Marla & David Celia – „After The Goldrush – Neil Young Tribute“, Karlstorbahnhof Heidelberg

Marla & David Celia – „After The Goldrush – Neil Young Tribute“, Karlstorbahnhof Heidelberg © Jan Wölfer

Marla & David Celia präsentieren mit ihrer Band im Karlstorbahnhof Heidelberg das komplette Neil Young-Album „After The Goldrush“ und eine Reihe weiterer Songs. Dabei überzeugen sie vor allem mit ihrem Gesang, der dem Original erstaunlich nahe kommt.

Das Setting hat ein wenig etwas von einem Seminar. Zuerst gibt es einen Vortrag, dann eine Neuinterpretation eines klassischen Werkes. Und trotzdem fühlt man sich eher wie in einer trauten Runde unter Gleichgesinnten, so wie man sich vor vielen, vielen Monden traf und eine Platte gemeinsam anhörte, dazu Rotwein trank und/oder was dazu rauchte und dann die ganze Nacht über Musik und Gott und die Welt erzählte.

Zunächst ergreift regioactive.de-Redakteur Daniel Nagel das Wort und hält einen Impulsvortrag, der die Umstände der Erstehung von "After The Gold Rush" beleuchtet und zu jedem Lied der Platte interessante Aspekte bereithält. Dank seiner großen Expertise auf dem Gebiet und der Musikgeschichte überhaupt, gelingt es ihm, die Zusammenhänge darzustellen und dazu amüsante Anekdoten zu liefern.

Originalgetreu, aber mit eigenen Nuancen

Nahtlos ist der Übergang zur Musik. Marla & David Celia betreten die Bühne und stimmen eine traumhaft schöne Version von "Tell Me Why" an, durchaus mit eigenen Nuancen, aber in Hinsicht von Arrangement und Klang ganz nah am Original.

Das Titellied spielt David dann ebenso originalgetreu allein am Piano, während für "Only Love Can Break Your Heart" dann die ganze fünfköpfige Band auf die Bühne kommt. Auch hier bleiben sie eng an der Vorlage. Das folgende "Southern Man" gerät dann auch angemessen rockig. David reißt früh eine Saite an der Les Paul und trotzdem bringt er das ausufernde Solo souverän nach Hause.

Ausgezeichneter Gesang

"Oh, Lonesome Me" erfährt dann eine bewusste Abweichung vom Original, denn die Band spielt die Nummer noch einmal einen Tick langsamer als die Young-Version und zudem übernimmt Marla die Leadvocals. Ein weiterer Höhepunkt ist das wunderschöne "Birds", in dem die beiden Stimmen erneut hervorragend harmonieren.

Überhaupt bewegt sich der Gesang, insbesondere die Leadvocals von David sehr nah am Original. Vielleicht spielt der Umstand eine Rolle, dass er wie Young aus Toronto stammt, jedenfalls lässt ihn der Klang seiner Stimme prädestiniert für ein Young-Tribute erscheinen.

Guitar Hero

Dazu kommt, dass er auch an der Gitarre die Vorlage exzellent umsetzt und mit solcher Verve in die Saiten haut, dass ihm auch an der zweiten E-Gitarre die hohe E-Saite reißt.

Leider hat er keinen Gitarrenroadie hinter der Bühne und so muss er dann fünfsaitig spielen bevor er dann gegen Ende eine seiner Westerngitarren in den Amp stöpselt und seinen Finger den Kraftakt zumutet, die Soli auf einer Westerngitarre mit ihrem viel härteren Saitenzug zu spielen. Aber auch diese Aufgabe meistert er!

Bitte noch mehr!

Nachdem das Album komplett gespielt wurde, spielt die Band noch eine Reihe weiterer Neil Young-Klassiker, wie "Harvest Moon", "Cinnamon Girl", "Powderfinger" und den Hits "Heart Of Gold" und "Rocking In The Free World". Aber nicht nur die Hits, sondern auch so schöne Spezialitäten wie "Burned" von dem ersten Buffalo Springfield-Album werden hervorragend dargeboten.

Im Zugabenteil wird es dann etwas improvisiert – Marla und David spielen als Duo auf Zuruf Wünsche aus dem Publikum und auch noch eine eigene Nummer – für einen Moment entsteht der Eindruck, als würden sie ewig so weiter machen, aber dann verabschieden sie sich mit "The Needle And The Damage Done" dann doch.

Diese einmalige Aktion war sowohl für Marla & David Celia als auch für ihre Band etwas Besonderes, das nach Wiederholung schreit. Vielleicht dann 2022 mit "Harvest" oder 2024 mit "On The Beach"!

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neil young

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