Dass der Himmel an diesem Abend zunächst noch ein wenig verhangen ist, tut der Stimmung im Schlosspark keinen Abtrag. Es herrscht eine entspannte Picknickatmosphäre, die Gäste machen es sich auf dem Rasen vor der Bühne bequem oder schlendern noch ein wenig durch die Anlage.
Neben mir komplimentiert ein Mann im Nirvana-Shirt einen anderen mit The Breeders-Shirt. Kim Deal wird heute zwar nicht mehr mit den Pixies auf der Bühne stehen, an musikalischer Verstärkung mangelt es dennoch nicht.
Alle guten Dinge sind drei
„Pixies + Very Special Guest“ hieß es in der Konzertankündigung. Bei einem Gast bleibt es jedoch nicht. Mit Picture Parlour und Sprints, wird das Publikum nämlich von gleich zwei Supportacts für den Auftritt der Pixies aufgewärmt.
Beide Gruppen bekennen sich als große Pixies-Fans, können deren Auftitt selbst kaum erwarten und freuen sich über die Möglichkeit, das Konzert eines ihrer großen musikalischen Vorbilder eröffnen zu dürfen.
Stolz sein dürfen jedoch nicht nur die Bands. Karla Shubb, Frontfrau der irischen Sprints, gedenkt zur Feier des Anlasses auch ihrer ehemaligen Deutschlehrerin während sie sich mit der ein oder anderen bilingualen Ansage an das Publikum richtet.
"Gigantic" Setlist
Als weniger gesprächig erweisen sich hingegen die Pixies. Kaum hat die Gruppe die Bühne betreten, geht es auch schon los. Die Songs sitzen, aber das müssen sie auch, denn die Pixies haben Großes vor. Die Setlist des Abends umfasst ganze 31 Lieder.
Eröffnet wird die Show mit "Gouge Away" und "Wave of Mutilation". Letzterer Song erscheint später im Set erneut, dieses Mal jedoch in Form der alternativen UK Surf Version.
Konversation in Code
Als Black Francis nach ein paar Liedern ein "Hey" ins Mikrofon ruft, könnte man meinen nun käme eine Begrüßung, stattdessen folgen jedoch – nach einer etwas längeren Pause als man es von der Aufnahme gewohnt ist – die ersten Takte des gleichnamigen Songs.
Eine ähnliche Situation entsteht direkt darauf, als Francis die ersten Zeilen von "Mr. Grieves" an das Publikum richtet und diese etwas mehr wie eine Frage klingen lässt. Bereits auf das erste "Hope everything is alright?" reagiert das Publikum jubelnd. Das zweite Mal verleiht Francis seinen Worten noch einmal mehr Nachdruck, das Publikum tut es ihm gleich.
Kleine Zeitreise
Die Pixies geben an diesem Abend jedoch nicht nur "Doolittle"-Klassiker zum Besten. Ebenso wie die Gäste im Publikum variieren auch die an diesem Abend gespielten Songs stark in ihren Entstehungsjahren.
Neben "Doolittle" liegt mit "Surfer Rosa" und "Bossanova" zwar ein besonderer Fokus auf der frühen Schaffensphase der Pixies, doch auch die jüngsten Songs "You're So Impatient" und "Chicken" schaffen es ins Set.
Nicht unterzukriegen
Dass die frühen Werke der Pixies als ihrer Zeit voraus gelten und zahlreiche Künstler und Künstlerinnen inspirieren konnten, ist bekannte Musikgeschichte. Mit ihrem Auftritt stellt die Gruppe jedoch erneut ihre Zeitlosigkeit unter Beweis. Gerade bei Songs wie "Vamos" wird deutlich, dass auch die Band selbst ihre Auftritte noch sichtlich genießt.
Insgesamt präsentiert sich die Gruppe als eingespieltes Team. Dass Emma Richardson erst seit März mit Francis, Santiago und Lovering auf der Bühne steht, merkt man ihr nicht an. Die Künstlerin, die Paz Lenchantin am Bass ersetzt, singt "In Heaven" sogar fast komplett solo.
Auch Black Francis Stimme erweist sich noch 38 Jahre nach Erstgründung und einem Set von 31 Songs später als äußerst belastungsfähig und nur ein ganz kleines bisschen heiser. An Ausdrucksstärke wird diese Band wohl nie verlieren.
Setlist
Gouge Away / Wave of Mutilation / You’re so impatient / Head On / Isla de Encanta / Monkey gone to Heaven / Debaser / Hey / Mr. Grieves / Cactus / Caribou / Planet of Sound / The Vegas Suite / Chicken / In Heaven (Lady in the Radiatior Song) / Death Horizon / Here Comes Your Man / Vamos / Motorway To Roswell / The Happening / The Thing / Down To The Well / Subbacultcha / You Know My Name (Look Up The Number) (The Beatles Cover) / All over the world / I’ve been tired / Wave Of Mutilation (UK Surf) / Ana / Where is my mind / Winterlong (Neil Young Cover)









