Es ist eine eigentlich unglaubliche Geschichte. Nachdem Bandleader Sun Ra nach jahrzehntelanger unablässiger Tätigkeit 1993 verstarb, übernahm Saxophonist Marshall Allen 1995 die Leitung des Sun Ra Arkestra.
Dichter Bandsound
30 Jahre später ist Allen immer noch der Leader, kann aber im Gegensatz zu 2019 nicht persönlich vor Ort sein, da der fast 101-jährige aus gesundheitlichen Gründen nicht ins Flugzeug steigen darf. So müssen seine Bandkollegen einspringen, die selbst teilweise seit Jahrzehnten Teil des Arkestras sind.
Das Konzert in der gut gefüllten Alten Feuerwache macht schnell klar, dass dichte Rhythmen und energetisches Zusammenspiel noch immer das Aushängeschild des Arkestras sind. Es dreht sich alles um den Bandsound, der in den besten Momenten intensiv und mitreißend ist.
Nur die Kostüme sind gewagt
Gleichzeitig spielt die Band die Musik von Sun Ra in geglätteten Versionen, die alle Ecken und Kanten vermissen lassen. Die spielerische Qualität ist unleugbar, aber avantgardistisch oder auch nur gewagt sind höchstens die Kostüme der Band.
Das heißt natürlich nicht, dass die Besucher ein schlechtes Konzert erleben, nur erinnert die Musik bisweilen sehr viel mehr an klassische Big Bands von Duke Ellington oder Count Basie denn an Sun Ras Soundexperimente.
Die Musiker auf der Bühne machen mit Ansagen immer wieder klar, dass Marshall Allen Sun Ras Stücke neu arrangiert hat. Das ist alles schön und gut, aber ein bisschen mehr Wagemut, ein bisschen mehr Freude zum Experiment hätte es schon sein dürfen.
Schöne Momente
Dennoch gibt es schöne Momente während des knapp mehr als neunzigminütigen Konzerts: Bei einem Lied verlassen die Musiker die Bühne und marschieren durchs Publikum – und die Zuschauer recken die Köpfe und versuchen den Zug der Band nachzuvollziehen.
Ganz zum Schluss animiert das Arkestra die Zuschauer mit einem Song zum Kauf von Merchandise wie CDs, T-Shirts und Platten – eine humoristische Einladung zum Kauf, die man so auch selten gehört hat. Damit verabschiedet sich das Arkestra nach etwas mehr als 90 Minuten nach einem lebensfrohen, aber auch etwas eindimensionalen Auftritt.


