Errors (live auf dem MELT! Festival-Sonntag 2011)

Errors (live auf dem MELT! Festival-Sonntag 2011) © René Peschel

Am Sonntag hieß es Abschied nehmen vom Melt!-Festival. Mit Auftritten von Cold War Kids, White Lies und den wiedervereinigten Pulp standen große Namen im Raum, die das Ende etwas leichter machten. Nur das Wetter spielte nicht mit.

{image}Wettergötter gibt es nicht, wer kann schließlich schon guten Gewissens dem Melt! Regen bringen? Man muss sich daher lieber bei den Übeltätern selbst beschweren, den Wolken. Diese warten am letzten Tag des Festivals nämlich heimtückischerweise direkt bis drei Uhr nachmittags, als sich die Tore des Geländes öffnen, um die ersten Tropfen gen Boden zu schicken. Nach vergeblichem Warten auf ein Ende des Regens steuern wir zielsicher das Intro Zelt an, um den Sonntag mit den Errors zu beginnen. Stephen Livingstone, der heute die Ansagen übernimmt, begrüßt das Publikum klassisch: "Hello, we're Errors. We're from Glasgow. We play some songs". Diese tragen dann so klangvolle Namen wie Germany oder A Rumour In Africa und klingen wie ruhigere Stücke von Mogwai, die durch einen Atari-Computer gejagt wurden. Kein Wunder also, dass die Band bei Mogwais Label "Rock Action Records" unter Vertrag steht. Wie am Festival-Freitag immer Markus Kavka auflegt, so schaltet das Melt! am Sonntag einen Gang zurück. Die Musik von Errors passt perfekt dazu.

-> Den Überblick über das Melt! 2011 findet Ihr hier

{image}Trotz vehementer Weigerung geht es nach dem Auftritt der Jungs aus Schottland nicht anders, wir müssen ins Freie. Schließlich darf man die Cold War Kids auf der Hauptbühne nicht verpassen. Gegen das Wetter singen sie zu Beginn Louder Than Ever an. Beim bald folgenden Mexican Dogs lümmelt Sänger Nathan Willett lässig hinter seinem Mikrofon. Diese und andere Gesten hat er sich wohl erfolgreich bei so manchem R&B-Künstler abgeschaut, denn so manch ausladendes Faustballen erinnert an gute alte Black Music aus den 90ern. Hang Me Up to Dry passt nicht nur vom Text her zur aktuellen Wetterlage, auch der Wechsel zwischen schleppenden Parts, bei denen man mit dem Kopf nicken muss, und dem lauthals heraus geschrienem Refrain lassen Sonntagsstimmung aufkommen. Royal Blue wird von Willet, Gitarrist Jonnie Russell und Bassist Matt Maust im Kreis stehend gespielt, als müssten die Drei da oben eine Beratung abhalten. Der Song selbst ist darüber hinaus zwar ganz nett, kommt aber gegen alte Klassiker kaum an. Am Ende merkt man das besonders beim großen Saint John: "Old Saint John on Death Row / he's just waiting for a pardon", schleppt sich bis in die hinterste Gehirnwindung, um sich dort festzukrallen.

{image}Jetzt wäre eigentlich Zeit für Plan B, der Engländer musste aber nach Kreislaufproblemen seinen Auftritt absagen (übrigens der einzige Ausfall im gesamten Line-Up). Ersatz fand sich schnell in den Elektropunkern von Frittenbude, die kurzfristig einsprangen, nachdem sie bereits auf der Pre-Party am Donnerstag das Intro Zelt aufwühlten. "Für mich soll's heute Acid regnen". Mit dem Opener Hildegard zaubern die drei Jungs aus Bayern einen Song aus dem Hut, der wohl schon so manche ins Wasser gefallene Party gerettet hat. Die Single Bilder mit Katze darf ebenfalls nicht fehlen, leider sieht man dank Regencape keine Audiolith-Shirts. Mit Raven gegen Deutschland und Unterstützung von Egotronics Sänger Torsun haben Frittenbude die Menge in der Hand. Bevor das regioactive.de-Team zu den Fotos sprintet, die im Intro Zelt auftreten, formt das Publikum für Sänger Johannes Rögner mit den Händen ein Herz für ein Erinnerungsfoto. Rögner trägt an diesem Tag auch ein wunderschönes T-Shirt mit zwei Wolfsköpfen, das zwar nicht so mächtig sein kann wie das "Three Wolf Moon"-Shirt, aber bestimmt nahe herankommt.

