Gringo Mayer hat den Kurpfälzer Dialekt auf die große Bühne gebracht. Mit Authentizität, Charme und hervorragenden Songs füllt er zum Abschluss des Jahres das BASF-Feierabendhaus bis auf den letzten Platz.

"Läuft bei Dir!" ist wohl der Satz, der aktuell am besten zu dem Jahr 2024 bei Gringo Mayer passt. Der Shooting Star aus der Kurpfalz vereint gleich mehrere Stärken: Er ist ein begnadeter Entertainer, er trifft mit seinem authentischen Charme die Herzen der Menschen, er schreibt tolle Songs, die total unorthodox sind, aber auch über große Mitsingmelodien verfügen und er hat die Figur Gringo Mayer geschaffen, die Schnurri und Geheimratsecken wunderbar mit Cowboyboots und 70s-Hemden in Szene setzt.

Nachdem er im Sommer schon an zwei Abenden den Karlstorbahnhof in Heidelberg ausverkauft hat, setzt er zum Jahresabschluss noch einmal einen obendrauf und füllt das BASF-Feierabendhaus in Ludwigshafen bis auf den letzten Platz. Da muss jemand verdammt viel richtig gemacht haben!

Trinken und Rauchen

Als Vorgruppe fungiert wie auch im Karlstorbahnhof die Heidelberger/Mannheimer Band Yara, die sehr an Wanda erinnern, jedoch auf Dialekt verzichten. Aber Trinken und Rauchen sind feste Bestandteile ihrer Erlebniswelt und große Gefühle auf kleinem Raum ebenso.

"Champagner aus 'nem Aschenbecher" bringt das gut auf den Punkt und am Ende steht die Frage wo das Pferd ist (surprise: auf der Wiese) und von dem Steckenpferd, mit dem Sänger Jakob über die Bühne galoppiert, reißt der Kopf ab. Egal, passt gut als Einstimmung auf Gringo.

Exzellente Inszenierung

Um 20:45 geht dann das Licht aus, die Kegelband legt los und dann kommt er: Gringo Mayer. Spätestens seit diesem Jahr passen die Posen, die er in seinen Auftritt legt, auch zur Größe der Bühne und der Säle. Sein Bühnenpersona erinnert an den Las Vegas-Elvis oder auch an Morrissey und das im absolut positiven Sinne.

Wie er da rauskommt mit "Fabrigg", seiner ersten Single aus dem im Januar erscheinenden dritten Album "Laav" hat schon Format und die Melodie der Trompete wird sofort von Fans als Chor intoniert. "Fabrigg" ist natürlich die BASF, die Teile von Ludwigshafen nachts erleuchtet, und in diesem Moment stecken alle Elemente, mit denen Springsteen die Stadien rockt. 

Dialekt für alle

Mit "A wo simmer dann" und "Was'n los?" folgen zwei neue Songs, die mutig an den Anfang des Sets gesetzt werden bevor dann mit "Äni rache" ein Song kommt, den wirklich alle kennen und mitsingen. "Ru do dirwwe" ist der nächste Höhepunkt und spätestens jetzt wird deutlich, dass hier etwas Besonderes entstanden ist.

So ähnlich wird es 1981 gewesen sein, als Wolfgang Niedecken und seine Band BAP gemerkt haben, dass mit ihren Songs im ehrlichen Dialekt gehalten auch die Menschen, die diesen Dialekt nicht in die Krippe gelegt bekommen haben, erreicht werden können und begeistert mitgehen. 

Stimmige Mischung

Es folgt jetzt eine gute Mischung aus den Krachern seiner ersten beiden Alben. Mit "Pfütze" spielt er auch einen Song, der bereits 2018 auf seiner Debüt-EP enthalten war und jetzt in einer neu eingespielten Version auf dem kommenden Album enthalten sein wird.

Das Publikum in dem Feierabendhaus feiert ihn und er meistert die Balance einerseits berührt zu sein von dem, was ihm da von Fanseite entgegengebracht wird und anderseits seine Show durchzuziehen mit all den Posen.

In einem anderen Kontext würden sie albern oder lächerlich aussehen, aber in Verbindung mit der Persona Gringo Mayer und der Begeisterung der Fans sind sie absolut stimmig. Das beweist, dass hier in kurzer Zeit etwas entstanden ist, was das Potential zum Kult hat.

Gemeinsames Erlebnis

Mit einer langen Version von "Oh Jesses" geht dann das reguläre Set zu Ende, aber es folgt dann noch eine ausgiebige Zugabe, die auch wieder durch einen neuen Song eingeläutet wird, bevor dann mit "Underdogs" und "Allää" noch zwei absolute Kracher folgen.

Mit den beiden letzten Liedern zeigt Gringo dann, dass er auch eine polititsche Botschaft hat. Geschickt formuliert er in der Ansage dazu, dass er den Menschen ins Bewusstsein rufen will, dass sie sich daran erinnern sollen, wie schön doch das gemeinsame Erlebnis dieses Abends ist. Dass sie sich nicht in Hass auseinander dividieren lassen sollen, sondern gemeinsam in Kontakt bleiben sollen. 

Einfach authentisch

Und so kann man auch mit solchen Songs einen Abend beenden und die Menschen trotzdem glücklich erfüllt nach Hause entlassen.

Im Januar kommt das neue Album, im Sommer gibt es in der Region wieder einen großen Heimspiel-Gig – der sicherlich bald auch ausverkauft ist. Gringo hat dieses Jahr gezeigt, dass er das Format für große Bühnen hat und auch dort noch authentisch rüberkommt!

Setlist

Fabrigg / A wo simmer dann / Was'n los? / Äni rache / Ru do dirwwe / Viel zu arg / Imma mol ä bissl / Mo gugge / Kä Beweise /  Ahjoo / Ocean of love / Pfütze / Allahopp / Gibt's do net / Jeddi / Oh Jesses // Niemand wie du - Underdogs - Allää - Des is brudal - De Deifel sollse hole