Mit ihrem neuen Album "Wenn es Liebe ist" im Gepäck machen Die Sterne Station im Karlstorbahnhof in Heidelberg. Als Support haben sie die Österreicherin Resi Reiner mitgebracht, die in Graz geboren ist und mittlerweile in Wien lebt, aber so gar keinen österreichischen Akzent hat. Als wären ihre Eltern aus Hannover.
Aber sie hat Wien verinnerlicht, so wie in dem Song "Bar Royal", das in einer Künstlerkneipe in Wien spielt, dessen richtigen Namen sie allerdings nicht verraten will, damit es ein Geheimtipp bleibt. Ihre Band hat sie zuhause gelassen und die Backingtracks kommen aus der Konserve aber egal, ihre Songs kommen gut an und mit "Na ja, geht so" beendet sie einen kurzweiligen Supportslot.
Das neue Album komplett
Nach einer kurzen Umbaupause geht dann das Licht aus und es erklingt "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" in der alten Version von Marlene Dietrich. Auf die Bühne kommt Frank Spilker – solo – und er greift sich eine akustische Gitarre und spielt "Universal Tellerwäscher". Okay, mal was anderes. Funktioniert.
Zu „Die Interessanten“ kommt Keyboarderin Dyan Valdés mit dazu. Und als danach Drummer Jan Philipp Janzen und Bassist Phillip Tielsch auf die Bühne kommen, eröffnet Spilker, dass sie jetzt das neue Album komplett am Stück spielen würden. Mutiger Move.
Noch mutiger ist, dass sie mit dem letzten Stück von „Wenn es Liebe ist“, dem 10-minütigen Instrumentaltrack „Immer noch sprachlos“ loslegen – Krautrock in Reinkultur, allerdings eher von der ereignisarmen Sorte, so dass bei vielen ein „Kann man so machen, muss man aber nicht…“-Moment entsteht.
Stärkere Krautrock-Elemente
Aber, hey, es sind Die Sterne und sie können das bringen, zumal die, die das Album kennen, ja wissen, dass es danach deutlich besser wird! Die Sterne waren immer schon die Band der Hamburger Schule, die den meisten Funk und Groove verinnerlicht hat.
Seit ihrer Umbesetzung vor 7 Jahren sind die Krautrock-Elemente deutlich stärker im Bandsound und in den Songs verinnerlicht und die aktuelle Rhythmusgruppe kann das vor allem super umsetzen, so dass repetitive Grooves nicht öde sind, sondern hypnotisch daherkommen.
Gute Stimmung
Beim folgenden „Fan von Irgendwas“ wird deutlich, dass da auch ein Clicktrack hilft, denn die Computerstimme kommt aus dem Off. „Fan von Irgendwas“ bringt auf den Punkt, was die neue Besetzung ausmacht – die exotische Stimme von Dyan Valdés, der monotone, aber präzise Krautrock-Beat und der ausdrucksstarke Bass von Tielsch.
Spilker kündigt das anschließende „Ich nehme das Amt nicht an“, das auf dem Album als Opener fungiert, als einen wilden Rocksong „so wie früher“ an und es zeigt sich, dass Die Sterne auch diesen Stil noch authentisch draufhaben. „Ich habe nichts gemacht (außer weiter)“ geht direkt in „GNZRZND“ (man ergänze die Vokale) über und auch wenn eine richtig volle Hütte noch besser bekommen wäre, ist die Stimmung jetzt schon richtig gut und die neuen Songs begeistern das Heidelberger Publikum.
Wiederfindung eines alten Songs
Als letztes der neuen Stücke spielen sie „Easy auf Rezept“ nur mit E-Piano am Ende dezent mit Gitarre dazu, bevor es mit „Gleich hinter Krefeld“ wieder in Richtung Backkatalog geht. Er erzählt wie sie den alten Song „Was ist hier los“ neu entdeckt haben und selber überrascht waren, wie toll der sei.
Toll ist auch „Wahr ist was wahr ist“, aber das stand nie außer Frage. Zum Abschluss des regulären Sets kommt das unvermeidliche „Was hat dich bloß so ruiniert“ und dass danach begeistert Zugaben gefordert werden, ist unvermeidbar im positiven Sinne.
Die Mischung stimmt
Mit „Hallo Euphoria“ und „Depressionen aus der Hölle“ folgt ein erstes starkes Zugabenset, mit „Du musst gar nix“ und „Fickt das System“ sogar noch ein besseres. „Fickt das System“ fasst den Abend musikalisch noch mal zusammen, denn es beginnt wie der alte Klassiker, geht dann aber in einen Krautrock/Disco-artigen Jam über.
Spilker singt „Last night a DJ saved my life“ und tanzt ein lächerlich kleines Handtuch schwenkend auf der Bühne. Und auf einmal sind wir alle wieder dreißig Jahre jünger, mit Ausnahme der paar tatsächlich jungen Leuten, die erfahren, dass in den alten Säcken noch eine Menge Power steckt, wenn die Mischung so wie an diesem Abend stimmt!
Setlist:
Universal Tellerwäscher / Die Interessanten / Immer noch sprachlos / Fan von Irgendwas / Ich nehme das Amt nicht an / Ändern wir je den Akkord? / Ich habe nichts gemacht (außer weiter) / GNZRZND / Open Water / Es war nur ein Traum / Wenn es Liebe ist / Easy auf Rezept / Gleich hinter Krefeld / Was ist hier los / Wahr ist was wahr ist / Was hat dich bloß so ruiniert // Hallo Euphoria / Depressionen aus der Hölle // Du musst gar nix / Fickt das System





