Das Sziget Festival in Budapest lockt seit vielen Jahren mit dem Motto "Island of Freedom". Dass das trotz aller kommerziellen Aspekte keine leere Worthülse ist, zeigt ein Besuch auf dem europäischen Mega-Festival, das in mehr als einem Aspekt an das Coachella erinnert.

Fünf Tage, eine komplette Donauinsel und hunderttausende Menschen aus aller Welt. Das Sziget Festival ist groß. Sehr groß sogar. Wer das Gelände zum ersten Mal betritt, braucht vermutlich erst einmal ein paar Minuten, um überhaupt zu verstehen, was hier alles passiert.

Wenn man nicht bei einer Zirkusshow, am Bungee-Jumping, einem Graffiti-Workshop, am Strand oder bei unzähligen weiteren Attraktionen auf der “Island of Freedom", dann gewiss bei einem der über 1000 Konzerte auf einer der 50 Bühnen.

Europas Coachella?

Twenty One Pilots, Florence + The Machine, Zara Larsson, Sombr oder Bring Me The Horizon. Beim Blick auf die Headliner erinnert das Line-up schnell an andere große internationale Festivals.

Aber nicht nur deshalb fühlt sich das Sziget stellenweise wie die europäische Version von Coachella an. Das Festival lebt mindestens genauso sehr von allem, was zwischen den Konzerten passiert.

Menschen aus verschiedensten Ländern laufen über die Insel, überall stehen Kunstwerke, locken kleine Locations oder verschiedene Aktiviten. Selbst wer gerade keinen bestimmten Act sehen möchte, findet ziemlich schnell irgendetwas zu tun.

Nicht nur Vorhersehbares

Wer das Line-up nur oberflächlich anschaut, könnte das Sziget ziemlich schnell in die Pop-, Hip-Hop- und EDM-Schublade stecken. Ganz so einfach ist es aber nicht. Mit Bring Me The Horizon steht einer der größten Namen der modernen Metal-Szene auf der Main Stage. Dazu kommen unter anderem Annisokay, Baby Lasagna, Avralize und viele mehr.

Gerade bei Bring Me The Horizon zeigt sich, dass auch härtere Musik auf der Insel ihren Platz findet. Vor der Bühne war ordentlich was los, obwohl Metalcore hier sicherlich nicht das Genre ist, wegen dem der Großteil der Besucher nach Budapest reist.

Auch deutsche Musik funktioniert auf dem Sziget gut, natürlich auch wegen der zahlreichen deutschen Zuschauer. Bei Ski Aggu und Ikkimel wird aber auch deutlich, das die Sprachbarriere kaum eine Rolle spielt.

Nicht nur das Nötigste 

Was beim Sziget neben der Musik besonders positiv auffällt, ist der Umgang mit den Besuchern.

Ein Medical Center gehört bei einem Festival dieser Größe natürlich dazu. Auf der Insel geht das Angebot aber deutlich weiter. Es gibt Anlaufstellen für psychische Probleme, Awareness-Angebote und sogar kostenlose Gesundheitschecks wie Hautkrebs-Screenings. 

Man bekommt an vielen Stellen das Gefühl, dass hier nicht nur möglichst viele Menschen durch die Tore geschleust werden sollen, sondern tatsächlich darüber nachgedacht wird, was die Besucher während des fünftägigen Festivals tatsächlich brauchen.

Festivalpreise, die noch klargehen

Natürlich ist das Sziget teurer als Budapest außerhalb des Festivalgeländes. Trotzdem halten sich die Preise im Vergleich zu vielen anderen großen Festivals noch ziemlich im Rahmen.

Neben konstenlosem Wasser, gibt es andere Getränke teilweise schon für rund vier bis fünf Euro. Beim Essen muss außerdem jeder Stand mindestens eine günstigere Option anbieten. Für ungefähr neun Euro bekommt man so auch auf dem Festival noch eine richtige Mahlzeit.

Für die, die noch günstiger durch die Woche kommen möchten, gibt es auch einen Aldi mitten auf dem Festivalgelände. Gerade für die Camping-Fraktion ein absoluter Luxus.

Camping mittendrin

Überhaupt funktioniert Camping auf dem Sziget etwas anders als bei vielen deutschen Festivals. Die Insel ist nicht streng in Festivalgelände und Campingplatz aufgeteilt. Natürlich gibt es verschiedene Campingbereiche, trotzdem stehen an vielen Stellen Zelte nur wenige Meter von Bühnen, Bars und anderen Programmpunkten entfernt.

Der morgendliche halbstündige Weg zum Infield fällt damit weg. Man wacht im Grunde schon mitten im Festival auf. Ob man das nach fünf Tagen immer noch genauso romantisch findet, hängt vermutlich davon ab, wie viel Schlaf man braucht.

Mehr als nur Headliner

Natürlich kann man zum Sziget fahren, weil Bring Me The Horizon, Twenty One Pilots oder Zara Larsson spielen, aber nach einer Woche bleiben noch viel mehr Erinnerungen als nur die Acts.

Jedem, der nicht nur eine Woche Konzerte, sondern eine Woche Unterhaltung, ein Gefühl von Geborgenheit auf einem Festival sucht, ist das Sziget sehr zu empfehlen.