Schon ab 18 Uhr stimmt Lokalmatador und Ausnahmegitarrist Siggi Schwarz mit seinem Trio den gut gefüllten Schlosspark mit ausgesuchten 60s/70s Rockcovern und Eigenkompositionen auf den Abend ein.
Üppiges Vorprogramm
Die nette Dame vom RockFM Radio muss danach die Menge vertrösten, da der amerikanische Special Guest des Abends beim Transport vom Hotel zum Schlosspark eine Panne erlitten hat. Eine halbe Stunde später als geplant liefern Mother's Finest dann ein einstündiges Funkrock-Konzert, das in den besten Momenten an ihren legendären Auftritt beim Rockpalast in der Essenener Grugahalle 1978 erinnert.
Die immerhin vier Originalmitglieder um Sängerin Joyce Kennedy und Energiebündel Gary "Moses Mo" Moore an der Gitarre, versprühen große Spielfreude; egal ob sie Led Zeppelins Rock’n‘Roll in "Mickey's Monkey" einbauen, brandneues Material implementieren oder mit ihrem weltbekannten Discohit "Baby Love" alle abholen.
Neues Material zu Beginn
Die aktuelle, Wacken-erprobte Besetzung von Uriah Heep mit den "neuen" Mitgliedern Davey Rimmer am Bass und Russell Gillbrook am Schlagzeug, weiß genau was das Publikum erwartet, lässt es sich aber nicht nehmen drei neuere Songs in ihr Set zu integrieren.
Besonders der wuchtige Opener und mit alten Heep Trademarks versehene "Crazed In Heaven" wird dabei wie ein alter Bekannter gefeiert. Das Uptempo von "Save Me Tonight" erhöht dann noch den Puls bei der Anhängerschaft.
Das "kleine" 40-jährige Jubiläum
Seit 40 Jahren greift Phil Lanzon dabei als legitimer Nachfolger des unvergessenen Ken Hensley beherzt in die Tasten, genauso lange wie Bernie Shaw, kanadischer Sänger und Sympathieträger der Band.
Beide bewirkten in den letzten Jahrzehnten eine stärkere Ausrichtung des Bandsounds an härteren Gefilden, was sich auch an diesem Abend in vielen "Heavy"-Bandshirts im Publikum widerspiegelt. Heep sind Kult bei der Heavy Metal-Gemeinde.
Bewegte Bandgeschichte
Das restliche Material des Abends pendelt strikt zwischen 1970 und 1973 als die Briten so viele Platten wie ihre Landsleute von Deep Purple und Led Zeppelin verkauften und jedes Jahr mindestens eine neue Studioplatte veröffentlichten.
Erst als Bassist Gary Thain 1975 tragisch verstarb und der flamboyante Sänger David Byron 1976 die Bodenhaftung verlor und von der Band entlassen wurde, sank Ihr Stern langsam. Der kommerzielle Erfolg in den 1980ern mit verschiedenen neuen Sängern ließ merklich nach.
Die frühen Höhenflüge
Der Abend zelebriert also die absoluten Höhen der Bandgeschichte und von denen gab es reichlich. Wenn Mick Box mit der akustischen Gitarre, zusammen mit seinem Sänger "The Wizard" von 1972 anstimmt, spürt man förmlich, wie der Song das Publikum verzaubert.
Egal ob beim bluesigen "Stealin'" vom 1973er Album "Sweet Freedom" oder beim hart rockenden "Gypsy" vom Debut "Very 'Eavy, Very 'Umble" kommt auch im Jahre 2026 der prägnante mehrstimmige Backinggesang zum Einsatz, der die Stücke der Band so einzigartig macht.
Als man sich noch Zeit nehmen konnte
Bernie Shaw spricht bei den Ansagen passables Deutsch und erzählt von den 70s und was man früher unter progressiven Longstracks verstand. Dementsprechend entführen The Magician's Birthday und "July Morning" in eine Zeit, bei der sich alle Musiker einfach ausufernd Zeit nehmen durften.
Mick Box Soli werden bejubelt und das ist kein Wunder: Der Mann strahlt mit 79 die Ruhe eines Buddhas aus. Seine beschwörenden Handbewegungen beim Spielen, spiegeln dabei die Magier wieder, die in den frühen Texten besungen werden.
Uriah Heep kombinierten in Ihren besten Momenten Hardrock mit progressiven und fantastischen Momenten, eine Mischung, die zum Teil durch die Plattencovergestaltung von Roger Dean (Yes) noch unterstrichen wurde.
DIE Classic Rock Ballade am Ende
Das schmissige "Sweet Lorraine" gerät etwas zu schnell und hat nicht ganz die Eleganz der 72er-Studioversion.
Am Ende holt Mike Shaw am Bühnenrand zum unvermeidlichen Klassiker das Publikum mit ins Boot. "Lady In Black" hat all die Jahrzehnte überlebt und sorgt auch an diesem Abend dafür, dass alle Anwesenden mitsingen.
Rauschhafte Zugaben
"Sunrise" und "Easy Living" fegen als Zugaben über das Publikum hinweg und zeigen, dass Bernie Shaw nach 40 Jahren seine Sporen als Byron Nachfolger längst verdient hat.
Der 70-Jährige hängt sich nochmal voll rein und das Publikum dankt es mit minutenlangem Beifall. Keiner der Anwesenden glaubt, dass das Ende war. Die Spielfreude und Homogenität der Band sind auch an diesem Abend alterslos.
Epilog: Abschied Auf Raten
Es gäbe keinen genauen Zeitplan, lässt Mick Box wissen. Man wolle sich überall nochmal verabschieden und das könne ein paar Jahre dauern.
Zu Beginn des Jahres erkrankte das einzig verbliebene Gründungsmitglied allerdings und konnte einige Konzerttermine nicht wahrnehmen. Der Gitarrist ruderte zwischenzeitlich zurück: "Vielleicht machen wir doch weiter".
Setlist
Grazed by Heaven / Save Me Tonight / Shadows Of Grief / Stealin' / Hurricane / The Wizard / Sweet Lorraine / The Magician's Birthday / Gypsy / July Morning / Lady In Black / Sunrise / Easy Livin









