Nachdem sich das Maifeld Derby 2025 aus seinem gewohnten Rahmen verabschiedet hatte, durften sich Fans 2026 über eine kleinere Neuauflage freuen. Statt auf dem Maimarktgelände fand das Festival diesmal auf dem Gelände der halle02 in Heidelberg statt und das erneut mit internationalem Programm und vielen musikalischen Highlights.

Nach den schlechten Nachrichten im Frühjahr 2025 hatte Maifeld-Derby-Veranstalter Timo Kumpf bereits im vergangenen Sommer angekündigt, dass es 2026 ein kleines Indoor-Maifeld-Derby geben werde. "Ich möchte nicht verantworten, diese einzigartige Community aufzulösen", schrieb Kumpf damals in einem Facebook-Beitrag.

Dass die Community ebenfalls nicht ans Aufhören dachte, zeigte sich schnell: Die 1500 Tickets waren innerhalb weniger Tage ausverkauft.

Gute Vibes

Doch nicht nur treue Fans, sondern auch das Wetter ist der "Maifeld Shetland Pony Hobby Edition" wohlgesonnen. An einem der ersten Wochenenden des Jahres, das sich wirklich nach Sommer anfühlt, ist das Festivalgelände schon früh gut gefüllt. Praktisch, dass neben dem großen Saal und dem kleineren Club-Bereich der halle02 auch eine Open-Air-Bühne sowie zahlreiche Sitzmöglichkeiten inklusive Hängematten zur Verfügung stehen.

Nachdem die Mannheimer Singer-Songwriterin Kathi Deakin, die erst vergangenes Jahr ihr Debütalbum veröffentlicht hat, das Festival auf der Open-Air-Bühne eröffnet hat, muss das Maifeld-Team seine Flexibilität direkt erneut unter Beweis stellen.

Der US-amerikanische Künstler Yungmorpheus kann aufgrund von Problemen bei der Anreise nicht wie geplant auftreten. Stattdessen übernimmt kurzerhand die Stuttgarter Band Horizontaler Gentransfer den Slot im Club.

Instrumentale Musik mit Haltung

Los Sara Fontan starten daraufhin etwas früher als angekündigt in ihr Set auf der Open-Air-Bühne. Mit Geige, Schlagzeug und Synthesizer zieht das Duo das Publikum schnell in seinen Bann.

Obwohl ihre Songs rein instrumental sind, ist es Los Sara Fontan wichtig, das zugrundeliegende Konzept deutlich zu machen. Gäbe es Texte zu ihrer Musik, würden sie sich gegen Rassismus, Faschismus und das Patriarchat richten, erklären die beiden.

Voll auf die Zwölf

Ähnlich klar positionieren sich auch Iedereen, die kurz darauf im Saal auftreten. "Iedereen ist Niederländisch und heißt alle", erklärt Sänger und Gitarrist Tom Sinke. Das bedeute auch, dass sich jede Person auf ihren Konzerten wohlfühlen solle. "Habt euch lieb" steht unter anderem auf der Leuchttafel auf der Bühne, kurz darauf gefolgt von "Haarausfall ist kein Makel". Iedereen geben sich gerne albern, wissen aber natürlich genau, was sie tun.

Gleich zu Beginn teilen Sinke und sein Kindergartenfreund sowie Bandkollege Ron Huefnagel das Publikum, um Raum für's "Aufeinanderzugehen" in Form nachsichtiger Moshpits zu schaffen. Diese Gelegenheit wird während des gesamten Konzerts immer wieder genutzt.

Das Publikum zeigt sich ähnlich energetisch wie die Band selbst. Sinke und Huefnagel tauchen mal hier, mal dort auf der Bühne auf, bauen am Ende kurzerhand das Schlagzeug auseinander und suchen immer wieder die Nähe zum Publikum. Während Sinke in der Menge verschwindet, übernimmt Besucherin Isabella spontan die Gitarre.

