Vor 11 Jahren erschien unter dem Titel "Slowhand at 70” ein Livealbum aus der Royal Albert Hall, das Eric Clapton in beeindruckender Form zeigte. 2019 war er zuletzt in der SAP-Arena zu Gast: Damals spielte er gar "Layla" in einer akustischen und einer umwerfenden elektrischen Version.
2026 kehrt Clapton im Alter von 81 Jahren in die SAP Arena zurück. Das Konzert zeigte allerdings, dass das Alter mittlerweile deutlich seinen Tribut fordert. "Slowhand" war ja nie ein Spitzname, der andeuten sollte, dass Claptons Hände beim Gitarrespiel nicht die schnellsten seien
Nachlassende Kräfte
Der Name hat seinen Ursprung darin, dass ihn die Fans in den 1960er Jahren in London mit einem langsamen Klatschrhythmus gefeiert haben. Wer ihn in Mannheim live gesehen hat, stellte aber fest, dass die Geschmeidigkeit und Geschwindigkeit seines Solospiels auf der E-Gitarre nicht mehr dem entspricht, was man aus sechs Jahrzehnten von ihm gewohnt ist.
Dafür sind vielleicht nicht nur normale Alterserscheinungen, sondern auch die Nervenerkrankung verantwortlich, die Clapton schon vor vielen Jahren publik gemacht hat. Angesichts dieser Tatsache ist es mehr als respektabel, was Eric Clapton an diesem Abend auf die Bühne bringt. Die meisten Fans sind jedenfalls trotz allem beglückt und streckenweise begeistert.
Ein Weggefährte zum Auftakt
Den Abend eröffnet ein langjähriger Freund und Mitmusiker Claptons, Andy Fairweather-Low mit seiner Band The Low Riders. "I’ve got 30 minutes, so I’ll do no more talkin‘ and just play" sagt er zu Beginn und liefert damit die längste Publikumsansprache des Abends, denn Clapton spricht in bester Dylan-Manier gar nicht zu den Fans.
Mit dem Georgie Fame-Klassiker "Night Train" legen sie los und die beiden Saxophone liefern mitreißende Bläsersätze. Bei "Hymn 4 My Soul" stechen die Zeilen "Nobody knows you, when you’re down and out" hervor und man fragt sich, ob er es wirklich wagen kann einen Song, der seit Jahrzehnten einen festen Platz in Claptons Set hat, schon im Vorprogramm zu spielen.
Aber erstens ist der Song wirklich etwas anders (wenn auch sehr ähnlich) und zweitens sind sie ja gute Buddys. Drei Instrumentalhits hintereinander ("Tequila", "Peter Gunn" und "Apache") sorgen für ordentlich Stimmung.
Mit der Ankündigung "You get two songs for the price of one!" schickt er gleich einen Doppelpack aus "Lay My Burden Down" und "Will The Circle Be Unbroken" hinterher. Die Band hat Spaß und es gelingt ihr das Publikum in der SAP Arena mitzureißen. Ein sehr guter Auftakt!
Gemischter Beginn
Nach einer halben Stunde Umbaupause beginnt Clapton dann mit dem Cream-Klassiker "Badge" sein Set. Über die Jahrzehnte wurde der an sich perfekte 2:45 Minuten lange Song immer mehr verlängert, diesmal geht es instrumental mit der Bridge los, die dann insgesamt dreimal gespielt wird.
Clapton sieht altersgemäß gut aus, aber es hakt sowohl beim Gitarrenspiel als auch beim Gesang an einigen Stellen. "Badge" geht direkt über in den nächsten Song "Key To The Highway", die ewige zweite Nummer im Set. Pianist Chris Stainton ist sogar noch ein Jahr älter als Clapton, aber fit wie ein Turnschuh und begeistert gewohnt virtuos an den Tasten.
"I'm Your Hoochie Coochie Man" folgt wie gewohnt, eine Nummer, die bei Clapton immer sehr gut funktioniert – auch an diesem Abend. Danach folgt eine instrumentale Überleitung in "I Shot the Sheriff". Auch dieser Klassiker kommt solide daher, beim langen Solo am Ende spielt Clapton geschmackvoll, aber deutlich reduzierter als früher.
Gelungenes Akustik-Set
Es folgt wie immer das Akustikset. Beim "Kind Hearted Woman Blues” sitzt Clapton allein auf der Bühne und huldigt Robert Johnson auf sehr souveräne und würdevolle Weise. Hier kann er seine Klasse ausspielen und weiß zu überzeugen.
Überhaupt setzt ihn das Unplugged-Format besser in Szene als das elektrische Line-up. Mit "Golden Ring" gibt es gar einen Deep Cut aus dem 1978er Album "Backless", der über Jahrzehnte nicht im Programm war.
Kollektives Entzücken
Die Eröffnungsakkorde von "Layla" lassen dann einen kollektiven Entzückungsschrei des Publikums hören und auf einmal sind alle Handys in der Luft um den Moment festzuhalten. "Layla" gerät sehr schön mit spannenden Gesangsphrasierungen und einem tollen Kontrabasssolo von Nathan East.
Bei "Tears In Heaven" hält gefühlt die ganze Halle die Handys in der Luft. Dass Clapton den Song seit langem als Reggae interpretiert, nimmt dem Song zwar die Schwere und die Trauer, lässt ihn aber auch etwas belanglos werden.
Sturm zur Bühne
Mit dem seichten "Holy Mother" geht es dann elektrisch weiter und auch der an sich unverwüstliche "Crossroad Blues" kommt etwas schlaff daher. Bei "Little Queen Of Spades" verwandelt sich die SAP-Arena dann in einen Bluesclub mit alten Backsteinen als Videomauer.
Ausladende Soli werden angemessen beklatscht, die Bluesfans nickend anerkennend und Clapton stellt, wenn er auch sonst nicht spricht, wenigstens die Musiker vor. Danach geht es in eine ebenfalls eher langsame Version von "Cocaine" über und die Fans hält es jetzt nicht mehr auf den Sitzen, sie stürmen nach vorne zur Bühne, um die Musiker anzufeuern.
Eine letzte Gelegenheit?
Nach dem Song gehen diese ohne ein Wort von der Bühne, kehren aber noch einmal für eine Zugabe zurück. "Before You Accuse Me" hat dann den Drive, den es haben muss und beschließt das Konzert wunderbar. Die Band verbeugt sich und dann ist der Gig ohne ein Wort zum Abschied vorbei.
90 Minuten inklusive Zugabe konnten die Fans Eric Clapton noch einmal live erleben. Eine große Karriere neigt sich dem Ende zu.
Setlist
Badge / Key To The Highway / I'm Your Hoochie Coochie Man / I Shot the Sheriff / Kind Hearted Woman Blues / Nobody Knows You When You're Down and Out / Golden Ring / Layla / Tears in Heaven / Holy Mother / Crossroad Blues / Little Queen of Spades / Cocaine // Before You Accuse Me