{image}Das Intro Zelt ist überdacht – Zeit zum Trocknen! Dabei helfen die Fotos. Dass vielleicht wegen dem Regen zwei bis drei Leute mehr da sind als bei strahlendem Sonnenschein, bemerkt auch Sänger Thomas Hessler: "Wir finden es toll, dass es regnet – weil ihr dann alle hier seid." Aber auch so wissen die Hamburger zu begeistern. Ihren typisch deutschen Musikstil kann man mögen oder nicht. Live hingegen sind selbst ältere Songs wie Viele oder Es reißt uns auseinander, die beide vom ersten Album Fotos stammen, überzeugend. Man nimmt den Jungs diese Musik ab, alles klingt ehrlich. Dafür sorgen aber auch Stücke wie das wunderbare Mauer aus dem neusten Album Porzellan, das schlicht und einfach mitnimmt. Auch Nach dem Goldrausch darf natürlich nicht fehlen, nur "Die Stadt liegt da, vom Regen nass / Nie passiert hier irgendwas" stimmt hier und heute in der Stadt aus Eisen nicht einmal bei diesem Mistwetter, denn beim Melt! passiert immer irgendetwas.

{image}Wo wir gerade bei Mistwetter sind: Die White Lies bringen nach langem Nieselregen die dicken Regentropfen mit. Wer jetzt noch nur Turnschuhe trägt, kann eigentlich auch gleich barfuß laufen (was sowieso gesünder ist). Harry McVeigh, Sänger der Engländer, bedankt sich daher auch gleich am Anfang artig bei denen, die den Elementen trotzen: "Thank you for joining us in this rain". Farewell to the Fairground, Strangers, E.S.T. und natürlich das jetzt passende, weil traurige Unfinished Business werden dem Publikum vorgesetzt, das dankbar mitsingt. Uns reicht es dann aber doch irgendwann, nur wohin jetzt? Bodi Bill treten auf der benachbarten Gemini Stage auf, und wer Glück hat, kann sich einen Platz unter dem Dach ergattern. Die Berliner haben es immer noch drauf, abgesehen von der weitaus größeren Menschenmasse ist der Auftritt genauso gut wie im Mai im kleinen Heidelberg. Bewegung zur Musik ist zwar nicht wirklich möglich, sonst würde am Ende noch jemand aus dem Unterstand rausgedrückt werden, aber Kopfnicken ist möglich.

{image}Es folgt endlich der Auftritt der Auftritte auf dem Melt!-Festival 2011. Alle hatten ihn erwartet, weswegen auch ein Großteil der Besucher vor der Hauptbühne steht, um die großen Engländer wiederzusehen... oder auch nicht. Pulp, die wiedervereinigten Popper um Jarvis Cocker, spielen vor einer überschaubaren Menschenmenge. Wo gestern bei The Streets noch die hintersten Reihen voll waren, hüpfen jetzt Wagemutige über die Pfützen, die sich langsam zu einer kleinen Seenlandschaft verbinden. Da kann Cocker auch nicht viel anrichten, obwohl er sichtlich Freude hat, sich redselig gibt und auf der Bühne herumrennt. Diese vergebliche Liebesmüh kann zum einen am Wetter liegen und damit den oben genannten bösen Wolken zugeschoben werden. An der Musik liegt es aber vielleicht auch, da sie leider dann doch zu entspannt ist. Die Kollegen von der Intro bezeichnen den Auftritt im Nachhinein als "eine der unpeinlichsten Reunions der Musikgeschichte". Das mag vielleicht sein, eine der spannendsten Reunions ist der Auftritt aber leider auch nicht.

{image}Chef-Booker Stefan Lehmkuhl spricht dann abschließend vom "vielleicht besten und abwechslungsreichsten Melt! aller Zeiten". Dem kann man wohl nur zustimmen, auch wenn bereits das letztjährige Melt!-Festival schwer zu übertreffen war. 2012 wird das hoffentlich so weitergehen, Pläne gibt es genug. So soll die Umweltkampagne M!eco, die bereits erste kleine Früchte trägt, auch im kommenden Jahr weitergehen. 2010 hatte man sich auf das Thema Transport konzentriert und mit dem Melt!-Zug schon einmal einen kleinen Grundstein gelegt. Dieser fuhr auch in diesem Jahr wieder, zusätzlich installierte man Solarzellen auf dem Festivalgelände und unterstützte die MorgenMelt! Rocks Tournee, bei der über 100 Menschen per Fahrrad von Hamburg aus entlang der Elbe Richtung Melt! fuhren. Wir sind gespannt, was sich das Melt!-Festival im kommenden Jahr für die Umwelt ausdenkt. Für das Wohl der Besucher wird jedenfalls gesorgt sein. So sollen fest installierte Sanitäranlagen auf dem Gelände entstehen und das Angebot an vegetarischem Essen erweitert werden. Wieder ein paar Gründe mehr, sich auf das Melt! 2012 zu freuen.

-> Den Überblick über das Melt! 2011 findet Ihr hier

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