spielte Watts in seiner ersten Band. Während seines Studiums an einer Kunstschule und der Arbeit in einer Werbeagentur, spielte er in verschiedenen Jazzbands.

Über Korner zu den Stones

1962 wurde Alexis Korner auf den ruhigen Watts aufmerksam: eine Fügung, die wegweisend für sein Leben werden sollte. In der von Korner gegründeten Band Blues Incorporated lernte er Mick Jagger und Brian Jones kennen. Beide trennten sich jedoch nach kurzer Zeit von der Band und gründeten mit Keith Richards die Rolling Stones.

Watts war hingegen von Selbstzweifeln geplagt. Sein Spiel sei nicht gut genug für die angeblich begabteren Bandkollegen von Blues Incorporated. Als Folge stieg er Ende 1962 bei Alexis Korner aus. Da die jungen Rolling Stones zur gleichen Zeit keinen Drummer hatten, überredeten sie Charlie Watts zu ihnen zu kommen. Der Rest ist Geschichte.

Trocken und direkt

Charlie Watts war Zeit seines Lebens ein Pragmatiker. Sein Schlagzeugspiel war immer songdienlich und frei von überbordendem Gedresche – schnörkellos und trocken.

Songs wie "Jumpin Jack Flash", "Start me Up" oder "Satisfaction" wären ohne den treibenden Beat von Charlie Watts nicht dasselbe. Das machte ihn zum Herz der Band. Allüren und Attitüden der Glimmer Twins Jagger/Richards waren ihm immer fremd.

Ein Grund war sicherlich, dass Watts bereits 1964 heiratete und beide bis zu seinem Tod einander die Treue hielten. Es gibt die Geschichte, dass Watts die Avancen der Frauen in Hugh Heffners Playboy Mansion zurückwies und stattdessen lieber den Game Room aufsuchte.

Allseitige Würdigung

Die Nachricht von seinem Ableben löst weltweit Bestürzung aus. Paul McCartney umschreibt ihn als "Fels in der Brandung". Elton John würdigt ihn als "most stylish man".

Viele andere Kollegen würdigen seinen wegweisenden Stil. Die übrigen Stones posten Bilder. Keith Richards ein Drumset mit "closed"-Schild. Ein stiller Hinweis auf die Zukunft der größten Rockband der Welt?

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