Meisterlicher Pop

Etwas nachdenklicher, aber nicht minder politisch präsentiert sich die belgische Indie-Pop-Band Dressed Like Boys. Hier treffen an Sufjan Stevens erinnernde Melodien auf starke Botschaften. Mit "Jaouad" widmet Bandleader Jelle Denturck dem belgischen Aktivisten, Künstler und Dragqueen Jaouad Alloul einen ergreifenden Song.

Und eindrucksvolle Songs hat Denturck reichlich im Gepäck. Die Pop-Perle "Lies" besitzt eine mühelose Eleganz, während die ausladende Version von "Pinnacles", das ebenso gut ein verlorener Elton-John-Song aus den 70ern sein könnte, schlichtweg großartig ist.

Mit "Stonewall Riots Forever" besingt Denturck zum Ende des Sets außerdem eines der wichtigsten Ereignisse der LGBTQIA+-Geschichte und das inklusive kurzer Geschichtsstunde.

Es bleibt politisch

Auf der Außenbühne folgt die Garagen-Punk-Band Bikini Beach, die mit großer Energie für Abriss in der Sommerhitze sorgt. Für entspanntere Momente sorgen anschließend Way Dynamic. Die Australier punkten mit nonchalanten Folk-Pop-Songs, zu denen sich die letzten Sonnenstrahlen genießen lassen.

Zurück im großen Saal: Marlon Grosshardt ist in den vergangenen Jahren vor allem durch Songs wie "Oma", "Astronaut" und "Ein Spiel (feat. piya)" bekannt geworden. In seinen Texten setzt er sich unter anderem für Seenotrettung und gegen die AfD ein – und tritt mit diesen Themen regelmäßig auch auf Demonstrationen auf.

Eine Show wie die in der halle02 scheint für ihn dennoch ungewohnt zu sein. "Ich glaube, das ist vielleicht unser größtes Publikum bisher", erklärt Grosshardt. Anmerken lassen er und seine Band sich davon allerdings nichts: Sie haben das Publikum von Beginn an fest im Griff.

Einzigartige Sounds

Für den Abschluss des eintägigen Maifeld Derbys 2026 im großen Saal sorgt Geordie Greep. Der ehemalige Frontmann der experimentellen Rockband black midi hat mit seinem Debütalbum "The New Sound" große Begeisterung bei Fans und Kritikern ausgelöst.

Warum das so ist, wird schnell klar: Greep strebt tatsächlich einen „neuen Sound“ an. Prog-Rock, Jazz, Latin-Elemente und experimentelle Formen verschmelzen zu einem schwer greifbaren Ganzen. Besonders heraus stechen die komplexen Rhythmen, tosenden Instrumental-Kaskaden und Greeps jazzartige Vocals. Ein völlig einzigartiger und definitiv hörenswerter Auftritt.

Geheimnisvoller Darkwave

Parallel tritt die Darkwave-Künstlerin Rosa Anschütz im Club auf, der über den gesamten Tag hinweg so gut gefüllt ist, dass zeitweise sogar der Einlass gestoppt werden muss. 

Mit Nebel und grünem Licht schafft Anschütz die perfekte Kulisse für ihren hypnotischen und geheimnisvollen Sound. Am Schluss macht sie dann wortwörtlich "die Fliege", denn so plötzlich, wie sie die Bühne betreten hat, verschwindet sie schließlich begleitet von lautem Insektensummen auch wieder.

Es geht weiter

Auch in seiner eintägigen Form bot das Maifeld Derby eine enorme Bandbreite kreativer Sounds und musikalischer Ausdrucksformen. Der ungebrochene Zuspruch der Fans macht jedenfalls Hoffnung auf eine Zukunft des Festivals.

Das nächste Wiedersehen steht ohnehin schon fest: Für das Maifeld Amüsement am 15. August in der Alten Feuerwache Mannheim sind die ersten Bands bereits bestätigt.